Leistungsdiagnostik

Schnelligkeitsdiagnostik in Spielsportarten

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Eine Testbatterie für die Schnelligkeit im Spielsport am Beispiel Fußball

Im Rahmen der Leistungsdiagnostik lassen sich verschiedene Aspekte der Schnelligkeit messen. Dabei lässt sich erkennen, auf welchen Anpassungsebenen z. B. ein Fußballspieler seine Schnelligkeit verbessern kann.

Der moderne Fußball ist durch ein sehr schnelles Spiel gekennzeichnet. Kurze Pässe erfordern aber auch Laufwege und insbesondere sehr viele Sprints. Dem Entwickeln der Sprintfähigkeit kommt aus diesem Grund eine große Bedeutung zu! Neben dem reinen Sprinttraining in seinen vielen verschiedenen Facetten, können auch Krafttraining, verschiedene plyometrische Übungen und Sprungtraining wichtige Trainingsinhalte darstellen. (Lesen Sie auch:

Schnelligkeit als leistungslimitierender Faktor)

 

Maximal versus Pause!

Wenn es um das Erstellen von Trainingsplänen für die Schnelligkeit geht, können aus dem großen Spektrum verschiedener Übungen immer nur wenige Trainingsformen in eine Trainingseinheit übernommen werden. Gerade beim Verbessern der Schnelligkeit stehen Anpassungen im Vordergrund, die hauptsächlich auf der Ebene der neuronalen Ansteuerung funktionieren. Das erfordert, dass die maximal intensiven Trainingsreize auf ein ausgeruhtes Nervensystem gesetzt werden. Im Anschluss an einen Trainingsreiz sind wiederum lange Erholungszeiten erforderlich, um eine optimale Schnelligkeitsentwicklung zu gewährleisten. Das zeigt, dass sowohl die Intensität als auch die zeitliche Verortung eines Schnelligkeitstrainings im Mannschafts- oder Individualtraining von großer Bedeutung sind.

 

Schnelligkeit messen - aber wie?

Ein guter Fußballtrainer verfügt über einen großen Erfahrungsschatz und kann schon über das Beobachten seiner Mannschaft Informationen über diese bekommen. Die Schnelligkeit in einem Fußballspiel tritt in vielen Facetten auf. Der Sprunghöhe, den Antritten und der mit beiden verbundenen Beschleunigung liegen ganz unterschiedliche Fähigkeiten zugrunde - je nachdem, ob der zugrunde liegende Impuls innerhalb weniger Millisekunden maximal entfaltet werden muss, oder ob beispielsweise bei einem Sprung eine Auftaktbewegung möglich ist oder nicht. Auch beim Sprint kann eine Endzeit über eine bestimmte Strecke durch verschiedene Varianten der Beschleunigung erzielt werden. Da beim Fußball verschiedene Sprintlängen meist in Kombination mit Richtungswechseln vorkommen, kommt es auch auf die Antizipation und das Reaktionsvermögen an.(1) Neben der Beobachtung ist auch das Messen und Erfassen objektiver Daten von Spielern interessant. Wenn sich trennscharfe Einflussgrößen bestimmen lassen, können diese auch im Rahmen des Konditions- und Athletiktrainings speziell angesprochen werden. Das Erkennen von physiologischen Einflussgrößen und deren Abgrenzung von vorrangig koordinativen Einflussgrößen ist für das Training von sehr großer Bedeutung, wenn es um das Verbessern der Leistung geht. Standardisierte Testbatterien können helfen, Leistungssteigerungen zu erfassen und die Wirksamkeit der eingesetzten Trainingsmittel zu überprüfen.

 

Schnelligkeitsdiagnostik im Fußball

Neben der Beschleunigung, wie sie beispielsweise in einem Sprint auftritt, ist auch der einzelne Impuls ein interessantes Messziel in der Schnelligkeitsdiagnostik. Um im Anschluss an eine Diagnostik auch Trainingsempfehlungen geben zu können, ist es nötig, eine komplexe Testbatterie einzusetzen, bei der die verschiedenen physiologischen Einflussgrößen erfasst werden. Die Basis für die Aussagen zum Schnelligkeitstraining bildet in der Regel ein linearer Sprinttest. Dieser Test sollte mit Doppellichtschranken durchgeführt werden, bei denen die Zeit nach 5 m, nach 10 m und nach 30 m gemessen wird. Die ersten beiden Messzeitpunkte liefern dabei Informationen zur Beschleunigung des Athleten. Die Gesamtdistanz beschreibt die maximale Sprintfähigkeit. Um weitere Informationen zu den möglichen Trainingsinhalten zu bekommen, muss dieser Sprinttest durch Sprung- und Krafttests ergänzt werden.

