Sportanthropologie

Die Konstitutionstypen und ihre Bedeutung in den Ausdauersportarten

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Die Sportanthropologie kann Ihrem Körperbau nach bestimmen, für welche Sportart Sie besonders geeignet sind.

Auch wenn Genetik nicht Alles ist: Bestimmte Sportarten passen besonders zu einem bestimmten Körperbau. Die Sportanthropologie beschäftigt sich mit Vermessung und Konstitutionstypen. Welcher Typ sind Sie?

Die Anthropologie ist ein sehr breit gefächertes Feld, das zunächst einmal nur die „Wissenschaft vom Menschen“ beschreibt. Unter diesem breiten Oberbegriff finden wir die Geistes- und die Sozialwissenschaften ebenso wieder wie die Biologie und die Medizin. In der Geschichte der Anthropologie dominieren die naturalistischen und somit naturwissenschaftlichen Sichtweisen.

Dabei können der Körperbau und die Konstitution des Menschen aus Sicht der Geografie, der Umwelt- und der Arbeitsmedizin, der Epidemiologie oder gar der Klimatologie betrachtet werden. Interessante Fragen ergeben sich aber auch aus sportbezogenen Fragestellungen zur Anthropometrie, zur Biometrie und zur Biomechanik des Menschen. „Sportanthropologie“ wird deshalb auch als „vergleichende Biologie des sporttreibenden Menschen“ verstanden.(4) Das beinhaltet zum einen die Fragestellung, ob ein spezieller Körperbau oder eine Körperzusammensetzung für bestimmte Sportarten (z. B. Ausdauersport) von Vorteil sein kann. Von Bedeutung ist aber auch die Suche nach Fehlstellungen oder Abweichungen der Formen, um ggf. Verletzungen oder Überlastungen zu vermeiden. Ebenso wichtig ist die Frage, ob manche Krankheiten von Körpermerkmalen beeinflusst werden. Auf diesem komplexen Bild der Sportanthropologie aufbauend wollen Ihnen Dennis Sandig und Dr. Christoph Raschka einen Überblick über die Inhalte und Möglichkeiten der Sportanthropologie geben.

 

Bestimmt Ihr Körperbau Ihre Vorliebe für einen bestimmten Sport?

Neben präventiven oder rehabilitativen Aspekten standen vor allem im letzten Jahrhundert auch die Talentsichtung und die Leistungsdiagnostik im Fokus der Sportanthropologie. Die Sportverbände wollten beispielsweise ganz gezielt nach speziellen körperbaulichen Merkmalen suchen, um ein sportliches Talent möglichst früh in eine der olympischen Sportarten zu bringen. So sollte gewährleistet werden, dass Kinder mit speziellen Voraussetzungen schon in jungen Jahren in eine Sportart einsteigen, um diese sehr lange trainieren zu können. Gerade während des Kalten Krieges zwischen West und Ost versuchte man so, die sportliche Überlegenheit des eigenen Systems zu unterstützen. Aktuelle Studien stellen allerdings die Sinnhaftigkeit eines solchen Vorgehens infrage.(1) Ein Problem ist dabei vor allem die Tatsache, dass die biologische Entwicklung bei Heranwachsenden sehr unterschiedlich verlaufen kann. Neben so genannten retardierten Kindern gibt es auch solche, die als akzeleriert ihren Altersgenossen in der körperlichen Entwicklung voraus sind. Nach Abschluss der Pubertät holen die vormals kleineren und schwächeren Kinder in der Regel wieder auf. Aussagen zur speziellen Eignung für eine bestimmte Sportart lassen sich also mit hoher statistischer Sicherheit erst nach Abschluss der Maturation treffen. Fernab der genannten Talentsichtung auf Basis anthropologischer Daten betreiben Kinder in der Regel die Sportarten, die ihre Eltern ausüben. Die Frage, ob der Körperbau die Sportvorliebe beeinflusst, ist also nur schwer zu beantworten.

Tatsache bleibt aber, dass bei den jeweiligen Spitzensportlern häufig solche mit bestimmten körperbaulichen Voraussetzungen dominieren. Auch wenn Ausnahmen immer wieder zeigen, dass durch alternative Eigenschaften mögliche Besonderheiten oder Nachteile des Körperbaus zumindest ausgeglichen werden können. Beispielsweise findet man beim Basketball vereinzelt normalgroße Spieler, die im Vergleich zu ihren überdurchschnittlich großen Mitspielern klein wirken. Geschwindigkeit und Wendigkeit können die Nachteile der kleinen Körpergröße aufwiegen. Ähnlich verhält es sich im Radsport, beim Triathlon und auch beim Laufen. Während bestimmte Typen vor allem in speziellen Situationen – wie im Sprint, am Berg oder über lange Distanzen – dominieren, gibt es immer wieder Sportler, die im Endergebnis nicht schlechter abschneiden, da sie körperliche Nachteile kompensieren können.

