7 Fragen an Olympiasieger Matthias Steiner

"Für starke Beine muss man Kniebeugen machen"

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Olympiasieger Matthias Steiner trainiert mit Kniebeugen.

Bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking gewann Gewichtheber Matthias Steiner die Goldmedaille im Superschwergewicht und galt als der stärkste Mann der Welt. Im Interview spricht er über die Faszination des Gewichthebens, das richtige Krafttraining sowie Tipps für Hobby- und Freizeitsportler.

trainingsworld.com: Sie wurden 2008 Olympiasieger im Superschwergewicht und damit der stärkste Mann der Welt. Wie kamen Sie überhaupt zum Gewichtheben? 

Matthias Steiner: Mein Vater betreibt seit 1957 bis heute Gewichtheben als sein sportliches Hobby. Er war und ist bei den Senioren absolute Weltspitze und so war ich bei vielen Wettkämpfen dabei. Allerdings begann ich mit Fußball. Von 6-10 Jahren waren wir durchaus erfolgreich, bis sich unser Team auflöste und wir wechseln mussten. Nach einem halben Jahr auf der Bank (wir wurden nicht mal angeschaut) hab ich dann zum Tennis gewechselt. Nach zwei Jahren hab ich erkannt, dass andere mehr Talent haben und dann war ich in dem Alter, wo man gerne dem Vater nacheifert. Also hab ich mit 12 begonnen zu heben, aber auch hier mehr schlecht als recht, was sich ja später zum Glück wendete.

trainingsworld.com: Was macht für sie die Faszination des Gewichthebens aus? 

Matthias Steiner: Es ist messbar. Somit sieht man den Trainingserfolg deutlich und dieser hängt natürlich größtenteils vom eigenen Fleiß ab. Man kämpft gegen andere ohne Körpereinwirkung und es gibt keine Materialschlacht, da ja jeder mit derselben Hantel hebt. Auch die Schuhe und Trikots sind genormt. Und ganz wichtig: Das Wetter kann nicht das Ergebnis beeinflussen. Neben all dem ist es aber auch wichtig zu sehen, wie effektiv Freihanteltraining ist und das war für mich auch immer ein großer Reiz.

"Mit Reißen und Stoßen ist alles abgedeckt"

trainingsworld.com: Welche Übung würden Sie als die effektivste Kraftübung bezeichnen? 

Matthias Steiner: Das hängt natürlich davon ab, wo man die Kraft benötigt. Für starke Beine muss man natürlich Kniebeugen machen… Es ist immer die Übung am besten, bei welcher die Kraft spezifisch benötigt wird. Aber mit den Übungen Reißen und Stoßen habe ich natürlich alles abgedeckt. Schnellkraft und Maximalkraft (je nach Trainingsplan). Die Übung Schwungdrücken z.B., ist ein Gradmesser wo man in den anderen Übungen steht, denn hier kann man nicht schummeln!

trainingsworld.com: Worauf sollten Sportler, insbesondere Hobby- und Freizeitsportler, im Krafttraining zu allererst achten? 

Matthias Steiner: Wichtig ist erst einmal zu wissen, was will ich erreichen mit dem Krafttraining. Nur gut aussehen, oder soll auch Leistung für eine andere Sportart zur Verfügung stehen. Wenn man mit Krafttraining noch nicht in Berührung kam, dann ist es umso mehr erforderlich, sich einweisen zu lassen. Sowohl bei der Art des Trainings, als auch bei den einzelnen Übungen. Dies gilt sowohl für Freihanteltraining als auch Maschinentraining.

trainingsworld.com: Welche Übung bzw. Trainingseinheiten haben Sie während Ihrer Karriere am meisten gefürchtet? Und welche haben Ihnen am meisten Spaß gemacht? 

Matthias Steiner: Die schlimmsten Einheiten waren die Schnellkraftübungen wie Reißen oder Unterhocken am Anfang der Vorbereitung. Denn da hat man ein hohes Umfangtraining absolviert und ist dementsprechend langsamer geworden. Erst wenn es nach und nach in die Ausprägungsphase näher zum Wettkampf ging und man langsam wieder frischer wurde, haben auch diese Übungen Spaß gemacht, weil man Resultate des Schindens sah. Am liebsten habe ich die Übung Kniebeugen gemacht, denn da war ich immer am Stärksten. Mein Talent lag vor allem auch in den Beinen.

"Ich hatte kaum Ahnung von Ernährung"

trainingsworld.com: Sie mussten zu Beginn Ihrer Karriere zunächst aufs Gewicht achten, um im Limit zu bleiben, später dann Gewicht zulegen. Wie wichtig ist für Sie Ernährung und was macht für Sie eine gute Ernährung während des Trainings und im Alltag aus? 

Matthias Steiner: Ich musste einige Jahre extrem auf mein Gewicht schauen. Oft hatte ich Leistungseinbußen im Wettkampf, weil ich zu viel hungern musste. Da hatte ich auch noch kaum Ahnung von Ernährung und man hätte sicher einiges besser machen können. Das Zunehmen war nur Anfangs schön. Später war es auch essen müssen und ich musste viel mit Shakes machen, denn mit Essen allein ging nichts mehr. Bei den Mengen die ich verdrückt habe, war es nicht immer leicht zu schauen, ob alles richtig war, jedoch hat der Körper auch Dinge verlangt, auf die ich heute gar keinen Appetit mehr habe. Mittlerweil habe ich wieder 35 kg abgenommen. Anfangs war es auch Muskelmasse und mittlerweile habe ich meine Ernährung noch optimiert. Wichtig dabei: Ich hungere praktisch nie!

trainingsworld.com: Beim Gewichtheben wird man immer wieder mit den eigenen Grenzen konfrontiert. Wie entscheidend ist die Psyche bzw. das Wohlfühlen? Welche Techniken haben Sie, um eine bestimmte Schwelle zu überwinden? 

Matthias Steiner: Während des Trainings gab es für mich immer nur das Ziel. Sonst hätte ich es wahrscheinlich nicht durchgestanden. Gewichtheben kann riesen Spaß machen, aber auch manchmal monoton sein. Ich hatte eigentlich keine Techniken. Wichtig war nur, so wenig wie möglich ungültige Versuche im Training zu machen. Das hat dann fürs Selbstvertrauen im Wettkampf gereicht. Auch das war eine Stärke von mir, wenig ungültige Versuche und dadurch viel Selbstvertrauen.

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Beim Functional Training Summit wird Matthias Steiner als Referent effektive Trainingstipps präsentieren. 

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