Golftraining

Die Pre-Shot-Routine: Konkrete Anwendung

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Die konkrete Anwendung der Preshot Routine im Golf

Erfahren Sie alles über Rituale in der Preshot-Routine im Golf - den mentales Training kann Ihre Leistung deutlich verbessern.

Lesen Sie auch den ersten Teil des Artikels: Die Pre-Shot-Routine: Routinen und Rituale 

 

Auf dem Weg zum Golfplatz/Abschlag: Ohne Hetze in Ruhe. Golf verlangt nach Ruhe, Zeit, Konzentration und Flow. Gehen Sie nicht mit einem Zeitzwang auf den Platz. Lassen Sie los.

Einleitung der Pre-Shot-Routine mit einem „Anker“, z.B. indem Sie den Klettverschluss Ihres Handschuhs schließen. Bewusste tiefe Atmung, um zur Ruhe und Klarheit und über die Atmung ins Hier und Jetzt (Konzentration) zu kommen.

 

Checkliste

Wie ist es um meine Tagesform bestellt?  Wie weit wollen Sie den Ball schlagen?  Entfernung zum Loch - In welche Richtung? Und wie groß ist der Bereich, den Sie treffen wollen? Wie ist die Fahnenposition? Zielen Sie zum Beispiel direkt auf die Fahne oder auf einen größeren Bereich auf dem Grün? Letzteres gilt nur für Golfanfänger. Ansonsten ist „Mitte Fairway“ oder „geradeaus“ zu ungenau. Wie liegt Ihr Ball jetzt? Woher kommt der Wind? Ist es ein harter/weicher Boden? Schnittlänge der Fairways? Gefälle/Steigung des Fairways? Temperatur? Wie liegt mir der benötigte Schläger? Wetter? Denn bei Regen fliegt der Ball nicht so weit wie bei Sonnenschein.

 

Vorgehen

Wählen Sie sich vor jedem Schlag einen ganz konkreten Zielpunkt oder ein Zielgebiet aus. Dabei sollten alle Entscheidungen und das gewählte Ziel natürlich realistisch sein. Ihre Entscheidungen sollten zu Ihren tatsächlichen Fähigkeiten und den jeweiligen Gegebenheiten auf dem Platz passen. Achten Sie darauf, dass Sie Ihre Entscheidungen in einem ausgeglichenen emotionalen Zustand treffen und sich nicht noch über den letzten Miss-Hit ärgern bzw. über Ihre Leistung enttäuscht sind.

Wählen Sie der Zielsetzung entsprechend den passenden Schläger aus! Achten Sie darauf, dass Sie diese Entscheidung nicht nur im Kopf treffen, sondern dabei in erster Linie auf Ihre Intuition hören. Ihr Unterbewusstsein kann die richtige Entscheidung wesentlich schneller als Ihr bewusster Verstand fällen.

Wenn irgendeine Behinderung oder Störung während der Routine, egal, ob diese von innen oder außen auftritt, Sie zum Beispiel das geringste Unsicherheitsgefühl oder Zweifel spüren, dann den Vorgang abbrechen. Treten Sie vom Ball weg und überdenken Sie Ihre Schlägerwahl oder auch Ihre Zielsetzung, bis Sie sich mit Ihrer Entscheidung gut und sicher fühlen. Dann beginnen Sie nochmals von vorne.

 

Zielvorstellung, „Kopfkino“ und Schlagprogrammierung

Treten Sie selbstbewusst, vertrauensvoll und unbeeinflusst von negativen Gedanken an den Ball heran, stellen sich mehrere Schritte (ca. 3 Meter) hinter den Ball und schauen auf Ihr Ziel. Atmen Sie tief durch. Lassen Sie mögliche Gedanken wie Wolken am Himmel kommen und ziehen. Stellen Sie eine möglichst intensive Verbindung mit dem Ziel her. Sehen Sie eine Linie zwischen dem Ball und dem Ziel. Photographieren Sie das Ziel.

