Kettlebell-Training mit Pavel Tsatsouline

Die Anfänge der Schwerathletik

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Effektiv: Kettlebell-Training.

Die Ursprünge des Kettlebell-Trainings liegen in Russland, wo das Training immer noch sehr verbreitet ist. Viele Sondereinsatzkräfte durchlaufen ein hartes Trianingsprogramm. Sie können problemlos schwere Lasten über längere Zeit bewegen.

"Man kann mit großer Gewissheit sagen, dass das Gewichtheben in Russland hauptsächlich wegen der vielen Anhänger des Kettlebell-Sports Fuß fassen und gedeihen konnte", meinte Prof. L. Dworkin einmal, selbst ein Weltmeister im Gewichtheben. Es war jedoch der Vater der Kettlebells, Dr. Wladislaw Krajewski, der den Begriff "Schwerathletik" (tyazholaya atletika) prägte, mit dem auch im heutigen Russland das olympische Gewichtheben bezeichnet wird. 

Die Rote Armee und die Kettlebell sind untrennbar miteinander verbunden. Jede russische Militäreinheit hat einen Trainingsraum, auch als "Mutecke" bekannt, der mit Kettlebells bestückt ist. Während andere Länder Zeit damit verschwenden, ihre Soldaten mit Liegestützen zu schikanieren, muss man beim russischen Militär eine 24 kg schwere Kettlebell reißen, um seine Kraft und Ausdauer zu beweisen. "Körperlich gesehen, waren die Mannschaften der Roten Armee in ausgezeichneter Verfassung", staunte Generalleutnant Giffard Martel, Leiter einer britischen Militärabordnung, die während des Zweiten Weltkriegs die UdSSR besuchte. "Viele Ausrüstungsgegenstände, die wir mit Infanterie-Begleitfahrzeugen befördern, werden von russischen Fußsoldaten auf dem Rücken mitgeführt. Die Russen scheinen diesen schweren Lasten problemlos gewachsen zu sein. Sie sind außerordentlich hart im Nehmen." 

Sondereinsatzkräfte trainieren mit der Kettlebell

Auch Sondereinsatzkräfte – inklusive der Mitglieder der russischen Steuerpolizei, die mit Schusswaffen oft besser umzugehen wissen als mit Bleistiften oder Taschenrechnern – verwenden Kettlebells, um sich in Form zu halten. In den letzten Tagen des Sowjetregimes fanden in den Gefängnissen regelmäßig Revolten und Geiselnahmen statt. Daraufhin wurden jedes Mal Einsatzkräfte des Innenministeriums herbeigerufen, um die Ordnung wiederherzustellen. Sie erfüllten ihre Aufgabe, waren dabei aber nicht zimperlich. 1986 zum Beispiel stürmten sie ein Gefangenenlager und brannten es kurzerhand ab, um einen Aufstand niederzuschlagen. 

1991 gründete das Innenministerium Sondereinsatzgruppen für jeden Gefängnisbezirk. Zu ihren Aufgaben zählten: Geiselbefreiung, Niederschlagung von Aufständen, Aufspüren und Verhaften entflohener Straftäter. Seit jenem denkwürdigen Jahr, in dem die UdSSR auseinanderbrach, kamen diese Teams oft zum Einsatz. 

Beinhartes Trainingsprogramm

Die Sondereinsatzkräfte, die in russischen Gefängnissen ihren Dienst versehen, bestehen aus ehemaligen Mitgliedern militärischer Spezialeinheiten, Fallschirmspringern und Veteranen anderer Elitetruppen. Jeder von ihnen musste neun oder mehr Mitbewerber ausstechen, um aufgenommen zu werden. Das Auswahlverfahren ähnelt dem, das auch bei der Sondereinheit des militärischen Nachrichtendienstes GRU, der Speznas, Verwendung findet. Hier muss der Anwärter folgende Aufgaben bewältigen (am Stück, versteht sich): einen Zehn-Kilometer-Gewaltmarsch in voller Kampfausrüstung, einen Hindernisparcours inklusive Abseilen, gefolgt von einem Zehn-Kilometer-Lauf. Das Sahnehäubchen am Schluss ist eine zwölfminütige Vollkontakt-Sparringeinheit – mit ausgeruhten Gegnern, die sich alle drei Minuten abwechseln. Wer es ins Team geschafft hat, kann sich keineswegs zurücklehnen, sondern misst sich regelmäßig im sportlichen Wettkampf mit seinen Kollegen. Bevorzugte Disziplinen: Nahkampf und Kettlebell-Training – eine Frage der Präzision und des Stolzes. 

Manchmal fällt es schwer, die Logik der – russischen wie auch der US-amerikanischen – Regierung nachzuvollziehen, die Gefängnisinsassen zum Krafttraining anhält. Viel schwerer wiegt aber, dass russische Häftlinge zusätzlich auf Kettlebells zurückgreifen können, um sich zu stählen. Sie haben vielleicht schon einmal in einer TV-Reportage über das organisierte Verbrechen in Russland alte Archivaufnahmen gesehen – von drahtigen Insassen, die mit Kettlebells trainieren. Manche russische Gefängnisse veranstalten sogar Kettlebell-Wettbewerbe für ihre Insassen! Überlegen Sie doch nur, was das bedeutet ... aber vielleicht schätzt die russische Polizei ja große Herausforderungen.

Pavel Tsatsouline

 

Quelle

Pavel Tsatsouline: "Kettlebell-Training - Das Fitnessgeheimnis der russischen Spezialeinheiten", Riva Verlag 2012

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