Sportpsychologie

Angst – der innere Feind des Sportlers

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Angst – der innere Feind des Sportlers

Im Sport gibt es eine Hürde, die höher ist als Zeitvorgabe, Punkteergebnis oder mangelnde physische Kondition: die Angst. Wenn ein Sportler im entscheidenden Moment eine Blockade hat oder einen unerklärbaren Schnitzer begeht, so ist Angst sehr häufig der Kern der Ursache.

Angst kann sicher geglaubte Siege entreißen und lähmende Unsicherheit schüren. Wer sie kennt, lernt sie am besten zu beherrschen. 

Angst kann als eine erweiterte Stressreaktion verstanden werden, zum Stressreiz kommt die Vorstellung, dass die bedrohliche Situation nicht bewältigt werden kann. Angst-Reaktionen werden nicht vom Großhirn gesteuert (das Großhirn ist für unser rationales Denken verantwortlich), sondern von entwicklungs-geschichtlich viel älteren Hirnregionen, die ohne das Großhirn zu fragen, den Körper aktivieren: Kampf- oder Fluchtreaktion! Angst entsteht in einem Teil des Hirnlappens: Mandelkern, auch Amygdala genannt, mandelförmige Zentren im Zwischenhirn, die für Angst, Wut und Ärger, Alarm und Krawall, Stress und Ekel zuständig sind. Ein Einwirken auf den Mandelkern ist möglich. (Mentaltraining) Der Mandelkern kümmert sich um Fressfeinde und wird nicht über den Verstand, sondern somatisch gesteuert. Er verändert die Wahrnehmung. 

Zweifel erzeugen Angst

Angst ist eine Reflexion der Ungewissheit. Angst ist unangenehm, jagt einem die Gänsehaut über den Rücken, vermittelt Unwohlsein. Es ist eine emotionale Reaktion, gekennzeichnet durch Empfindungen wie Unruhe und Anspannung, die im Sport u.a. durch Zweifel herbeigeführt werden: 

- Zweifel über sich selbst, Glaube an sich selbst erschüttert 

- Zweifel bezüglich des Ausgangs 

- Zweifel bezüglich der Sicherheit oder darüber, was andere denken mögen. 


Unglückseligerweise birgt das menschliche Gehirn mehr Dämonen in sich als ein Film von Stephen Spielberg. 

Wir verbringen viel Zeit unseres Lebens damit, Situationen „abzuwägen“, indem wir die Anforderungen einer an uns gestellten Aufgabe mit dem vergleichen, wovon wir glauben, dass wir es zu tun imstande sind. 


Angst ist persönlich und nicht voraussagbar

Das Ungleichgewicht in unserer Wahrnehmung von Dingen, die Interpretation des Betroffenen ist die fundamentale Ursache für Angst. 


Wenn zum Beispiel ein Marathonläufer vor dem Start den Streckenverlauf betrachtet, dann vergleicht er die Anforderungen der vor ihm liegenden Route mit jenen Trainingsstrecken, von denen er weiß, ihnen gewachsen zu sein. Ist der Läufer davon überzeugt, dass sich die Schwierigkeit des Streckenverlaufs innerhalb seiner Fähigkeiten bewegt, wird er keine Angst empfinden. Hegt er jedoch Zweifel, dann erscheint die bevorstehende Laufstrecke als bedrohlich. Die Folge ist Angst. Die Tatsache, dass Angst von der sinnlichen Wahrnehmung des Einzelnen abhängt, macht sie zu einem sehr persönlichen und nicht voraussagbaren Problem. 

Antje Heimsoeth  

 

Lesen Sie weiter: Wie Sie ihre Angst besiegen

 

Literaturnachweis:


Heimsoeth, Antje: Mental-Training für Reiter, Müller Rüschlikon Verlag, Stuttgart 2008. 

Über die Autorin: Antje Heimsoeth, selbstständige Trainerin und Coach, DVNLP, Gesundheitstrainerin, ECA Sport Coach (Master Competence), zert. Sport-Mentaltrainerin, zert. Business Coach, ECA Lehrcoach & -trainerin, zert. Mental Coach, wingwave®-Coach, Dozentin an der Hochschule Ansbach und Top-Speakerin mit eigenem Institut SportNLPAcademy®. 
Infos: www.sportmentaltraining.eu, www.antje-heimsoeth.com.

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