Ratgeber

Zubehör im Krafttraining - Zweck und Anwendung

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Welches Trainingsequipment ist im Krafttraining sinnvoll?

Trainingszubehör gibt es wie Sand am Meer! Doch was davon taugt wirklich etwas? - Dieser Frage wollen wir in dieser Artikelserie nachgehen und somit Hilfestellung bei der Auswahl von individuell geeignetem Trainingszubehör geben.

Dieser Beitrag geht der Frage nach, ob und, wenn ja, wie Trainingszubehör zur Unterstützung beim schweren Krafttraining mit freien Gewichten, sinnvoll eingesetzt werden kann. Ich darf an dieser Stelle bereits vorwegnehmen, dass dies möglich ist :-) 

Die folgenden Ausführungen sollen unter der Bedingung betrachtet werden, dass Zubehör nicht dazu dienen soll, Übungen dahingehend zu verändern, dass das Übungsziel nicht mehr erreicht werden kann. Das Übungsziel wird beispielsweise dann nicht mehr erreicht, wenn der Zielmuskel durch das Zubehör nicht mehr ausreichend belastet wird. Wer kennt nicht die Studiobesucher, die schon mit Gürtel in die Umkleide kommen und sich damit als besondere Hardcore-Athleten profilieren möchten, um dann keine einzige Grundübung zu trainieren. Anhand von Beispielen werden wir zunächst den Sinn vom Trainingszubehör erörtern und anschließend konkret verschiedene Einzelprodukte für jeweils ähnliche Zielsetzungen betrachten.

 

Beispiel Kreuzheben

Kreuzheben ist eine sehr effektive Übung zur Kräftigung des ganzen Körpers, insbesondere aber der unteren Rückenmuskulatur. Ein Trainingsgürtel wäre bei dieser Übung fehl am Platz, da ja genau die untere Rückenmuskulatur durch die Übung gestärkt werden soll. Langfristig würde die Muskulatur durch einen Gürtel geschwächt, was mit steigender Verletzungsgefahr einhergeht.

Zwei Anwendungsbereiche für das im folgenden beschriebene Zubehör lassen sich festhalten:

1) Verletzung oder besondere Anfälligkeit in einem der involvierten Bereiche. Das Zubehör ermöglicht ein Trainieren um die Verletzung herum bzw. schont eine anfällige Körperpartie so lange, bis diese durch ergänzende Übungen ein ausreichendes Kraftniveau entwickeln kann.

2) Außergewöhnlich hohe Belastung, die ohne Zubehör nicht mehr kompensiert werden kann. Dies betrifft sowohl statische, als auch quer verlaufende Belastungen, dazu später mehr.

 

Beispiel tiefe Kniebeugen

Auch die Kniebeuge sollte möglichst ohne Gürtel trainiert werden, um vom Ganzkörpereffekt der Übung maximal profitieren zu können. Ab einem gewissen Leistungsstand kann es aber durchaus Sinn machen, hier einen Gürtel zu tragen. Insbesondere ist das der Fall, wenn trotz ergänzendem Training für die untere Rückenmuskulatur (durch Hyperextensions, Kreuzheben und dergleichen), diese den limitierenden Faktor für weitere Gewichtssteigerungen bei schweren Kniebeugen darstellt. Zumindest in Trainingsphasen, in denen extreme Gewichte verwendet werden, kann ein Gürtel ein wertvolles Zubehör darstellen. Wer 180 Kg mit 10 Wiederholungen sauber beugt, der wird zumeist nicht ohne Gürtel auskommen können. Es ist dann trotzdem in hohem Maße empfehlenswert, in regelmäßigen Abständen ein Gewicht zu verwenden, das einem mit einer höheren Wiederholungszahl das Weglassen des Gürtels ermöglicht, um keine Atrophie zu riskieren und in der funktionellen Kette stark zu bleiben.

(Wie stark sind Sie? Finden Sie es heraus mit einem Krafttest)

Nun kommen wir zu den verschiedenen Zubehörmöglichkeiten im Praxistest und beginnen mit Produkten, die sich speziell für den unteren Rücken anbieten. Später betrachten wir noch Zubehör für weitere Körperregionen.

 

Krafttrainingszubehör für den unteren Rücken

Einfacher Nierengurt

Einfacher Nierengurt

Nicht geeignet, um schwere Belastungen abzupuffern. Bei sensiblem Rücken aber ein sehr gutes Mittel, um die Muskulatur warm zu halten, gerade auch beim Radfahren im Winter ein brauchbares Zubehör.

 

Klassischer Trainingsgürtel

Klassischer Trainingsgürtel

Durch Lochverschluss und steifes Material gute Festigkeit und sicherer Halt. Bei Wahl eines nicht zu breiten Modells bleibt noch ausreichend Bewegungsfreiheit in der Lendenwirbelsäule während schwerer Übungen, sodass nur die Stelle gestützt wird, die auch gestützt werden soll, ohne die Bewegung zu stark zu manipulieren.

 

Breiter Synthetikgürtel

Breiter Synthetikgürtel

Durch große Abdeckfläche gut bei Verletzungen geeignet sowie bei Übungen, bei denen der Körper Schwankungen unterliegen kann, die zu einer starken Kompression der Lendenwirbelsäule führen können. Beispiel wäre stehendes Wadenheben an der Maschine oder an der Multipresse, wo man bei sehr hohem Gewicht schon mal etwas wegknicken kann, wenn man die Spannung im Kern nicht über die volle Satzdauer halten kann.

 

Hinweise

Auch bei Verwendung von Gürteln sollten Sie unbedingt darauf achten, die Bauch- bzw. Rückenmuskeln zu kontrahieren, wenn Sie schwer Beugen und Heben, damit die Muskulatur nicht zu sehr an statischer Kraft einbüßt. Insbesondere darf der Bauch nicht herausgepresst werden, um Verletzungen vorzubeugen. Der Gürtel ist nicht dazu da, die volle Belastung wegzunehmen. Sehen Sie den Gürtel als Accessoire, dass es Ihnen ermöglicht, über den schwächsten Punkt einer Bewegung optimal hinwegzukommen, wenn dies anders nicht möglich ist.

 

Denis Tengler

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