 

Was ist ein Sporttyp?

Die Sportanthropologie ist eines der wenigen Felder angewandter Anthropologie, mit deren Hilfe Wissenschaftler versuchen, den dominierenden Konstitutionstyp einer Sportart auszumachen. Dabei sollte man sich aber fragen, wodurch was bewirkt wird: Bedingt eine bestimmte Konstitution die Sporteignung, oder wirkt der Sport auf die Konstitution ein? Sicher kennen Sie die Ansicht, dass sportlicher Erfolg und somit auch die Leistung in direktem Zusammenhang mit der Körperform stehen. Dagegen spricht, dass in den internationalen Wettkämpfen in derselben Sportart unterschiedliche Typen von Sportlern beobachtet werden können. In frühen Untersuchungen zu diesem Thema wurden sogar Verbindungen zwischen körperbaulichen Merkmalen und charakterlichen Eigenschaften gesehen.(2) In der Psychologie sprach man – analog zu den Sporttypen – von Persönlichkeitstypen.(3) Allerdings wird diese Typisierung eher kritisch eingeschätzt und hat in der angewandten Psychologie keine Relevanz mehr.

Die Grundlage für solche Typenzuordnungen von Sportlern bilden vor allem anthropometrische Vermessungen, die für verschiedene Sportarten durchgeführt wurden. So sollen dem Phänotyp eines Sportlers bestimmte Fähigkeiten zugeschrieben werden, die sich wiederum im Beanspruchungsprofil der Sportarten widerspiegeln. Vor allem im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen machte man eine Vielzahl von Untersuchungen zu charakteristischen anthropologischen Eigenschaften. Problematisch daran ist, dass diesen Untersuchungen nicht immer einheitliche Messverfahren und Auswertungen zugrunde liegen und dass auch die Messtechnik nicht immer exakt beschrieben wird. Dazu kommt, dass die Auswertungen häufig subjektiv bestimmten Kategorien zugeordnet werden, was eine stark polarisierende Betrachtungsweise fördert. Dabei werden die Sportler in 3 Erscheinungsbilder eingeteilt:

- die Leptomorphen / Ektomorphen (geringes Dickenwachstum, überdurchschnittliches Längenwachstum),

- die Athletiker / Mesomorphen (breitschultrig und schmalhüftig, grober Knochenbau und kräftiges Muskelrelief),

- die Pyknomorphen / Endomorphen (neigen zu Fettansatz, rundlich und gedrungen).

Es fehlen allerdings objektive und analysierbare Zuordnungen, da in diesen ersten Modellen allein die reine Ausprägung des Körpers vorkam. Erst in der Folge entwickelte man stärker differenzierende Systeme – wie das von Sheldon und dessen Weiterentwicklungen.

Auf diesen Grundlagen wurden im Laufe der 70erund 80er-Jahre des vorigen Jahrhunderts vielfältige Untersuchungen zu einzelnen Sportarten vorgenommen. Anhand der Merkmale erfolgreicher Sportler wurde versucht, spezielle Sporttypen zu identifizieren.

Abb.1: Die Erscheinungsbilder der Sportler

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tabelle 1: Beispiele für Sporttypen nach Maas 1974

Sportart Größe und Gewicht Rumpf Arme und Beine Sonstiges
Radsport mittel lang kurze Beine tiefe Brust, sehr variabel
Eisschnellauf mittel breite Hüfte, sehr variabel
Schwimmer groß breite Schultern, typische Brustmuskulatur große Hände, große Füße
Skilangläufer klein und muskulös breite Schultern und Hüften lange Beine große Hände

Anthropometrie – die Vermessung von Sportlern

Sie als Trainer können im kleinen Rahmen solche Daten erheben und protokollieren. So lassen sich die Entwicklungen der eigenen Sportler verfolgen und interpretieren. Um den Körperbau eines Menschen einordnen zu können, steht zunächst einmal die Vermessung im Vordergrund. Die Messungen müssen nach einigen Regeln erfolgen; denn nur dann können die Daten auch miteinander verglichen werden.

