Stress versetzt den Organismus in Alarmbereitschaft (Teil 2)

Im Auge des Säbelzahntigers: Flucht oder Angriff!

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Heute ist es nicht mehr der Säbelzahntiger, der Stress auslöst

Der 2. Teil des Artikels zur Stressreaktion erläutert die Vorgänge, die physiologisch bei Stress im Gehirn stattfinden.

Lesen Sie auch den 1. Teil des Artikels: Stress versetzt den Organismus in Alarmbereitschaft (Teil 1)

  

Kurzer und langer Weg zur Stress-Reaktion

Die erste Bewertungsinstanz einlaufender sensorischer Reize ist der Thalamus im Limbischen System. Wenn die Situation nun als akut bedrohlich bewertet wird, kann es sein, dass sofort, auf kürzestem Weg, eine Stress-Reaktion ausgelöst wird. Der Thalamus informiert sofort die Amygdala, ein im Limbischen System liegender Kern, der wesentlich ist für die Auslösung von Emotionen. Die Amygdala sorgt nun ihrerseits dafür, dass aus dem „blauen Kern“ im Hirnstamm bestimmte Stresshormone ausgeschüttet werden und unter Einbeziehung des „Sympathikus“ (vegetatives Nervensystem) zu entsprechenden körperlichen Stressreaktionen führen. Dabei spielen die Stresshormone „Noradrenalin“ und das allgemein bekannte „Adrenalin“ eine entscheidende Rolle. Auf eine detaillierte Beschreibung der hier ablaufenden Prozesse wird in diesem Artikel bewusst verzichtet. Jeder kennt aber Situationen aus eigener Erfahrung, in denen man urplötzlich heftige körperliche und emotionale Reaktionen zeigt, ohne auch nur eine Sekunde darüber nachzudenken. Dies ist ein blitzschneller Schutzmechanismus bei akuter Gefahr, der bewusste Denkprozesse im Großhirn umgeht. Dies kann uns das Leben retten. Es kann sich aber im Nachhinein bei genauerem Nachdenken auch herausstellen, dass diese Sofortmaßnahme unnötig war.

Der Thalamus informiert nicht nur die Amygdala über eingehende Sinnesreize, sondern auch die Großhirnrinde. Hier werden diese Informationen nun genau mit gespeicherten früheren Erfahrungen verglichen, um sich ein genaues Bild der Situation zu machen. Ist das Ergebnis dann die Erkenntnis, dass Gefahr droht, kommt es zu der gleichen Stress-Reaktion, die oben beschrieben wurde. Der Unterschied ist, dass der Weg über die Großhirnrinde zwar zu exakteren Daten führt, deshalb aber einfach auch länger dauert.

 

Wenn’s gefährlich bleibt

Die eben beschriebene Stress-Reaktion hat den Organismus in den „Angriff- oder Fluchtmodus“ versetzt. Sofern die Stress-Situation komplett bewältigt wird, kommt es wieder zu einer Drosselung der Erregungsprozesse, und der Organismus kann langsam zur Erholung übergehen. Sollte der Stress jedoch nicht so leicht zu bewältigen sein, bleibt die Aktivierung des Organismus bestehen. In einem sehr komplexen Wirkungszusammenhang werden nun auch weitere Gehirnregionen und Organsysteme in diesen Vorgang der Auseinandersetzung mit den Stressoren einbezogen. So wird der im Stressgeschehen wichtige Hypothalamus aktiviert. Er ist quasi eine Kontroll- und Schaltzentrale vieler wichtiger grundlegender Lebensfunktionen und setzt nun eine ganze Kette hormoneller Abläufe in Gang. Am Ende dieser Kette kommt es schließlich zur Freisetzung von Kortisol in der Nebennierenrinde. Kortisol ist neben Adrenalin eines der ganz wichtigen Stresshormone und kann seinerseits zahlreiche körperliche Prozesse in Gang setzen, die der Auseinandersetzung mit Situationen dienen, in denen Stress über längere Zeit anhält.

Die hier stark vereinfacht dargestellten Abläufe sind biologisch grundsätzlich erst einmal intelligent und sinnvoll. Unter bestimmten Umständen können sie jedoch eine Gefährdung der Gesundheit und Leistungsfähigkeit bedeuten. Doch davon und zum Thema Mental Training und Sportpsychologie mehr in einem der folgenden Artikel.

 

Jörg Schönenberg

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