Tennis

Laufschnelligkeit im Tennis – Bedeutung und Trainingsmöglichkeiten

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Die Laufschnelligkeit ist ein leistungs-limitierender Faktor im Tennis - so trainieren Sie sie.

traningsworlds Tennis-Experte Philipp Osburg erläutert die Rolle der Laufgeschwindigkeit im Tennis erklärt, wie man sie am besten tranieren kann.

Nachdem im ersten Teil das zentrale Thema die Verbesserung der Schlagschnelligkeit war, soll nun ergänzend dazu die Laufschnelligkeit behandelt werden.

Darunter fallen im Tennissport die Distanzen, die ein Spieler auf dem Platz in kürzester Zeit zurücklegen muss. Diese sind in der Regel nicht länger als 4-7 Meter. Ausnahmen bilden hier Strecken von 12-14 Metern, wenn beispielsweise ein Stop erlaufen werden muss. Dies kommt jedoch eher selten vor. Der Fokus im Training sollte daher auf den ersten Schritten liegen. Es wird schnell deutlich, dass vor allem die Antrittsschnelligkeit ein entscheidender Faktor für ein erfolgreiches Spiel ist. Der Spieler muss in der Lage sein, innerhalb kürzester Zeit maximal zu beschleunigen. Neben den im ersten Teil bereits erwähnten genetischen Voraussetzungen spielt hier besonders die Maximalkraft eine große Rolle, die idealerweise zusätzlich zum tennisspezifischen Schnelligkeitstraining verbessert werden sollte.

Analog zum Training der Schlagschnelligkeit ist auch bei der Laufschnelligkeit zu berücksichtigen, dass nur dann Trainingseffekte erzielt werden können, wenn die Übungsformen mit maximaler Geschwindigkeit ausgeführt werden. Zusätzlich ist es sinnvoll, wenn die Dauer der Belastung so gestaltet wird, dass diese der in einem richtigen Match entspricht. Der dritte wichtige Punkt, der zu beachten ist, ist die Anzahl und ausreichende Dauer der Pausen. Diese müssen unbedingt lang genug sein, dass sich das neuromuskuläre System erholen kann. Erst dann sollte der nächste Reiz gesetzt werden.

 

So verbessern Sie die Laufgeschwindigkeit

Grundsätzlich gibt es viele verschiedene Methoden die Laufschnelligkeit zu verbessern. Entweder im Fitnessstudio durch das Trainieren der tennisspezifischen Muskulatur oder auf dem Tennisplatz mithilfe von Laufleitern, Liniensprints oder spielnahen Trainingsformen mit Ball und Schläger. Den besten Effekt erzielt man aus einer Kombination von allem.

Gerade mit Kindern und Jugendlichen kann man die Laufschnelligkeit hervorragend spielerisch trainieren. Es gibt unzählige Möglichkeiten mithilfe von Fangspielen, Staffeln oder ähnlichen Spielformen die Kinder bei Laune zu halten. Hier sind der Phantasie des Trainers kaum Grenzen gesetzt. Hervorragend eignen sich diese Spiele zwischen zwei Technikübungen oder am Ende der Stunde. Als Anreiz ist es immer gut, wenn der Verlierer eine Strafe ableisten muss, bspw. zehn Liegestütz, den Platz abziehen, etc.

 

Beispiele für Sprintspiele auf dem Tennisplatz

1. Start ist hinter der Grundlinie. Die Schüler sitzen mit dem Rücken zum Netz und haben die Hände über dem Kopf. Die Beine sind nach vorne ausgestreckt. Beim Signal vom Trainer müssen alle so schnell wie möglich aufstehen ohne (!) die Hände zu benutzen, zur T-Linie und wieder zurück sprinten. Jeder soll mindestens 3 Durchgänge machen. Derjenige, der die meisten Sprints gewinnt, ist Sieger.

 

2. Bälle stehlen

Dieses Sprintspiel ist bei Kindern sehr beliebt, kann aber auch problemlos mit Erwachsenen durchgeführt werden. Vier Schläger liegen in Rautenform auf dem Boden in einem Abstand von ca. 3-5 Metern. Auf jedem Schläger liegt ein Ball. In der Mitte der Raute liegen weitere 3 Bälle. Ziel ist es so schnell wie möglich 3 Bälle auf dem eigenen Schläger zu haben. Dabei können sowohl die Bälle aus der Mitte als auch die Bälle von den anderen Schlägern geholt werden.

 

Tennisspezifisches Training zur Verbesserung der Laufgeschwindigkeit

Im Folgenden sollen nun einige tennisspezifische Trainingsformen zur Verbesserung der Laufschnelligkeit vorgestellt werden. Diese Trainingsformen können am besten als Kolonnentraining durchgeführt werden. Bei fast allen anderen Trainingseinheiten soll diese Form eigentlich vermieden werden, da bei den Schülern durch die langen Pausen sonst schnell Langeweile aufkommt und durch das Warten wertvolle Zeit verloren geht. Beim Schnelligkeitstraining sind die entstehenden Pausen jedoch von Vorteil, damit sich die Spieler vor dem nächsten Durchgang erholen können.

 

Übung 1

Der Trainer steht in der Mitte des T-Feldes. Die Schüler auf der anderen Seite in der Mitte der Grundlinie. Es werden zwei Bälle angespielt. Der erste kommt als schneller Ball in die Vorhandecke des Schülers, der zweite wird als Stop kurz auf die Rückhand gespielt, sodass der Spieler im Sprint diagonal über den Platz den Ball erlaufen soll.

Übung 2

Die Schüler starten in der Rückhandecke. Der Trainer spielt einen Ball auf die Vorhandseite kurz hinter die T-Linie, den der Schüler erlaufen soll und im Idealfall als Angriffsball zurückspielt. Danach begibt sich der Schüler zum Netz und berührt dieses mit dem Schläger. In dem Moment spielt der Trainer einen Lob an die Grundlinie, der ebenfalls erlaufen wird und ohne Fehler ins Feld zurückgespielt werden soll.

 

Dies sind nur 2 Beispiele. Die Übungen können in dieser Form beliebig variiert werden. Möglich sind auch 3 oder mehr Schläge innerhalb eines Durchgangs oder kürzere Sprintdistanzen. Wichtig ist nur, dass die angesprochenen Punkte (Intensität 90 %-100 %, realitätsnahe Spielsituationen, angemessene Pausenlänge) berücksichtigt werden.

 

Fazit

(Lauf-)Schnelligkeit gehört zu den konditionellen Fähigkeiten eines Tennisspielers und ist somit ein leistungslimitierender Faktor, da er unmittelbar die Qualität der Beinarbeit bestimmt. Sie ist die Voraussetzung für ein sicheres Spiel. Schnelle Spieler sind in der Lage früher am Ball zu sein und somit rechtzeitig in die richtige Schlagposition zu kommen. Vor allem Spieler, die sehr druckvoll von der Grundlinie agieren, haben oft Probleme mit laufschnellen Gegnern, da diese den Ball nicht nur immer wieder zurückbringen, sondern auch oft so schnell am Ball sind, um das Tempo des Gegners mit in die eigenen Schläge zu nehmen. Gerade auf schnellen Belägen kommen die Unterschiede in der Beschleunigungsleistung häufig zum Vorschein.

 

Philipp Osburg

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