Fitnesstraining

Sind sportliche Kinder und Jugendliche körperlich leistungsfähiger?

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Sind sportliche Kinder und Jugendliche wirklich körperlich leistungsfähiger?

Über die leistungssteigernden Komponenten der Sportlichkeit gibt es für die erwachsene Physiologie bereits sehr viele wissenschaftliche Studien. In den letzten Jahren hat allerdings eine andere Zielgruppe die Sportwissenschaft interessiert – Kinder und Jugendliche.

Hier stellt sich besonders die Frage, wie leistungsfähig Kinder und Jugendliche heutzutage sind. Dieser Bericht widmet sich besonders dem Aspekt des reaktiven Kraftverhaltens, dem so genannten Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus (DVZ), der stark von der Schnellkraft abhängig ist.

 

Das reaktive Kraftverhalten

Das reaktive Kraftverhalten (oder DVZ) ist im Alltag eine der häufigsten anzutreffenden Bewegungen. Sie ist bereits bei den Bewegungen wie Gehen und Laufen nötig, aber besonders im Sport ist diese Fähigkeit von großer Bedeutung. Denn bei dieser Arbeit der Plantarflexoren folgen die exzentrische und die konzentrische Arbeitsweise der Muskulatur direkt aufeinander. Dabei wird kurzzeitig die Energie in der Sehne gespeichert, die die muskuläre Aktivierung in die exzentrische Bewegungsphase weiterleitet. Die Kraftfähigkeit der Muskulatur und das neuromuskuläre Verhalten spielen dabei eine wichtige Rolle.

Mit anderen Worten gesagt - das DVZ beeinflusst, wie unbeschwert und leicht eine Gangart aussieht oder wie weit oder wie hoch jemand springen kann. Gehen Sie beim nächsten Mal mit offenen Augen an den Spiel- und Sportplätzen vorbei und staunen Sie, wie federleicht die Bewegungen von manchen Kindern aussehen. Bei diesen Kindern ist das reaktive Kraftverhalten sehr gut ausgeprägt.

Aber die gestiegene Anzahl der Übergewichtigen und Adipösen bereits in jungen Jahren lässt einen negativen Trend auf das reaktive Kraftverhalten der Kinder und Jugendlichen vermuten. Ein schweres Kind kann kaum eine federleichte Geschicklichkeit bringen, denn die aktiven Strukturen sind wenig in der Lage, die biomechanischen Kräfte abzufangen.

 

Studie

Diese Studie wurde an der sportwissenschaftlichen Fakultät der Goethe Universität in Frankfurt am Main durchgeführt. Dazu wurden Kinder und Jugendliche zwischen 9 und 18 Jahren in 3 Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe machte weniger als 2 Stunden Sport pro Woche und gehört somit zu den Untrainierten. Die zweite Gruppe war bereits seit mehreren Jahren im Fußballverein und betrieb mehr als 5 Stunden Training pro Woche. Die dritte Gruppe spielte ebenso wie die zweite Gruppe Fußball im Verein, betrieb aber zusätzlich ein 2-stündiges Krafttraining mit Gewichten. Die Probanden wurden unabhängig vom Alter in die entsprechenden Testgruppen eingeordnet.

Die Kinder, die in die Gruppe mit Fußball/Krafttraining eingeteilt waren, haben ihrer physiologischen Eigenschaften zufolge ein unspezifisches Krafttraining bekommen, da aufgrund der hormonellen Zusammensetzung und der fehlenden Stabilität der Rumpfmuskulatur noch eine gewisse Labilität herrscht. Das Training fand 2-mal 20 Minuten pro Woche statt. Es wurden zwar Übungen mit dem Schwerpunkt auf die richtige Hebetechnik durchgeführt, allerdings erfolge eine Gewichtssteigerung abhängig von der Bewegungsqualität der Kinder. Des Weiteren haben die Kinder diverse Sprung- und Sprintformen sowie athletisches Training mit dem Medizinball geübt. Die pubertierenden Probanden führten 2 Mal pro Woche ein Krafttraining kombiniert aus Sprüngen, Sprints und Arbeit mit dem Medizinball durch.

Nachdem die Probanden in die Gruppen eingeteilt wurden, führte man mit ihnen standardisierte Tests für die Fitness durch:

- 30 m Sprint: Dabei hat man mit Hilfe einer Lichtschranke die steigernde Geschwindigkeit bei 5 m, 10 m, 20 m und 30 m gemessen.

- Drop Jump (DJ): d.h. man löst sich von einem Kasten (unterschiedlicher Höhen) und springt nach kurzer Zeit am Boden maximal hoch. Diese Sprünge sind im schnellen DVZ anzusiedeln.

- Squat Jumps (SJ): ist ein Vertikalsprung aus der Hockstellung ohne zusätzlichen Schwung. Dabei bleiben die Hände an der Hüfte eingestützt. Diese Sprungform wird rein durch die konzentrische Leistungsfähigkeit der Muskulatur bestimmt.

- Countermovement Jumps (CMJ): sind Vertikalsprünge mit einer Schwungbewegung. Die Hände bleiben auch hier an der Taille. Diese Sprungart gehört zum langsamen DVZ.

 

Ergebnisse

Bei den CMJ und SJ hat sich bereits bei den 11- und 12-jährigen Kindern ein positiver Effekt auf die Leistung eingestellt, wobei die Ursachen der Verbesserungen auf neuromuskulärer Ebene zu finden sind. Ab der Pubertät kann man einen weiteren Kraftzuwachs und somit eine schnellere Reaktionsfähigkeit durch einen größeren Muskelquerschnitt erreichen. Dies geschah bei den Jugendlichen der Fußball/Kraftgruppe, da sie die besten Ergebnisse bei den Sprungarten erreichen konnten. Auch das reine Fußballtraining hat sich positiv auf die Sprung- und Sprintleistung der Probanden ausgewirkt, allerdings weniger stark als die Kombination Fußball/Krafttraining.

Die Ergebnisse beim schnellen DVZ sahen recht ähnlich aus, wobei viele Kinder und Jugendliche nicht in der Lage waren, diesen Sprung auszuüben. Gründe dafür könnten geringere Reflexe und ungenügende Stabilisierung der Rumpfmuskulatur sein.

Die Ergebnisse der Kurzsprints orientierten sich ebenfalls an den Leistungen der Sprünge. So konnte man sehen, dass die beiden Fußballgruppen den Untrainierten viel überlegener waren.

 

Fazit

Die eruierten Ergebnisse zeigen den positiven Einfluss der sportlichen Aktivität auf die Leistungsfähigkeit im schnellen und langsamen DVZ. Diese spezifische Sportlichkeit ist in erster Linie für die sportlich orientierten Kinder und Jugendliche für diverse Sportarten gedacht. Aber auch im Alltag gibt es sehr viele Bewegungen, die auf dieses Bewegungsmuster zurückgreifen. Somit bestätigt sich die Hypothese, dass die sportlichen Kinder und Jugendlichen körperlich leistungsfähiger sind.

 

Lesen Sie auch: Krafttraining im Grundschulalter?

 

Marina Lewun

 

Literaturangaben:

1. Wirth et al. (2011). Leistungsfähigkeit im Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus sportlich aktiver und inaktiver Kinder und Jugendlicher. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin, Jahrgang 62, Nr. 11, S. 345-350

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