Die gängigen Messverfahren der Anthropometrie basieren auf standardisierten Referenzpunkten des menschlichen Körpers. Mit deren Hilfe soll der menschliche Körper morphologisch und quantitativ in den Proportionen beschrieben werden. Um die Veränderung der Messwerte im Verlauf des Trainings verfolgen zu können oder um Gruppen von Sportlern miteinander vergleichen zu können, müssen die Messmethoden objektiv und reproduzierbar sein.(4) Möchten Sie beispielsweise den Umfang des Oberschenkels messen, muss dies immer an einer bestimmten Position erfolgen, da die Unterschiede sonst nicht miteinander vergleichbar sind. Die Grundlage für solche Messungen bildet auch heute noch das Werk Rainer Knußmanns, der 1996 103 Messpunkte und 285 Messstrecken exakt definierte. Die anthropometrischen Messpunkte sind in der Regel gut auffindbar, und so können diese Daten auch von erfahrenen Trainern ausgewertet und beobachtet werden. Interessant ist dabei vor allem die Messung des jeweiligen Umfangs der Muskulatur, und die der Körperzusammensetzung. Letztere wird im 2. Beitrag dieser Ausgabe von „Sport und Training akutell“ näher betrachtet und deshalb hier nicht ausführlich beschrieben. Wenn Sie nun Messungen durchführen möchten, sollten Sie vor allem Daten zu den folgenden klassischen Merkmalen gewinnen:

- zur Körperhöhe,

- zum Körpergewicht,

- zu den Extremitätenlängen,

- zur Rumpfbreite und -länge,

- zum jeweiligen Umfang,

- zur Hautfaltendicke.

Daraus lassen sich dann die Körperbaumerkmale Ihrer Sportler bestimmen, so dass Aussagen zu den Proportionen und Dimensionen des Körpers möglich werden. Letztendlich können Sie rein theoretisch so auch die bereits erwähnten Sporttypen bestimmen. Dies sollten Sie Fachleuten überlassen, da zum Teil recht komplizierte Berechnungen nötig sind.

 

Lernen Sie messen!

Die Längenmaße sind eine wichtige Grundlage bei der Beurteilung beispielsweise der Sitzposition auf einem Renn- oder Triathlonrad. Das kann im Hinblick auf die Gewichtung aerodynamischer Aspekte wichtig sein. Ansonsten spielen die Längenmaße aus sportpraktischer Sicht erst einmal nicht die größte Rolle. Umfangsmessungen hingegen können Aufschlüsse über trainingsbedingte Entwicklungen geben und sind interessante Messwerte, die Sie als Trainer bei Ihren Sportlern erheben können. Aus diesem Grund stellen wir Ihnen die wichtigsten Faktoren für eine Umfangsmessung vor: Vor allem im Längsschnitt können Sie Veränderungen Ihrer Sportler protokollieren und analysieren. Dazu ergeben sich aus vergleichenden Messungen noch Verhältnismaße für bestimmte Körperregionen. Es kann z. B. interessant sein, den Oberschenkelumfang, Wadenumfang und Unterschenkelumfang im proportionalen Verhältnis zueinander zu betrachten. Vor allem Tretbewegungen auf dem Rad mit falschem Belastungszyklus können dazu führen, dass Waden oder Oberschenkel zu stark belastet werden. Im Anschluss an eine Biometrie kann ein gezieltes Trainieren schwächer ausgeprägter Partien dann Sinn machen. Ein wichtiges Maß ist der jeweilige Umfang von Brust, Oberarm, Unterarm, Becken, Taille, Oberschenkel, Wade und Unterschenkel. Für die exakte Messung eignen sich insbesondere spezielle Rollenmaßbänder aus Kunststoff.

Der Brustkorbumfang:

Gemessen wird in Atemmittelstellung und bei maximaler Ein- bzw. Ausatmung. Das Maßband wird unterhalb des unteren Schulterblattwinkels angelegt und in der Achselhöhle nach vorne geführt. Auf der Vorderseite läuft das Maßband über die Brustwarzen. Die Arme hängen seitlich locker herab.

Der Oberschenkelumfang:

Das Maßband wird 20 cm oberhalb der Kniescheibe waagerecht um das Bein herumgelegt. Das Gewicht sollte gleichmäßig auf beiden Füßen liegen.

Die Wadenmuskulatur:

Die Messung erfolgt horizontal um den dicksten Punkt der Wade.

