Selbstbehauptung vs. Selbstverteidigung

Selbstbehauptung: Der beste Weg zur Verteidigung gegen Gewalt

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Bevor man mit Selbstverteidigungskursen loslegen kann, ist es wichtig, an der Selbstbahuptung zu arbeiten.

Wie gehe ich als „Nicht-Kampfsportler“ vor, wenn ich lernen möchte mich sicher zu fühlen und wehren zu können? Erfahren Sie hier, warum die Selbstbehauptung und das Selbstbewusstsein noch vor der Selbstverteidigung kommen.

Schlagzeilen wie: „Gewalttat: Mann ersticht Jobcenter-Mitarbeiterin“ lesen und hören wir in den letzten Jahren immer häufiger. Immer brutaler und öffentlicher werden Menschen in Deutschland angegriffen und haben keine Chance sich zu wehren. Die Angst selbst zum Opfer zu werden ist groß und bedingt Unsicherheit im Verhalten. Häufig macht diese unsichere Ausstrahlung den Menschen noch eher zum Opfer eines Angriffs. Aber woher weiß man genau, welche Ausstrahlung man hat? Wie bewusst kann man seine eigene Wirkung einschätzen und als problematisch erkennen? Wie kann man lernen sicher zu sein, sich im Notfall verteidigen zu können und allein durch diese Sicherheit schon vermeiden überhaupt angegriffen zu werden?

 

Das Selbstbild

Zunächst sollten Sie Ihr Selbstbild genau analysieren:

 

1. Lernen Sie sich selbst kennen

Beobachten Sie sich selbst in Ihrem normalen Tagesablauf:

- Wie ist Ihre Mimik und Gestik?

- Haben Sie einen sicheren Gang?

- Schauen Sie nach vorn oder nach unten beim Laufen?

- Haben Sie eine laute oder eine leise Stimme?

- Agieren sie viel mit den Händen während sie sprechen?

- Was für ein Typ Mensch sind sie? (interaktiv, genau, sozial, dominant)

 

2. Nutzen Sie Ihre Stärken

- Sind Sie sportlich aktiv?

- Sind Sie mutig?

- Haben Sie die Fähigkeit Ihr Verhalten einer Situation anzupassen?

- Sind Sie groß?

- Sind Sie körperlich stark?

- Sind Sie geistig gefestigt?

- Können Sie sich selbst behaupten?

- Haben Sie Durchsetzungskraft?

- Sind Sie konsequent?

- Haben Sie eine führende Tätigkeit?

 

Können Sie die meisten dieser Fragen mit ja beantworten, besitzen Sie bereits eine sichere Ausstrahlung. Beantworten Sie allerdings die meisten dieser Fragen mit einem nein, so ist es sinnvoll genau an diesen Dingen zu arbeiten, um die Voraussetzungen für einen Selbstverteidigungskurs mitzubringen.

 

Selbstverteidigung und Selbstbehauptung

Viele Menschen sind nach dem Besuch eines Selbstverteidigungskurses enttäuscht und haben nicht das Gefühl, dass das Erlernte in der Praxis helfen würde. Es ist wichtig, vorher zwischen Selbstverteidigung und Selbstbehauptung zu unterscheiden.

 

Definition Selbstbehauptung

Selbstbehauptung ist die Fähigkeit, sich in grenzüberschreitenden Situationen der eigenen Grenzen und Rechte bewusst zu sein und diese deutlich machen zu können, es geht mehr um Psychologie als um physische Gegebenheiten. Es ist eine Fähigkeit, die man trainieren kann, um selbstbewusster aufzutreten. Durch Mimik und Gestik kann ganz bewusst eine bestimmte Ausstrahlung eingeübt werden, die den Gegner auf Abstand hält und ihm Respekt einflößt.(Mehr Selbstvertrauen im Sport! 

Definition: Selbstverteidigung

Selbstverteidigung ist die Fähigkeit, sich (in diesem Fall) körperlich in Notsituationen ohne Hilfe von außen zu wehren. Jeder Mensch hat seine eigene Intimzone. Die Grenzen hierfür setzt er selbst fest. Wird in diese Zone eingegriffen, sollte man sich wehren können. Kampfsportarten wie z. b. Taekwondo sind eine Möglichkeit.

 

Tipps und Tricks für den Alltag

Viele Gefahren kann man schon im Keim ersticken, wenn man sich über gewisse Dinge im Klaren ist. Man sollte Orte, an denen man sich häufig aufhält, bezüglich ihrer Fluchtwege, Hindernisse usw. analysieren. Desweiteren sollte man sich seiner Kleidung und ihrer Wirkung bewusst sein. Tragen Frauen beispielsweil bei der Arbeit Absatzschuhe und gehen abends im Dunkeln nach Hause, ist es sinnvoll, ein paar flache Schuhe dabei zu haben. Da es bei den meisten Arbeitsstellen nicht möglich ist, einen Karateanzug zu tragen, sollte man auf bequeme Kleidung und festes Schuhwerk achten.

 

Vorschläge für das Training

Führen Sie Übungen vor dem Spiegel durch. Simulieren Sie im Kopf eine Gefahrensituation und üben Sie vor dem Spiegel Mimiken und Gestiken ein, die für eine sichere Ausstrahlung sorgen. Achten Sie hierbei speziell auf die Augen (den Blick). Zusammengekniffen Augen zeigen einen bösen Blick, weit aufgerissene eher einen verängstigten. Üben Sie mit der Stimme laut und deutlich zu sein. Üben Sie zusätzlich den Einsatz der Hände, strecken Sie die Arme abwehrend nach vorne und signalisieren Sie: „Stopp, nicht weiter“.

 

Kraft

- Trizeps (Rückseite des Oberarms): Um den Gegner mit gestreckten Armen von sich entfernt zu halten, benötigt man Kraft im Trizeps. Den Trizeps trainiert man durch das Strecken des Armes gegen einen Widerstand. Führen Sie z. B. täglich 20-50 Liegestütz durch.

- Bauchmuskulatur: Um Angriffe abzublocken und die Atmung kontrolliert zu halten, ist es gut, eine kräftige Rumpfmuskulatur zu besitzen. Führen Sie z. B. täglich 50-100 Sit Ups durch.

 

Schnelligkeit

Um die Schnelligkeit zu trainieren ist es gut, täglich Joggen zu gehen. Nach dem Motto „protect and runaway“ ist die Priorität, sich selbst zu schützen und die erste Möglichkeit zur Flucht wahrzunehmen. Ist die Ausdauer und Schnelligkeit im Laufen gut, kann man durch Flucht einen Angriff oftmals schon vermeiden.

 

Das bedeutet für Sie

Schaffen Sie die Grundvoraussetzungen, um sich zu schützen indem Sie sich Ihr eigenes Auftreten bewusst machen und gegebenenfalls an Veränderungen arbeiten. Haben Sie diese Grundvoraussetzungen zur Selbstbehauptung alle verinnerlicht bzw. erreicht, ist es an der Zeit, einen Selbstverteidigungskurs zu besuchen. Ohne Selbstbehauptung wird Ihnen kein Selbstverteidigungskurs etwas bringen. Beschäftigen Sie sich also erst einmal mit sich selbst und überprüfen Sie Ihre Voraussetzungen. Ansonsten bringt Ihnen ein Selbstverteidigungskurs nicht mehr, als ein Loch im Portemonnaie.

 

Vahab Yektapour

 

Quellen:

1. Wikipedia, Individual Fighting Concept

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