Basketball Training

„Das größte Gift für den Erfolg ist die eigene Zufriedenheit“

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Woher kommt der Erfolg bei Basketballmannschaften wie Miami Heat? Wo liegen Gefahren?

trainingsworlds Basketball-Experte Ramy Azrak hat zum aktuellen Anlass den Diplom-Psychologen und Basketballfan Alexander Elwert gebeten, Faktoren des Miami Heat-Erfolgs aus psychologischer Sicht darzustellen.

Die Miami Heat hätten im Februar und März fast Basketball-Geschichte geschrieben. Nach 27 Siegen in Folge verlor der amtierende Meister gegen den Chicago Bulls. Damit verpassten die Miami Heat den NBA-Rekord der Los Angeles Lakers aus dem Jahr 1971/72. Die Kalifornier wurden erst nach 33 Partien in Serie geschlagen.

Mit den 3 NBA Allstars LeBron James, Dwyane Wade und Chris Bosh haben die Miami Heat ein gigantisches spielerisches Potential und schweben trotz des aktuell verpassten NBA-Rekords weiterhin auf einer Erfolgswelle. Die auf den Schlüsselpositionen identische Mannschaft zeigte in den NBA-Playoffs 2011 gegen die Dallas Mavericks Nerven und verlor die Finalserie nach einer 2-1 Führung mit 2-4. Der Liga MVP LeBron James sagte nach seiner Meisterschaft: „Vielleicht war mein Schmerz meine Motivation“.

 

Alexander Elwerts Statement zur aktuellen Erfolgsbilanz der Miami Heat

Bei der sportpsychologischen Betrachtung der Ursachen von Siegesserien und deren Zustandekommen gilt es verschiedene Aspekte zu beleuchten.

Zum einen spielt die Motivation eine entscheidende Rolle. (Lesen Sie dazu auch: So halten Sie Ihre Motivation aufrecht) So kann nur derjenige erfolgreich sein, der es schafft, seine Motivation hoch zu halten. Gerade nach großen Erfolgen wie z. B. dem Erringen einer Meisterschaft ist dies schwer, da nach großem Kraftaufwand ein Ziel erreicht wurde, dem natürlicherweise eine Sättigung folgt. Dies verhindert aber allzu oft, auf gleichem Niveau weiterhin erfolgreich zu agieren. So ist es kein Wunder, dass es sehr schwer ist, einen Erfolg zu erzielen, es aber noch viel mehr von jedem Einzelnen im Team verlangt, diesen auch zu bestätigen. Nicht umsonst zählen im Sport diejenigen zu den ganz „Großen“, die es schaffen, ihren Erfolg zu wiederholen. Insbesondere für den Titelverteidiger, wie es in der NBA die Miami Heat aktuell sind, wird die Folgssaison viel schwerer, da zum einen die Konkurrenz darauf aus ist, den Meister schlagen zu wollen. Zum anderen beginnt die Saison wieder bei Null und das Team muss sich seinen Status wieder neu erarbeiten.

 

Wie schafft man es, sich immer wieder zu 100 % zu fokussieren?

Dies gelingt in der Regel nur, wenn sportpsychologisch sinnvolle neue Ziele definiert werden, die für alle Aktiven eine hohe Attraktion darstellen, für die es sich lohnt, sich zu quälen und „alles in die Waagschale zu werfen“.

Ein neues Ziel seitens der Mannschaftsführung kann z. B. die Vorgabe der erneuten Titelverteidigung sein, um nicht als „Eintagsfliege“ zu gelten oder den Kader so zu verändern, dass neue „hungrige“ Spieler dabei sind, die u. a. den Konkurrenzkampf beleben.

So ist das größte „Gift“ für den Erfolg die eigene Zufriedenheit. Zufriedenheit führt schnell zu etwas weniger Anstrengung und etwas weniger Achtsamkeit. Dies führt in der Regel zu einem Nachlassen der Spannung, was bei der heutigen Leistungsdichte in der Spitze in Niederlagen mündet. Um sportlich dauerhaft erfolgreich zu sein, brauchen Sportler und Teams einen unerfüllten Hunger. Selbstzufriedenheit macht träge und unaufmerksam und verhindert, alle Kraftreserven zu mobilisieren und mit unbeugsamen Willen dem Siegen nachzustreben. So gilt es bei der Saison- und Trainingsgestaltung immer weiter nach Verbesserung und Veränderung zu suchen, um neue Reize zu setzen und auch für Abwechslung bei den Spielern zu sorgen. Dies heißt nicht, dass Erfolge nicht auch gefeiert werden dürfen - oder sogar sollen! Es gilt aber die „Feier“ möglichst „klein“ zu halten, solange das Hauptziel, z. B. das Erringen der Meisterschaft oder die Titelverteidigung, noch nicht erreicht ist. Ansonsten droht - wie bereits erwähnt - ein Spannungs- und Konzentrationsabbau, der während eines Spiels nicht mehr zu korrigieren ist.

 

Der Gegner

Gleichzeitig ist für einen dauerhaften Erfolg auch immer eine Portion Demut und Respekt vor dem nächsten Gegner notwendig. Ist dies nicht der Fall, laufen einzelne Spieler oder das Team Gefahr, sich zu überschätzen und arrogant zu werden. Dies hat in der Regel zur Folge, dass wiederum die Konzentration und Spannung nachlässt, was sich leistungsmindernd auswirkt.

Überhaupt ist es wichtig, immer nur den nächsten Schritt in den Blick zu nehmen und dies ist innerhalb einer Meisterschaftrunde das nächste Spiel und der nächste Gegner. Nur mittels dieser Fokussierung gelingt es, alle Energie, die dem Athleten und dem Team zur Verfügung steht, auf diesen Augenblick zu richten.

Schaut man sich die Erfolgsserie der L.A. Lakers in den 1980er Jahren unter ihrem damaligen Coach Pat Riley an, kann man einiges über den Umgang mit Erfolg erfahren. Pat Riley hat 1993 versucht, den Erfolg seines Teams in seinem Buch „The winner within“ zu beschreiben. Dort ist eine seiner Kernaussagen die, dass nur das Team dauerhaft Erfolg hat, das bereit ist, den Einsatz von Spielzeit zu Spielzeit zu erhöhen. Damit ist gemeint, dass es - trotz des Erreichens des Ziels der Vorsaison, z. B. der Meisterschaft (!) - darum geht, neue Reize zu setzen, immer im Bestreben, die eigene Leistung zu optimieren. Nur wer bereit ist, den nächsten Entwicklungsschritt zu gehen, wird sich dauerhaft verbessern und Erfolg haben, frei nach dem Motto: "Stillstand bedeutet Rückschritt!“.

Dies gilt es dem Team zu vermitteln und alle Beteiligten auf diese Reise mitzunehmen. Je mehr die Athleten dies mittragen und verinnerlichen, umso einfacher wird die tägliche Trainingsarbeit und die Einstellung der Spieler auf die kommende Aufgabe seitens des Trainerstabs.

 

Ramy Azrak

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