Und dann sehen Sie den Schlag so klar wie möglich. Gehen Sie den Schlag mit ihren Sinnen (sehen, hören, fühlen, riechen, schmecken) im Geiste durch. Spüren Sie den Schwung und die Bewegung; fühlen Sie den Treffmoment. Hören Sie, wie Sie den Ball im Treffmoment mit einem satten Ton treffen. Visualisieren Sie die Flugbahn des Balles, den Landepunkt und das Ausrollen. Sehen Sie Ihren Ball im Ziel. Hören Sie wie der Ball ins Loch fällt. So programmieren Sie Ihr Unterbewusstsein darauf, genau das zu tun, was Sie sich vorstellen.

Geeignetes, wieder gut auffindbares Zwischenziel auswählen, z. B. einen Grashalm, ein altes Tee in 2-10 Meter Entfernung vom Ball. Lassen Sie sich dabei nicht von schief gesteckten Abschlagskugeln oder schrägen Mähstreifen irritieren.

(Weitere Tipps aus dem Mental Training)

 

Probeschwung

Gehen Sie einen Schritt nach vorn, mit Ihrem Ziel oder der Linie im Kopf. Jetzt geht es um das Gefühl. Wenn Sie zu den Golfern gehören, die einen Probeschwung machen, dann führen Sie jetzt den Probeschwung hinter dem Ball oder parallel zum Ball aus. Denn nicht jeder Golfer macht einen Probeschwung. Je nachdem welche Vorliebe Sie hier entwickelt haben. Konzentrieren Sie sich beim Probeschwung auf Ihr Schwunggefühl. Machen Sie den Probeschwung und spüren Sie dabei wie der Schwung sich anfühlt. Das heißt, der Probeschwung soll sich genau so anfühlen wie der Schlag mit dem Ball. Speichern Sie das Gefühl, dass Sie beim Probeschwung haben. Suchen Sie aber nicht nach dem „richtigen“ Gefühl – „Stellt sich das richtige Gefühl wohl ein?“ -, denn somit misstrauen Sie Ihrem Unterbewusstsein.

Anmerkung: Bewahren Sie sich dabei Ihre Flexibilität. Denn wenn es nötig sein sollte, einen Probeschwung mehr zu machen, weil sich der erste Probeschwung nicht gut anfühlte, sollte Sie das nicht komplett aus dem Konzept werfen. Genauso kann es nötig sein, bei Regen beim Chippen mehr Probeschwünge zu machen.

 

Ball ansprechen

Stand neben Ball und Ansprechen des Balls. Check des Griffs. Richten Sie sich und Ihr Schlägerblatt akkurat auf das Ziel aus. Die Körperausrichtung folgt der Schlägerausrichtung. Keine Korrekturen mehr. Letzte Programmierung mittels eines kurzen Schwunggedankens oder eines Wortes wie z.B. „locker“ oder „Drehen, winkeln“.

Sie haben jetzt alles getan, was Sie bewusst tun können, um sich optimal vorzubereiten. Sie sind nun geistig und körperlich voll auf den Schlag eingestimmt. Das rationale Denken hat Pause. Lösen Sie ihren Schwung mit Entschlossenheit und Zuversicht mit dem nächsten Einatmen aus.

Während eines Golfschwungs werden ca. 700 Muskeln und 206 Knochen aktiviert. Wenn Sie versuchen würden, jede kleine Bewegung in diesem kurzen Moment des Schlags zu katalogisieren, würden sie sehr lange brauchen, aber Sie führen den Schlag in Sekunden aus. Die bewusste Steuerung eines Schlags ist unmöglich. Je mehr Sie versuchen, bewusst zu steuern, desto mehr stören Sie den im Unterbewusstsein abgespeicherten Bewegungsablauf und damit Ihren Schwung. Sie überlegen auch nicht, was Sie genau tun müssen, wenn Sie auf einem Stuhl sitzen und von diesem aufstehen möchten.

Schauen Sie noch ein letztes Mal auf den Zielpunkt. Harren Sie nicht zulange in dieser Position aus, damit Ihre Muskulatur nicht verkrampft. Atmen Sie tief ein und aus. Lassen Sie mit der Ausatmung alle Anspannung und Erwartungen los und beginnen Sie mit dem nächsten Einatmen den Schwung ... Beginnen Sie mit dem Schwung „wie von selbst“. Spielen Sie den Ball.

