30 Wochentrainingsstunden als Basis für Ihren nächsten Kletterlevel oder: Die Lehrjahre eines Kletter-Profis (Teil 2)

Das Wochenende der „extremsportlichen Art“

Wochenende bedeutete: Jetzt erst recht fit und fitter werden! Doch vorerst geht’s in diesem Artikel noch einmal kurz zurück in meine „Lehrjahre“ bzw. zu jenem Trainingssystem, welchem ich, damals mit meinem Trainingspartner Robert, meinen „Raketenstart“ im Sportklettern zu verdanken hatte.

Auf dem Weg zu meinem ersten Titel. Nicht einmal ein Jahr nach meinem Einstieg in den Klettersport war ich Vorarlberger Landesmeister. Sicherlich nicht zuletzt auch aufgrund einer etwas „anderen Wochenendgestaltung“.

Moment - „30 Wochentrainingsstunden“, so titelte ich doch den 1. Teil dieser 5-teiligen Kolumnenserie (Was ich Bruce Lee, Stallone, van Damme und Co. zu verdanken habe) Zugegeben wir trainierten viel, doch so viel? Knapp 4 Stunden, die „Kämpfer-Snack-Pause“ abends und die obligatorischen Sprints in mein damaliges Ausbildungsunternehmen mitgerechnet, multipliziert mit 5 Werktagen ergibt ...? Richtig: Maximal knapp 20 Wochen-Trainingsstunden. Hochstapelei ist hier auf www.trainingsworld.com natürlich nicht notwendig. Also was fehlte? Erraten: Das Wochenende.

Und hier möchte ich dort einhaken, wo ich Ihnen auch in Kolumnen zum trainingsworld.com Hardcore-YouTube-Film (#22 bis #24) einige Hinweise quasi „durch die Blume“ vermittelte: Nutzen auch Sie künftig, vor allem an den arbeitsfreien Tagen, jede, ja wirklich jede freie Stunde für Ihre Kletterkarriere, wenn Sie aufs Ganze gehen wollen! Doch vorerst geht’s in diesem Artikel noch einmal kurz zurück in meine „Lehrjahre“ bzw. zu jenem Trainingssystem, welchem ich, damals mit meinem Trainingspartner Robert, meinen „Raketenstart“ im Sportklettern zu verdanken hatte.

 

Wochenende bedeutete: Jetzt erst recht fit und fitter werden!

Das, was werktags oft fehlte, war samstags und sonntags groß geschrieben. Die Progression anhand von XXL-Workouts, bzw. vor allem die Abwechslung! Denn die „Wochenend-Pause“ fand, wie eingangs angedeutet, natürlich nicht statt – stattdessen trainierten wir meist 2-mal täglich – bis zu 6 Stunden an diesen beiden Tagen. Richtig gelesen – ohne „notwendige Off-Season“. 3 Jahre lang. Die einzigen Ausnahmen: Familienurlaube sowie ab und zu ein Berufs- oder Schulfest. Klar doch ... wir waren Teenies! Doch nach dem Feiern (Die Partys gab’s ohnehin oft erst nach absolviertem Training) stand am Folgetag meist die doppelte „Abreibung“ an. In der „Mittagspause“ war an Wochenenden übrigens oft „Motivationskino“ mit Kampfsportfilmen und unseren, bereits im 1. Teil dieser Kolumne erwähnten, Superstars wie Dolph Lundgren, Arnold Schwarzenegger, Jean-Claude Van Damme & Co. angesagt. Unser „Split“ an arbeitsfreien Wochenend- oder Feiertagen: Morgens Kraft- und Kampfsport-Workout. Nachmittags meist eine Biketour und/oder Bergläufe, Schwimmen für die Kondition oder ... eben doch noch einmal Fitnessparcours. Je nach Lust und Laune. Ob dabei ständig in allen Übungen Steigerungen möglich waren? Nein. Doch wir trainierten, ohne es zu wissen, nach den hochvolumigen Systemen, die noch heute speziell Kunstturner stark machen und auf die auch zahlreiche Stars im Kletterweltcupzirkus, z. B. manche Wettkämpfer aus dem spanischen Nationalteam, nach wie vor bauen.

 

Immer das Gleiche, jedoch immer anders!

Roberts sportliche Wege blieben nach meinem Klettersporteinstieg breitensportorientiert. Doch noch heute kann er, hier ein aktuelles Bild, auf die Grundlagen von damals berechtigt stolz zurückblicken.

Die persönlichen Rekorde wurden nicht geplant. Sie kamen! Das Gefühl, fit zu sein und das 100 %-ige Pushen des Trainingspartners führte in regelmäßiger Unregelmäßigkeit vollautomatisch dazu. Auch die vereisten Seilkletter-Taue und die schneebedeckten Stangen des Hangelgeländers in den Wintermonaten sorgten, genau wie die im 2. Trainingsjahr integrierten Drop-, Strip- und Intensivsätze (Hilfestellungen des Partners oder eben erschwerte Übungen mit „Partnerhilfe“, Klimmzüge und Liegestützen im Pyramidensystem mit sehr kurzen Satzpausen), an fitten Tagen für knallharte Reize und neue Dimension des Muskelkaters und ... des Stark- und Stärkerwerdens. Mein Mentor und Sportprofessor, mein eigener Vater, gab mir ab und an einige Tipps. Er hielt sich aber, im Gegensatz zur Zeit meiner sportlichen Gehversuche im Rennrad- und Skisprungsport, die ich in den Jahren zuvor versucht aber meist recht schnell wieder aufgegeben hatte, sehr zurück. Der Grund wurde mir erst später klar. Wie auch ich nun bei meinen Coachies zielte er auf eines ab: Er wollte, dass ich meinen Sport, meine Systeme, meine intrinsische Motivation, mein Feuer für den Sport wecke. Er hatte Erfolg. Mehr als er es sich je erträumt hatte, berichtete er mir stolz vor wenigen Jahren auf einer Weltmeisterschaft in Spanien. Sie ahnen es: Eine gute Ausgangsbasis für den endgültigen Einstieg in meinen Sport, das Sportklettern, war mir sicher. Ich hatte sie mir selbst erarbeitet.

 

Hochvolumige Strategien

...„verursachen“ auch im Kletterweltcup nach wie vor Podestplätze!

Die Essenz dieser Zeilen erinnert Sie an meine, vor kurzem hier auf www.trainingsworld.com veröffentlichte, 5-teilige XL-Kolumnen-Serie über die Nicht-Periodisierung (Kolumnen #37 bis #41) und an die Zitate meines aktuellen Trainers Gerhard Salcheggers, welche ich dort wiedergeben durfte? Zugegeben: Nicht ganz ungewollt. Wie vorhin erwähnt: Das „Robert & Jürgen early years system“ beweist dessen Wirksamkeit nach wie vor in der „echten Welt des Leistungssports“, fernab von „Quick fix Fitnesspresse & Co.“ in meinen Augen wie kaum ein anderes.

In dem bald hier auf www.trainingsworld.com erscheinenden 3. Teil dieser 5-er-Serienkolumne werde ich Ihnen die Grundlagen meiner frühen Trainingsjahre in Bezug auf Ihre Kletterwoche vermitteln. Fürs Erste wünsche ich Ihnen viel Spaß an Ihrem nächsten, evtl. noch umfangreicheren und dank guter Gründe auch motivierteren, Trainingswochenende!

 

Jürgen Reis mit Nikolai Janatsch

Rubriklistenbild: © Archiv www.juergenreis.com

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