Fitnesstraining

Handlungsbedarf bei der körperlichen Aktivität von Kindern

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Bewegung ist ein wichtiger Baustein in der kindlichen Entwicklung, der nicht unterschätzt werden darf.

„Körperliche Aktivität nimmt in der gesunden kindlichen Entwicklung insbesondere im motorischen, emotionalen, psychosozialen und kognitiven Bereich einen hohen Stellenwert ein“ (Ketner et al. 2012).

2012 wurde eine Übersichtsarbeit des Universitätsklinikum Ulm (Abteilung für Sport- und Rehabilitationsmedizin) veröffentlicht, in der im internationalen Vergleich das Gesundheits- und Bewegungsverhalten von Kindern und Jugendlichen abgebildet wurde.

 

Aktueller Stand

Es ist eine bekannte Tatsache, dass Lebensgewohnheiten bereits im Kindesalter etabliert werden. Die Frage ist jedoch, ob die Gewohnheiten positiver oder negativer Art sind. Der gesellschaftliche Wandel mit seiner zunehmenden Urbanisierung und der daraus resultierende Mangel an Bewegungsfreiheiten verändert die kindliche Lebens- und Bewegungswelt. Dazu kommt der gesteigerte Reiz der audiovisuellen Medien und die gleichzeitige Abnahme des Aktivitätsniveaus.

Unter körperlicher Aktivität im kindlichen Alter versteht man nicht nur den Sport (wie Konditionstraining) an sich, sondern die Art der Fortbewegung zum Kindergarten oder in die Schule, die Bewegung in den Schulpausen und im Sportunterricht, die Art der Freizeitbeschäftigung und die Alltagsbewegungen.

Die meisten Kinder verspüren einen Bewegungsdrang und wollen ihm natürlich nachgehen. Dieser ist oft schnell wechselnd und sprunghaft. In einer der aktuellen Studien konnte man aber feststellen, dass die moderaten Bewegungsintensitäten in der Regel nur 6 Sekunden und die intensiven Bewegungen nur 3 Sekunden von den Kindern am Stück durchgehalten werden.

 

Bewegung

Die aktuelle Bewegungsempfehlung lautet 60 Minuten bei intensiver bis mittlerer Intensität pro Tag! Wobei selbst das für den optimalen Schutz des Herz-Kreislauf-Systems nicht ausreicht. Die Empfehlung für die optimale Fitness liegt zwischen 90 und ca. 120 Minuten pro Tag. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) konnte aufzeigen, dass nur 15 % der Kinder und Jugendlichen im Alter von 4 bis 17 Jahren das empfohlene Bewegungspensum von 60 Minuten pro Tag erreichen. Als logische Ableitung lässt sich darstellen, dass 85 % der Kinder und Jugendliche sich weniger als eine Stunde pro Tag bewegen. Das ist erschreckend! Der internationale Vergleich schaut nicht besser aus: Die schottischen Vorschulkinder bewegen sich durchschnittlich 25 Minuten am Tag. Die Bewegungsaktivität der amerikanischen Kinder liegt bei 37 %. (Lesen Sie auch: Konditionstraining - damit Ihnen nicht die Luft ausgeht)

Wenigstens spielen laut den Studien ¾ der Vor- und Grundschulkinder täglich im Freien. Allerdings nimmt diese Quote mit zunehmenden Alter ab. Die Gründe dafür sind die zunehmend sitzende Tätigkeit besonders nach der Einschulung, weniger Freizeit und die zunehmende Medialisierung.

Als positiver Trend ist die höhere Partizipation in Sportvereinen besonders zu Beginn der Einschulung zu verzeichnen. Während ca. 50 % der kleineren Kinder einmal in der Woche Sport im Verein treiben, sind es ca. 75 % in der Grundschule. Allerdings treibt immer noch jedes 4. Kind nur unregelmäßig und jedes 8. Kind gar keinen Sport.