Achten Sie auf die Schlussphase ihrer Schlagvorbereitung, denn „Wenn zwischen dem letzten Blick zum Ziel und dem Beginn des Rückschwungs auf dem Platz mehr Zeit liegt als auf der Driving Range, so ist dies ein deutliches Anzeichen dafür, dass der Spieler sich nicht an seine systematisierte Vorbereitung hält" (ROTELLA 2005, S. 69 f.). Sie können dafür eine Stoppuhr nutzen oder mit Video arbeiten. Letzteres hat den Vorteil, dass Sie sich selbst in ihrer Schlagroutine beobachten können.

Beginn Rückschwung bis Finish. Das Finish ist immer gleich. Verweile im Finish. Schauen Sie, wie der Ball rollt/fliegt. Beobachten Sie den Ball bis zum Ende. Geben Sie Ihre körperliche Präsenz nicht auf. Empfinden Sie Schlag und Ballkontakt nach und genießen Sie.

 

Nach dem Schlag

Nach dem Schlag folgt ein kurzes gedankliches Feedback. Akzeptieren Sie das Ergebnis des Schlags. Wenn der Schlag nicht o.k. war, benennen Sie sachlich und ohne Selbstkritik die Abweichung vom Ziel. Wenden Sie sich nach dem Schlag nicht schnell ab. Das vernichtet Ihre Empfindungen für den Schlag. Ihre Emotionen können dann nicht mehr mit dem Ballflug assoziiert werden. Lernen bleibt dann aus. Prägen Sie sich besonders gute Schläge ein.

Zusätzlich nach einem schlechten Schlag: Entspannungsatmung zur Beruhigung.

Wenn Sie das Ziel nicht erreicht haben, machen Sie eine Kurzanalyse: Woran hat es gelegen? War die Vorbereitung nicht optimal? Waren es mentale oder körperliche Störfaktoren? Was war es genau? War ich unentschlossen? Gab es störende Gedanken? Habe ich meinen Plan kurz vor dem Schlag geändert? Wenn Sie die Störfaktoren erkannt haben, dann korrigieren Sie diese beim nächsten Schlag. Und auch wenn Sie die Störfaktoren nicht erkannt haben, haken Sie den Schlag ab und gehen zum nächsten Schlag.

Eventuell fehlerbereinigter Probeschwung.

Pre-Shot-Routine beENDEn z.B. durch Öffnen des Klettverschlusses Ihres Handschuhs.

 

Fazit

Alles in allem dauert diese Schlagroutine nur eine halbe bis eine Minute. Es erfordert aber einige Übung, bis sie automatisch und fließend abläuft. Eine gute Routine, die Sie konsequent bei jedem Schlag durchführen, kann allerdings Ihr Handicap erheblich verbessern.

Achten Sie deshalb bei Ihrer nächsten Runde auf Ihre derzeitige Routine. Lassen Sie sich nicht von der Routine abhalten und kürzen Sie sie auch nicht ab – egal wie einfach der nächste Schlag oder Putt auch sein mag.

Gehen Sie jetzt nicht unbedingt davon aus, dass, wenn Sie das erste Mal mit Ihrer neuen Pre-Shot-Routine auf den Platz gehen, sich Ihre Ergebnisse gleich erheblich verbessern werden. Sie werden aber mit der Zeit und fortgesetztem ÜBEN feststellen können, dass sich besonders in Drucksituationen, wie beim ersten Abschlag, beim Putten oder einem Schlag über das Wasser, diese Arbeit auszahlt.

Integrieren Sie Ihre Routine bewusst in Ihr Training auf der Driving Range. Investieren Sie im Training zum Beispiel die letzten 15 Bälle Ihres Eimers, die Sie mit dem gesamten Vorgang der Pre-Shot-Routine schlagen.

 

Literaturangabe:

1. Antje Heimsoeth. Golf Mental: Pocket Training. Pietsch

 

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Ausprobieren/Anwenden. Wenn Sie mir Ihre Erfahrungen berichten möchten, schreiben Sie mir an info@antje-heimsoeth.de.

 

Antje Heimsoeth

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