IST vs. HIT

HIT oder Schnelligkeits-Training bei Spielsportarten? 

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2 Trainingsmethoden (IST und HIT) im tennisspezifischen Vergleich: Welche ist sinnvoller?

Höher, schneller, weiter: So ist das Ziel vieler Sportler, um dem Sieg näher zu kommen. Manche Trainingsmethoden klingen ähnlich, haben aber letztendlich unterschiedliche Anpassungserscheinungen. Und inwieweit sollte man einen Methodenpluralismus betreiben?

In diesem Zweiteiler werden 2 unterschiedliche Sportarten (Fußball und Tennis) sowie 2 unterschiedliche Trainingsmethoden in ihrer Wirkungsweise miteinander verglichen.

 

Hypothese 1:

Es werden Effekte eines Intervallsprinttrainings (IST) und eines hochintensiven Intervalltrainings (HIT) auf die allgemeine und tennisspezifische Ausdauerleistungsfähigkeit und die Linear- bzw. Intervallsprintfähigkeit untersucht. Untersuchungsparameter sind die Schnelligkeit und die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max).

Hypothese 2:

Es werden Auswirkungen eines HIT-Blocks im Vergleich zu einem Schnelligkeitstraining auf die Schnelligkeit und die VO2max im Fußball untersucht.

Schnelligkeitstraining

Wie diese Trainingsmethode es bereits in ihrem Namen ausdrückt, geht es dabei um die Schulung der Schnelligkeit. Grundsätzlich sollte man unterscheiden, für welche Sportart man die Schnelligkeit trainieren möchte und somit die Belastungen und Bewegungsabläufe an das Anforderungsprofil anpassen. Abgesehen von der Sportart finden sich folgende gemeinsame Punkte:

 

- Beschleunigungs- und Schnelligkeitstraining

stellt einen komplexen Trainingsvorgang dar, denn die Höchstgeschwindigkeit kann erst nach ca. 30 m erreicht werden

 

-Koordinationstraining

Zusammenspiel von Agonisten und Antagonisten

 

- Sprintausdauer

die Fähigkeit Höchstintensitäten bis zu 30 Sek. durchzuhalten; limitierender Faktor ist dabei das Nachlassen der Steuerungsfähigkeit

 

- Startbeschleunigungstraining

Schulung der Antizipation sowie explosive Reaktionsfähigkeit der sensorischen und motorische Anteile

 

Hochintensives Intervalltraining (HIT)

Beim HIT-Training hat man eine kurze Belastungsphase, in der man an die aktuellen körperlichen Grenzen gehen sollte, und eine längere Pause, die primär aktiv gestaltet wird, die sog. „lohnende Pause“. Durch die Länge der Belastungsphase und der „lohnenden Pause“ können die Intensität des Trainings und dessen Anpassungen bestimmt werden.

 

Anforderungsprofil beim Tennis

- hohes Reiz-Reaktionsmuster

- hohe anaerobe Leistungsfähigkeit

- Sprints mit Richtungswechsel und linear

 

Für die Verbesserung der Ausdauerleistungsfähigkeit wurde der HIT-Test unter folgenden Konditionen durchgeführt: 3 x 90 Sek. mit jeweils 3 Min. lohnenden Pause, anschließend ein Spiel 1:1 und das ganze 3 Serien lang.

Für die Schnelligkeitsschulung kam IST zum Einsatz: 10 x 5 Sek. all-out mit jeweils 15 Sek. Pause (über 5, 10 und 20 m), danach ein Spiel 1:1 und das Ganze ebenfalls 3 Serien lang.

Abb. 1: Schematische Darstellung der Trainingsintervention Tennis

Beide Interventionen fanden während der Vorbereitung auf die Sommersaison im Februar und März über einen Zeitraum von sechs Wochen statt. Es wurde 3 x wöchentlich mit einer Dauer von 60 min trainiert.

 

Ergebnisse

VO2max

HIT signifikante Verbesserung um 6 %

IST sign. Verbesserung um 4,9 %

Hit & Turn-Tennis-Test (akustisch gesteuerter Ausdauertest für Tennisspieler)

HIT sign. Verbesserung um 28,9 %

IST sign. Verbesserung um 14,5 %

Kurzstreckensprints (linear und richtungswechselnd)

HIT keine Veränderungen

IST sign. Verbesserung um 3,8 %

 

Also blieb der Transfer der HIT-Methode auf die Kurzstreckensprints komplett aus. Durch die IST-Methode konnte allerdings die Schnelligkeit und der tennisspezifische Test verbessert werden. Somit stellt die IST eine Alternative oder eine Ergänzung zum HIT im Tennis dar.

 

Fazit

Für beide Sportarten (Tennis und Fußball) kann man feststellen, dass die HIT- und IST-Methode gegenüber dem hochvolumigen und extensiven Intervalltraining vorzuziehen sind, um die verbleibende Zeit effektiver ausnutzen zu können. Somit empfiehlt sich eine Kombination beider Trainingsformen, angepasst an die jeweiligen Anforderungen, da die erwünschten physiologischen und neuromuskulären Adaptationen hierdurch in noch breiterem Maße angesteuert werden können. (Lesen Sie auch: Effizienzsteigerung durch Intervalltraining)

  

Marina Lewun

 

Literatur

1. Stöggl, T., Stieglbauer, R., Sageder, T., Müller, E. (2010). Hochintensives Intervall- (HIT) und Schnelligkeitstraining im Fußball. Leistungssport 5 (40), S 43-49

2. Zimek, R., Fernandez-Fernandez, J., Wiewelhove, T., Ferrauti, A. (2011). Intervallsprint-Training: effektiver als das High Intensity Training in den Sportspielen? Leistungssport 5 (41), S. 13-18

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