Der empfohlene Medienkonsum von weniger als 2 Stunden wird bei den meisten deutschen Familien nicht eingehalten. Dazu gehören Fernsehschauen und Computerspielen. Mehr als die Hälfte der 11-Jährigen überschreiten die Tagesdosis. Dadurch steigert sich das Inaktivitätsniveau der Kinder. Aus diesem Grund gilt es, den dringenden Appell an die Eltern sowie Schulen und Kindergärten zu richten, attraktive Freizeitbeschäftigungen frühzeitig zu fördern. Dazu gehören nicht nur Sport allein, sondern auch das Lesen, kreatives Spielen und andere interessante Hobbys. Eine Befragung der Kinder nach ihren favorisierten Aktivitäten ergab folgendes: Freunde treffen steht mit 52 % auf Platz 1, draußen Spielen gaben 43 % der Kinder als liebste Freizeitaktivität an und erst an dritter Stelle, mit 32 %, steht das Fernsehen schauen.

Von Natur aus haben Kinder einen höhen Bewegungsdrang. Dieses Signal und Grundbedürfnis dürfen die Eltern nicht übersehen. Vielmehr sollte man sich Gedanken über die Mediennutzung in der gesamten Familie machen und das Bewusstsein der Kinder zu diesem Thema so frühzeitig wie möglich stärken.

 

Folgen von Bewegungsmangel

Die Folgen des Bewegungsmangelns sind sehr vielseitig. Einen der gravierendsten Einschnitte in die kindliche Elementarentwicklung stellt das Verarmen der Wahrnehmungs- und Bewegungserfahrung dar. Auch wenn dieser Fakt oft nicht an erster Stelle der Statistiken steht, verursacht er gravierende Schwächen in der Koordination. Dabei meint man nicht die hochkomplexen Bewegungsabläufe wie beim Turnen, sondern eher grundlegende Eigenschaften wie das Rückwärtslaufen oder das Stehen und Hüpfen auf einem Bein. Als Kind übt man solche Fähigkeiten nicht aktiv, sondern spielerisch. Aber wenn das aktive Spielen kaum vorhanden ist, dürfen Sie von Ihren Kindern keine Wunder erwarten. Des Weiteren beeinflusst das spielerische Rumtoben sowohl den passiven (Knochen und Gelenke) als auch den aktiven Bewegungsapparat (Muskulatur). Aus zu wenig Bewegung resultieren Fußfehlstellungen, Achsenfehlstellung der Kniegelenke und bereits eine präarthrotische Veränderung der Hüftgelenke.

Ein weit bekannteres Thema ist das Übergewicht. Bereits im Kindesalter werden die Lebensstilfaktoren wie eine kalorienreiche Ernährung und der Bewegungsmangel gelegt. Die Folgen davon sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Stoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Diabetes Typ 2. Aber die Folgen bleiben nicht nur körperlicher Natur. Oft geht es mit psychosozialen Einschränkungen wie einem schwachen Selbstwertgefühl, niedrigen Schulleistung und der Beeinträchtigung der Lebensqualität einher.

Grundsätzlich kann man sagen, dass ein hoher Zusammenhang zwischen einem hohen BMI und der motorischen Leistungsfähigkeit besteht.

Und vergessen Sie bitte nicht: Die Behandlungskosten einer Erkrankung sind um ein Vielfaches höher als die Präventionskosten – egal ob Kind oder Erwachsener.

 

Was kann man dagegen tun?

„Körperlich aktive Kinder und Jugendliche bleiben auch im Erwachsenenalter überwiegend aktiv“ (Ketner et al. 2012).

Geeignete Maßnahmen der Primärprävention im Kindergarten können recht einfach umgesetzt werden und erreichen die meisten Kinder. Besonders in Schulen kann man langfristig und flächendeckend gesundheitliche Maßnahmen in den Schulalltag integrieren, da die Kinder den größten Teil ihres Alltags in der Schule verbringen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass diese beiden Institutionen auch die Eltern erreichen, denn aktive Eltern haben meistens aktive Kinder.

 

Marina Lewun

 

Literaturangaben:

1. Kettner et al. (2012). Handlungsbedarf zur Förderung körperlicher Aktivität im Kindesalter in Deutschland. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin, Jahrgang 63, Nr. 4, S. 95-101

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