 

Tiefsprünge

Anhand der Daten aus einem Tiefsprung lassen sich Aussagen zur Schnellkraftfähigkeit bei Leistungen ermitteln, denen eine „Dehnung“ vorausgeht, die also im Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus stattfinden. Diese Kontraktionsform tritt bei sehr kurzen Kontraktionen unter 200 ms auf. Bei einem Tiefsprung springt der Athlet von einem Kasten nach unten. Direkt nach dem Landen soll so schnell wie möglich wieder ein maximaler Absprung nach oben erfolgen. Aus der Fallhöhe, der Bodenkontaktzeit und der anschließenden Sprunghöhe ergeben sich vielfältige Informationen. Die Bodenkontaktzeit sollte insgesamt minimiert, die Sprunghöhe gesteigert werden. Der Leistungsindex ergibt Informationen über die Schnellkraftentfaltung in kürzester Zeit bei Leistungen im Dehnungs-Verkürzungs- Zyklus. Wird diese Trainingsform ins Training eingebaut, sind insbesondere Verbesserungen im „Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus“ (DVZ) zu erwarten. Dabei wird in der Landephase aufgrund der passiven Dehnung eine reflektorische Rückkopplung über die motorischen Nervenzellen des Rückenmarks erzeugt, die den Impuls potenziert. Zur Testbatterie gehört neben dem genannten Dropjump auch der Sprung aus der Kniebeuge (Squat-Jump), der ohne Auftaktbewegung ausgeführt wird. Aus der Sprunghöhe kann hier auf die Kraftentfaltung geschlossen werden.

 

Kraft macht schnell

Neben den Schnelligkeitsleistungen bildet auch die Kraftfähigkeit eines Sportlers eine interessante Interpretationsbasis für die weiteren Trainingsoptimierungen. Wenn beispielsweise ein Spieler zwar eine hohe Sprunghöhe und einen guten Sprint absolviert, aber geringe Kraftfähigkeiten aufweist, kann eine weitere Steigerung der Schnelligkeitsfähigkeit über ein Krafttraining angenommen werden. Ist die Kraftfähigkeit hingegen gut ausgeprägt, die Beschleunigung im Sprint dennoch verbesserungswürdig, ist davon auszugehen, dass insbesondere technisch/koordinative Trainingsformen die weitere Leistungssteigerung ermöglichen.

 

Fußball ist komplex - das Training auch!

Die Schnelligkeit ist sehr komplex aufgebaut. Je nach Trainingsmethode sind vielfältige Effekte zu erreichen. In Studien zur Trainingsmethodik werden oftmals verschiedene Trainingsübungen in Sprungform miteinander verglichen. Beispielsweise wurde in einer Studie aus Großbritannien eine Studie mit Nachwuchsfußballern durchgeführt, bei der eine Trainingsgruppe Tiefsprünge (Dropjump) trainierte und eine andere Gruppe Sprünge mit Auftaktbewegung (Counter-Movement-Jump, CMJ). Die Studie ergab keine Unterschiede zwischen den beiden Trainingsformen bezogen auf die fußballspezifische Schnellkraft. Beide Trainingsmethoden verbessern die Schnellkraftleistung bezogen auf Testergebnisse in Sprungtests.(2) Dieses Ergebnis ist nicht unbedingt verwunderlich, da die lineare Sprintfähigkeit stark von der Kraft abhängt.

 

Kraft und Intervalltraining?