Der Unterschenkelumfang:

Die Messung erfolgt auch hier horizontal um die kleinste Stelle des Unterschenkels.

 

Abb.2 : Die einzelnen Messpunkte

Die Konstitutionstypen

Innerhalb der Sportanthropologie entwickelten sich vielfältige Muster, um Menschen anhand spezifischer Körperbaumerkmale einteilen zu können. Dabei gibt es 3- oder 4-polare Modelle, bei denen jeweils Extremtypen die Grenzen bilden.(4) Je nach dem Ausprägungsgrad der unterschiedlichen Merkmale lassen sich Untertypen bilden. Die jeweiligen Untertypen wiederum lassen sich mit den durchschnittlichen Werten von verschiedenen Sportarten in Zusammenhang bringen.

Die Anthropologie versucht also, typische Ausprägungen des Körperbaus für Sportler einer Sportart zu bestimmen. So wird die Analyse der körperlichen Voraussetzungen eines Sportlers ermöglicht, um beispielsweise spezielle Akzente im Training setzen zu können. Einem etwas kräftiger gebauten Radfahrer, der mit seiner Leistungsentwicklung nicht zufrieden ist, könnte man auf der Basis solcher Untersuchungen empfehlen, sich auf ein spezielles Sprinttraining zu konzentrieren. Andersherum sollte ein leichter Sportler, der Probleme im Spurt hat, sein Training auf die Berge ausrichten. Auch wenn diese Beispiele sehr simpel zu sein scheinen, kommen in der Sportpraxis genau diese Fragen auf! Wir wollen Ihnen hier ein Modell aus der Vielzahl von Theorien und Methoden vorstellen, mit dessen Hilfe Sporttypen kategorisiert werden. Für weitere Modelle und spezifischere Informationen sei dem interessierten Leser das Buch „Sportanthropologie“ empfohlen. Auf Basis der 3 Subtypen „mesomorph“, „endomorph“ und „ektomorph“ nach Sheldon entwickelte Parnell die Einteilung in weitere Untertypen. Dabei können die jeweiligen Komponenten unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

 

So wirken die Hormone auf den Körperbau ein

Im Zusammenhang mit den verschiedenen Konstitutionstypen gibt es einen Erklärungsansatz, der insbesondere für die Übertragung auf die Diskussion zu Sport und sportlichem Talent interessant erscheint. Grundsätzlich werden viele Bezugspunkte der Körpermaße, aber auch der Leistungsfähigkeit durch Hormone beeinflusst. Aufgrund der Bedeutung der hormonellen Regelung für den Stoffwechsel und damit für die Leistungsfähigkeit und die Körperzusammensetzung lassen sich Rückschlüsse auf die sportliche Eignung ziehen.(4) Gerade Sexualhormone wie das Testosteron oder die Östrogene haben Einfluss auf die Körperzusammensetzung, den Körperbau und die Leistungsfähigkeit. Ähnliches kann auch dem aus der Nebenierenrinde stammenden Hormon Cortisol und dem am Stoffwechsel beteiligten Schilddrüsenhormon Trijodthyronin zugeschrieben werden. Somit könnte der Körperbau eines Menschen durch die Verteilung von auf Hormone reagierenden Rezeptoren und die Hormonkonzentration im Blut beeinflusst werden.

Andersherum ergibt sich aus der Hormonverteilung auch eine spezifische Eignung für die sportliche Leistungsfähigkeit. Das zeigt sich auch daran, dass sämtliche genannten Hormone zur Leistungssteigerung missbraucht werden. Also können sowohl das Erscheinungsbild als auch die Fähigkeit zur Toleranz von Ausdauer- oder Kraftbeanspruchungen mit hormonellen Vorgängen erklärt werden. Gerade dieses Feld der Anthropologie bietet interessante Informationen für Trainer. Es stellt sich beispielsweise die Frage, inwiefern das Training auf spezielle Hormonsituationen ausgerichtet werden kann. Ein erhöhter Cortisolspiegel beispielsweise ist beim Muskelaufbautraining eher hinderlich. Das Ausdauertraining und die Energiebereitstellung unter Belastung können hingegen positiv beeinflusst werden. Möglicherweise kann so ein individuelles Training vielversprechend geplant werden. Gleichzeitig muss ein Forschungsschwerpunkt der Zukunft auch auf der trainingsbedingten Veränderung der Hormonkonzentrationen liegen.

