Der Griff zur Flasche mal anders

Bauchmuskeltraining mit dem ukrainischen „Superman“

Ein anti-alkoholischer Griff zur Flasche wird zur ultimativen Bauchmuskel-Attacke. Greifen auch Sie mal anders zur Flasche!

Die Sportler aus dem Osten Europas bewältigen ihr Training oftmals mit einfachsten Mitteln ganz ohne „fancy equipment“, wie die Amerikaner zu sagen pflegen, dafür aber auch im Krafttraining den einen oder anderen Zacken härter, als wir es bei uns gewohnt sind. Der bekannte Kettlebell-Guru und „Evil Russian“ Pavel Tsatsouline hat mehrfach davon geredet, um nicht zu sagen „geschwärmt“, dass etwa die Russen Pragmatiker waren und sind. Während die Amerikaner mit High-Tech den Weltraum eroberten, katapultierten sich die Russen im direkten technischen Vergleich geradezu mit einer „Blechdose“ ins All. Davon, also von der Einfachheit der Herangehensweise, nicht vom Weltraumflug, konnte ich mich zum wiederholten Male nach einer Meisterschaft selbst plastisch-drastisch überzeugen.

Der ukrainische Spitzenkletterer Maksym Petrenko wurde Jugendweltmeister und verbuchte mehrere Top-3-Rankings auf diversen Erwachsenen-Weltcups. Ein kostenloses Interview finden Sie übrigens auf http://www.Power-Quest.cc (Podcast 110).

Er und sein Team legten zur Überraschung und als Nachschlag am Abend nach einem Int. Masterswettkampf in Deutschland noch eine Extra-Bauchmuskeleinheit ein, bei der ich die unten folgende Übung kennenlernte. Diese weist Ähnlichkeiten mit der „Bauchrolle“ (s. Kolumne 9, Körperspannungsübungen) auf, nur dass statt der Langhantel oder des Ab-Wheel – kein Witz! – Flaschen (z. B. ziemlich stabile Sektflaschen) zum Einsatz kommen. Sie können aber, wenn Sie in punkto Bruchsicherheit Bedenken haben – nach meiner Erfahrung, zwar unbegründet – gerne auch Keulen oder ähnlich geformte, konische Gegenstände zur Hand nehmen. Doch noch einmal: Speziell wenn, wie auch im Fall der Ukrainer, naheliegenderweise die Sekt- und Champagnerflaschen der Siegesfeier verwendet werden und auf weichem Untergrund (ideal: Teppich, wie auf den Fotografien) agiert wird, dürfte hier jegliche Verletzungsgefahr, auch mit „echten“ Glasflaschen so gut wie ausgeschlossen sein.

 

Der Griff zur Flasche

Und noch etwas zum Thema Flaschen :): Nun ist es bekannt, dass gerade die Einwohner osteuropäischer Staaten dem berühmt-berüchtigten Geist in der Flasche durchaus nicht abgeneigt sind, und so war es auch in der oben beschriebenen Situation. Nicht dass ich diese feucht-fröhliche Herangehensweise mit der angesprochenen größeren Härte im Training gleichsetze – diesen Teil des „Aufwärmens“ von innen empfehle ich Ihnen in keinster Weise, ich bin und bleibe völliger Antialkoholiker - aber ich erwähne sie aus Gründen anekdotischer Vollständigkeit.

 

Münze schieben statt Korken knallen lassen

Diese Übung wird nicht erst nach etlichen Minuten, Metern oder Wiederholungen anspruchsvoll. Bereits kurz nach dem Start – hier habe ich das erste mal die Münze erreicht – zeigt sich, was die Körperspannung hergibt!

Was Sie nun benötigen, ist, nebst einer Münze und zwei Flaschen, ein gewisses Maß cooler Nüchternheit – Sie werden sie noch brauchen. Sie begeben sich in die Liegestützposition, mit den Händen packen sie die Hälse der beiden Flaschen. Fast eine Körperlänge vor sich, wie im ersten Bild ersichtlich, platzieren Sie die Münze. Nun marschieren Sie mit den Händen bzw. den Flaschen wechselweise vorwärts, Füße bleiben am Platz, bis Sie die Münze vor Augen haben.

Ja, der Körper ist nun ziemlich langgestreckt, und ihn mit leichtem Hüftwinkel stabil auszubalancieren – nicht im Kreuz durchsacken – fordert Kraft und Konzentration. Nun eine Hand lösen und zur Münze bewegen. Widerstehen Sie dem Drang, das Geldstück mit einem „Fingerkick“ zu „snippen“ oder gar zu werfen – das ist regelwidrig. Stattdessen schieben Sie die Münze mit einem Finger am Boden entlang – und zwar so weit wie möglich von sich weg. Mit der anderen Hand müssen Sie natürlich den Körper weiter auf einer Flasche ausbalancieren und halten, extrem anspruchsvoll! Mit den Füßen nun wieder nachsteigen, bis Sie wieder in der Ausgangsstellung Liegestütz sind.

Mein Gesichtsausdruck spricht wohl Bände! Der Körper ist von Zehen- bis Fingerspitze unter Hochspannung, wenn die Münze um die entscheidenden Zentimeter nach vorn geschoben wird. Das Wichtigste: Nicht ins Hohlkreuz sacken und die Münze schieben, nicht werfen. Gemogelt werden darf nur beim Kartenspiel :)!

Nun marschieren Sie wieder mit den Händen auf den beiden Flaschen los, ziehen die Beine gelegentlich nach und wiederholen das Spielchen, bis Sie erneut bei der Münze sind. Diese wieder wegschieben bis zum selbst gesteckten Ziel oder bis Sie einfach nicht mehr können. Das Zeichen zum Aufhören gibt Ihnen Ihr Körper dann, sobald er ins Hohlkreuz zu fallen droht. Dies bitte verhindern, stattdessen einfach kontrolliert abfangen oder sich seitlich abrollen, wenn es so weit ist.

 

Mit den Flaschen wettlaufen (nicht –saufen)

Ein zusätzlicher, enorm motivierender Spaßfaktor dabei ist, dass sich mehrere Sportkameraden auf diese Art ein „Bauchknaller-Rennen“ liefern können. Definieren Sie eine Start- und Ziellinie und los geht’s. Fairerweise dürfen die kleineren Wettkämpfer natürlich mit Zentimetern Handicap, denen sie den größeren in Punkto Körpergröße nachstehen weiter vorne starten. Glauben Sie mir: Nach kurzer Zeit werden Sie sich nicht bloß vor Lachen die Bäuche halten.

Jetzt dürfen Sie die hart verdiente Münze an sich nehmen, je nach Wetteinsatz vielleicht auch die der anderen, sie berechtigt schnell ausgeben, um Ihren sportlichen Erfolg zusammen mit Ihren Kameraden begießen – ich empfehle am besten mit einem herzhaften Schluck eines hochwertigen Protein-Shakes!

Also ... lassen Sie den ukrainischen Superman ordentlich „krachen“ und bis bald hier auf www.trainingsworld.com

 

Ihr Jürgen Reis mit Nikolai Janatsch

Rubriklistenbild: © Mag. Sebastian Nagel, Archiv www.juergenreis.com

Auch interessant

Kommentare