Abb. 1: Zugwiderstandsläufe können eine interessante Ergänzung für das Schnelligkeitstraining sein

Aufgrund der fußballspezifischen Leistungsstruktur ist das Krafttraining ein sehr interessanter Faktor beim Steigern der Leistungsfähigkeit. Inhaltlich sind dabei Übungen mit der Langhantel, wie beispielsweise tiefe Kniebeugen, sehr interessant. In einer Studie aus Norwegen konnte gezeigt werden, dass die Maximalkraft bei Fußballern in sehr hohem Zusammenhang mit der Sprung- und der Sprintleistung steht. Wer stärker bei den Kniebeugen war, konnte schneller laufen und höher springen.(3) Da gerade im Profifußball jedoch aufgrund der vielfältigen Trainingsinhalte die Zeit knapp ist, stellt sich die Frage, ob Kraft- und Intervalltraining in das Fußballtraining eingebaut werden können. In einer asiatischen Studie wurde dies überprüft, indem ein Maximalkrafttraining und ein Intervalltraning mit 15 Sekundensprints in das Training eingebaut wurde. Diese hochintensiven Trainingsinhalte führten zu einer Steigerung der Schnellkraft und auch der Ausdauerleistung, erfasst in Tests wie dem Yo-Yo-Test und einem aeroben Ausdauertest.(4)

 

Fazit

Schnelligkeitsleistungen sind sehr komplex in ihrer Zusammensetzung. Deswegen sind komplexe Diagnostikinstrumente interessante Hilfsmittel, um objektive Daten zur Leistungsfähigkeit von Fußballspielern zu erhalten. Diese Daten können einmal deskriptiv Informationen zur Leistung einer Mannschaft liefern. Sinnvoller ist jedoch der Einbau der Informationen in das Konditions- und Athletiktraining. Das Sammeln der Daten über die Zeit kann zudem Informationen zur Leistungsentwicklung im Saison- und Jahresverlauf geben. Der Konditions- und Athletiktrainer sollte die Daten sammeln und als Grundlage für das Planen der Trainingseinheiten nutzen. Gerade im modernen Fußball spielt die Athletik eine große Rolle. Individuelle Schwächen lassen sich über individualisierte Trainingsprogramme verbessern, so dass das Leistungsoptimum der Spieler weiter ausgebaut werden kann. Zeitökonomische Übungen, wie die Techniken des Olympischen Gewichthebens, sind dabei interessante Optionen für die Zukunft. Die Erfahrungen aus den U-Mannschaften des DFB zeigen, dass die Übungstechnik bei Spielern in wenigen Trainingsstunden grundlegend erlernt werden kann. Die Effekte dieser insbesondere auf das Entwickeln der Explosivkraft ausgerichteten Übungen sind auf eine Verbesserung der Schnelligkeit ausgerichtet und bringen zudem noch Stabilität beim Zweikampfverhalten.

Insgesamt bildet das Krafttraining in der richtigen Ausführung die Basis für die Schnelligkeit. In einer Studie aus dem Jahr 2004 zeigte sich, dass bei Fußballern die 10 m Sprintzeit in einem sehr hohen Zusammenhang mit der Maximalkraft stehen.(5) Die Maximalkraft wurde dabei über Kniebeugen bestimmt. Auch die Sprunghöhe korrelliert in der selben Arbeit unmittelbar mit der Kraftfähigkeit der Spieler.(5) Damit wird deutlich, dass das Training der motorischen Kraft für die Schnelligkeit eine wichtige Grundlage darstellt. Neben dem Krafttraining existieren jedoch viele weitere Trainingsmethoden mit dem Ziel die Kraft zu steigern.

- Plyometrisches Training

- Sprünge ohne Auftaktbewegung

- Zugwiderstandsläufe

- Richtungswechseltraining

- Reaktionschnelligkeitsübungen

 

All diese Übungen können dazu beitragen die Schnelligkeitsleistungen zu verbessern. Je nach Informationen aus den leistungsdiagnostischen Daten kann ein Trainer dabei die Schwerpunkte bestimmen. In der Gesamtbetrachtung bildet die Kraftfähigkeit eine grundlegene Leistungsvorausetzung. Die Trainingsschwerpunkte müssen sich jedoch an den Schächen des Einzelnen orientieren, wenn optimale Trainingserfolge erzielt werden sollen.

 

Literaturangaben:

1. Scandinavian Journal of Medicine and Science in Sports, 2011, (21), S. 170-183.

2. Journal of strength and Conditioning Research, 2009, Bd. 23, (1). S. 332-335.

3. British Journal of Sports Medicine, 2004, Bd. 38 (3), S. 285–288.

4. Journal of Strength and Conditioning Research, 2012, Bd. 24, (3), S. 653–660.

5. British Journal of Sports Medicine, 2004, Bd. 38 (3), S. 285-288.

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