 

Prävention mithilfe der Anthropologie

Die Anthropologie und ihre Disziplinen haben weitere wichtige Aufgaben zu erfüllen. Vor allem in der Prävention von Erkrankungen sind Einsatzmöglichkeiten auszumachen. Man sollte sich einmal vor Augen führen, dass der Bewegungsapparat bei Langzeitübungen wie beim Laufen enormen Belastungen ausgesetzt ist, denn er muss bei jedem Schritt das 2- bis 3-fache des eigenen Körpergewichts abfangen und dann wieder beschleunigen. Die Kräfte, die bei einem langen Lauf wie einem Marathon auf den Körper einwirken, können also die 500-kg-Grenze schnell überschreiten. Ähnliches gilt für Radfahrer und Triathleten, die in einer falschen Position auf dem Fahrrad sitzen. Auch hierbei können Fehlbelastungen über lange Zeit zu Problemen – vorwiegend an den Bandscheiben oder im Gelenkbereich der Knie und der Hüfte – führen.

Die Biometrie als ein Teilbereich der Anthropologie kann hier versuchen, präventiv Fehlbelastungen aufzudecken und wenn möglich zu mindern. Während sich Fehlstellungen am Fuß durch geeignete Schuhformen oder Einlagen korrigieren lassen, ist das bei stark ausgeprägter O- oder X-Beinstellung nur schwer möglich. Im Extremfall kann sogar der Verzicht auf lange Belastungen oder das Umsteigen auf weniger belastende Sportarten notwendig sein. Achten Sie immer auf Ihre Achsstellung während der Belastung, und scheuen Sie sich nicht, im Zweifel beim Experten nachzufragen! Neben der Achsstellung sollten unter Belastung auch die Symmetrie der Bewegung und die der Kraftverteilung berücksichtigt werden. Moderne Verfahren mit Kraftmesssohlen und kombinierten Videoanalysen sind wichtige Bestandteile, um das Risiko von langfristigen Schäden orthopädischer Art ausschließen zu können.

 

Die Zukunft der Anthropologie

Abgesehen vom rein wissenschaftlichen Interesse haben sich anthropologische Verfahren in der Sportpraxis bislang nicht durchgesetzt. Hobby- und Freizeitsportler nehmen andere sportwissenschaftliche Dienstleistungen wie die Leistungsdiagnostik oder auch die wissenschaftliche Trainingsanalyse und -beratung in Anspruch. Zukünftig kann hier die Sportanthropologie mit den Unterdisziplinen der Anthropometrie und der Biometrie sicher an Bedeutung gewinnen. Vor allem, wenn es darum geht, die Technik zu optimieren, Verletzungen und Überlastungen vorzubeugen und die Sitzpositionen auf dem Rad zu optimieren ist hier ein neues Einsatzgebiet entdeckt worden, von dem Sie als Sportler profitieren können.

 

Tipps für Trainer

Erheben Sie als Trainer doch einmal die Körperdaten Ihrer Sportler, Und versuchen Sie, die Längen- und Gewichtsdaten zu deuten:

- Erheben Sie die Körpergröße.

- Messen Sie den jeweiligen Umfang der Muskulatur.

- Erfassen Sie die Belastungsachsen der Beine und des Rumpfs.

Ein spezielles Training der Muskulatur, die die Beinachsen stützt, kann Verletzungen vermeiden helfen!

 

Dennis Sandig M.A., Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Julius-Maximilians- Universität Würzburg und Doktorand an der Universität des Saarlandes; Mitbegründer der iQ athletik Gmbh

PD Dr. Dr. Dr. Christoph Raschka, Dozent an der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt am Main

 

Quellenangaben

1. Leistungssport, 2008. Bd. 38 (1), Sonderbeilage

2. Nöcker, J. (1955), Grundriss der Biologie der Körperübungen, Sportverlag: Berlin

3. Zimbardo, P. (1995), Psychologie. 6. Aufl, Springer: Berlin

4. Raschka, C. (2006), Sportanthropologie, Sportverlag Strauß: Köln

Fachsprache:

Anthropometrie – Vermessung von Körpermaßen

Biometrie – Übertragung der Körpermaße der Anthropometrie auf biomechanische Belastungen (z. B. auf dem Rennrad) und Optimierung dieser

retardiert – verzögert: in der Entwicklung unter dem Mittelwert liegend

akzeleriert – beschleunigt: in der Entwicklung über dem Mittelwert liegend

Maturation – bezeichnet das Erwachsenwerden im Laufe der Pubertät

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