10 Fragen an Marathonläufer Arne Gabius

"Bei einem günstigen Rennverlauf ist alles möglich"

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Arne Gabis im Trianing gemainsam mit afrikanischen Läufern.

Beim Frankfurt Marathon gab Arne Gabius sein Debüt über die 42.195 Kilometer und erreichte etwas, dass seit über 20 Jahren kein deutscher Läufer mehr geschafft hat: Er blieb unter 2:10 Stunden. Im Interview berichtet Gabius von seinem Rennen und welche Chancen er für die Zukunft sieht.

trainingsworld.com: Sie haben gerade Ihr Marathon-Debut in Frankfurt in herausragenden 2:09:32 absolviert. Haben Sie mit so einer Weltklasse-Zeit gerechnet? 

Arne Gabius: Mein Berater Renato Canova und ich hatten mit einer Zeit zwischen 2:11h und 2:10h gerechnet – dies aufgrund der guten Wettkampf- und Trainingsresultate. Mit einer Zeit unter 2:10h hatte ich zwar geliebäugelt, aber ehrlicherweise nicht gerechnet. Hier musste schon alles für passen. Während des Rennens fühlte ich mich immer besser und realisierte etwa bei Kilometer 25, dass es machbar sein würde.

Die Weltelite im Marathon ist noch etwas weg

trainingsworld.com: Mit Ihrer Zeit rangieren Sie auf Platz 4 der ewigen Bestenliste deutscher Läufer. Peilen Sie nun sogar die Zeit von Jörg Peter an? Ihnen fehlen ja „nur“ 45 Sekunden, also gut 1 Sekunde pro Kilometer. 

Arne Gabius: 1 Sekunde pro Kilometer hört sich erst einmal wenig an, 42,195 km sind allerdings ganz schön lang… Bisher habe ich mich bewusst nicht mit dem Deutschen Rekord beschäftigt, jetzt liegt das natürlich schon näher. Im Herbst 2015 könnte ein Rekordversuch gestartet werden, hierfür muss allerdings die Vorbereitung optimal verlaufen.

trainingsworld.com: In Deutschland sind Sie mit Ihrer Leistung unangefochten die Nummer 1. Wie sehen Sie sich im Vergleich mit den Top-Läufern aus Kenia und Äthiopien? 

Arne Gabius: Man muss realistisch bleiben, mit der Weltelite im Marathon messe ich mich noch nicht. Allerdings fehlten mir am vergangenen Sonntag in Frankfurt zu eben dieser Elite, also dem Erstplatzierten, nur 2:43 min, was zeigt, dass die Afrikaner auch nicht immer Zeiten unter 2:05 h anbieten können. Bei einem günstigen Rennverlauf in einem Meisterschaftsrennen ohne Pacemaker – wie etwa den Olympischen Spielen – ist alles möglich.

"Übermäßig talentiert bin ich eigentlich nicht"

trainingsworld.com: Mit Ihrer Zeit hätten Sie die Qualifikation für Olympia locker geschafft. Damals und auch in den mehr als 10 Jahren zuvor konnte kein Läufer die 2:12 unterbieten. Viele haben schon nicht mehr daran geglaubt, dass ein Deutscher unter 2:10 laufen kann. Haben Sie mehr Talent oder trainieren Sie anders als Ihre Konkurrenten? 

Arne Gabius: Übermäßig talentiert bin ich gar nicht. Mein Glück ist, dass mein Körper die extremen Belastungen gut verkraftet und ich so gut wie nie verletzt bin und somit ein konstant hohes Niveau im Training halten kann. Allerdings beschreite ich auch neue Wege und probiere oft Neues.

trainingsworld.com: Konkret: Wie periodisieren Sie Ihr Training in dieser Wettkampfsaison? Wie genau planen Sie Ihre Vorbereitung? 

Arne Gabius: Zunächst orientiere ich mich an den internationalen Höhepunkten und plane hierum meine Höhentrainingslager. In der Saison 2014 lief ich zunächst einen Halbmarathon in New York. Die 62:09 min, die ich dort erreichte, waren die Initialzündung für die Entscheidung, einen Marathon im Herbst anzugehen. Zunächst stand allerdings die Bahnsaison mit den Europameisterschaften in Zürich im Mittelpunkt. Hier erwischte ich einen schlechten Tag und konnte mein Potential leider nicht abrufen. Vor den festgelegten Wettkämpfen plane ich in “Trainingsblöcken“, die verschieden Belastungsintensitäten aufweisen.

Wichtig ist, vor dem Wettkampf gesund zu bleiben

trainingsworld.com: Unsere Leser interessiert natürlich besonders wie eine exemplarische Trainingswoche in der Vorbereitung aussieht. 

Arne Gabius: Mein gesamtes Training veröffentliche ich in regelmäßigen Abständen auf meiner Homepage unter arnegabius.com. Hier findet der interessierte Sportler oder Sportbegeisterte eine tabellarische Darstellung jeder einzelnen Trainingseinheit mit Übersicht über die Wochenkilometer, Geschwindigkeiten und farblich markiert die Belastungen.

trainingsworld.com: Worauf legen Sie in den letzten Wochen der Wettkampfvorbereitung besonderen Wert? Rücken bestimmte Aspekte noch einmal in den Mittelpunkt? 

Arne Gabius: Besonders wichtig ist in den letzten Wochen vor einem Wettkampf, gesund zu bleiben und mögliche belastungsindizierte Fehlstellungen durch gezielte Physiotherapie zu korrigieren. Das Training rückt gerade in der letzten Woche vor dem Wettkampf in den Hintergrund. Vor dem Marathon kam der für mich neue Aspekt der Ernährung hinzu. Ich aß von Freitag bis Dienstag (der Wettkampf fand dann am Sonntag statt) vor dem Marathon keine Kohlenhydrate, um meinen Körper darauf zu trainieren, mehr Kohlenhydrate speichern zu können. Die Tage vor dem Marathon habe ich dann richtig viel gegessen, damit die Speicher auch ausreichend gefüllt sind.

Lesen weiter in Teil zwei des Interviews: "Wenn ich müde bin verzichte ich lieber ganz auf Sport".

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