Fitnesstraining

Kraftzuwachs bei Kindern und Jugendlichen

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Weitere Fakten zum Thema Kinder und Krafttraining

Welche Unterschiede gibt es in der Kraftentwicklung von Kindern zwischen des Geschlechtern? Wie lange halten kindliche Trainingseffekte an? Diese und andere interessante Fragen zum Thema Krafttraining bei Kindern beantwortet Marina Lewun.

Im ersten Teil dieser Textserie haben Sie erfahren, wie sich der Kraftzuwachs physiologisch bei Kindern und Jugendlichen verhält und welche Fehler bei der Untersuchung des Kraftzuwachses in der Vergangenheit gemacht wurden: Man ging lange Zeit davon aus, dass Krafttraining bei Kindern keine Effekte hat und sich erst nach der Pubertät Erfolge zeigen. Diese mangelhaften Ergebnisse sind aber auf unzureichenden Untersuchungsmethoden zurückzuführen. Im Kindes- und Jugendalter kann man sehr wohl Kraft aufbauen. Die Kraftausdauermethode scheint im präpubertären Alter sehr gute Effekte zu erzielen. Je älter die Jugendlichen werden und je mehr der Testosteronspiegel nach oben steigt, desto mehr kann man das Training Richtung Maximalkrafttraining verlagern.

 

Unterschied in der Kraftentwicklung zwischen den Geschlechtern

Mehrere Studien treffen die gleiche Aussage, dass in der präpubertären Phase die Kraftentwicklung bei Jungen und Mädchen sehr ähnlich bis gleich ist. Erst wenn die Kinder in die Pubertät kommen und das Hormon Testosteron bei den Jungen Überhand nimmt, wird die Schere in der Kraftentwicklung größer. (Lesen Sie auch: Krafttraining im Grundschulalter?)

  

Wie lange halten die Trainingseffekte bei Kindern an?

Wie hoch ist die Nachhaltigkeit? Aus dem Erwachsenenbereich kann man pauschalisierte Aussagen über den Krafterhalt treffen. Wenn eine Person mit einem mittleren Trainingsgrad das Training von heute auf morgen aufhört, bildet sich zunächst ein Plateau und nach einigen Wochen fängt der Kraftabbau des vorhandenen Kraftpotenzials an. Nach einer einmonatigen Pause fällt der Wiedereinstieg auf das vorhandene Krafttrainingsniveau noch leicht. Danach setzt der Kraftabbau ein.

Bei Kindern und Jugendlichen dagegen ist die Bestimmung der Nachhaltigkeit nur schwer zu errechnen, da sich die Kraft wachstumsbedingt sowieso weiter verbessert. Eine Untersuchung von Faigenbaum et al. belegt, dass bei einem regelmäßigen Training die Kraft der Präpubertierenden um 53 % zunahm. Die Kontrollgruppe hat allerdings ebenfalls an Kraft gewonnen und zwar um 8 %. Nach einer 8-wöchigen Pause befanden sich die Kraftwerte der Trainingsgruppe auf einem ähnlichen Niveau wie die der Kinder der Kontrollgruppe.

 

Welche Unterschiede gibt es auf der neuromuskulären Ebene?

Bei Erwachsenen ist es so, dass in den ersten 4 Wochen des Trainings als erstes die neuronalen Mechanismen für den Kraftzuwachs zuständig sind. Diese Mechanismen sind für die Rekrutierung, die Frequnzierung und die Synchronisation der motorischen Einheiten zuständig. Erst wenn diese Mechanismen für das Kraftwachstum ausgeschöpft sind, stellt sich der Körper auf andere Wege ein und lässt den Muskel in die Breite wachsen, um noch mehr Kraft aufbauen zu können. Dieser Vorgang kann nur mithilfe des Hormons Testosteron stattfinden. Bei Kindern ist Testosteron nur in kleinen Mengen vorhanden. Aus diesem Grund passieren alle Kraftanpassungen auf der neuronaler Ebene.

Nach einer 20-wöchigen Untersuchung von Ramsay konnten präpubertierende Jungen beim Bankdrücken und bei der Beinpresse einen Kraftzuwachs in Höhe von 35 % und 22 % aufbauen. In einer anschließenden computertomographischen Erfassung des Muskelquerschnitts von Oberarm und Oberschenkel konnte keine morphologische Veränderung der Muskulatur (also hormonbedingte Anpassungen wie höhere Enzymkapazität oder der Aufbau von mehr Zellen) festgestellt werden. Jedoch fanden Veränderungen auf der neuronalen Ebene statt: Es konnten höhere Aktivitäten der Motoneuronen nachgewiesen werden.

Als Fazit dieser Studie lässt sich festhalten, dass die intra- und intermuskuläre Koordination bei aktiven Kindern sich um ein vielfaches gesteigert hat, das Zusammenspiel zwischen den Muskeln hat sich verbessert. Allerdings bleiben immer noch einige Fragen offen, denn der gesamte Kraftzuwachs lässt sich nicht allein durch die neuromuskulären Veränderungen erklären. An dieser Stelle sollten in Zukunft weitere Studien folgen.

 

Wie verhält der Muskelwachstum in die Dicke?

Wie bereits oben geschildert, gehen die meisten Wissenschaftler von neuromuskulären Erklärungen für den Kraftzuwachs bei Kindern aus. Allerdings muss man auch erwähnen, dass die Untersuchungsmethoden sich den anthropometrischen Verfahren, wie der Umfangsmessung, angeschlossen haben. Die bildgebenden Verfahren, wie Computertomographie und Magnetresonanztomographie, werden bisher nur wenig eingesetzt, erlauben aber eine größere Messgenauigkeit.

Fukunaga untersuchte Grundschulkinder in seinem 12-wöchigen Programm, in dem er die Oberarme der Kinder trainieren ließ. Die Untersuchungsgruppen trainieren 3-mal pro Woche und 2-mal pro Tag maximale isometrische Kontraktionen der Oberarme mit einer Kontraktionsdauer von 10 Sekunden. Es kam heraus, dass die Kontraktionsgeschwindigkeit, die anhand des maximalen Drehmoments untersucht wurde, keine Verbesserung erfahren hat. Die Maximalkraft und auch die Querschnittfläche des Oberarms, die man mit Hilfe eines Ultraschalls erkennen kann, haben sich in allen Gruppen signifikant verbessert.

Als Fazit kann man daran beweisen, dass mit Hilfe einer ausreichenden Reizsetzung ein Muskelwachstum in die Breite bei den Kindern möglich ist. Diese Tatsache haben ebenfalls weitere Studien bestätigt. Bei pubertierenden Jungen kann man somit den Kraftzuwachs auf die neuronalen sowie auf den hypertrophiebedingten Ursachen zurück führen. Die pubertierenden Mädchen erreichen ihre Kraftzuwächse immer noch primär über die neuromuskulären Faktoren.

Im dritten Teil des Textes wird auf die Trainingspraxis eingegangen und wie die Belastungsnormativen in diesem Altersabschnitt zu setzen sind.

  

Marina Lewun

 

Literaturangaben:

1. Granacher et al. (2009). Neuromuskuläre Auswirkungen von Krafttraining im Kindes- und Jugendalter: Hinweise für die Trainingspraxis, Jahrgang 60, Nr. 2, S. 41-49

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