Judo-Training

Die höchste Form des Techniktrainings: RANDORI für alle

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Randori im Judo-Training

„Randori geht nicht alleine….“, meinte unlängst Wolfgang HOFMANN in einem Interview. Die Meinungen über Randori und dessen Ausübung sind verschieden. In zwei Artikeln befassen wir uns mit dem Thema eingehend und bieten auch Tipps und Ideen für die Praxis.

Was ist unter Randori zu verstehen?

Neben der KATA als Übungsform, in welcher Technikabfolgen mit dem Ziel, Prinzipien des Judo zu vermitteln, dargestellt werden und des SHIAI, des Wettkampfes, gilt RANDORI traditionell als eine weitere Ausübungsform des Judo. Der erste Teil des Wortes „Randori“, also das RAN wird mit „Zufall“ oder „Chaos“ übersetzt. Das „DORI“ bedeutet „greifen, zugreifen“. So kann RANDORI mit „zufällige Griffe“ oder „chaotischem Greifen“ interpretiert werden. Zusammengefasst und vereinfacht sprechen die Judoka, wenn es um das RANDORI geht, meist vom „freien Üben“. Randori wird grundsätzlich ohne Kampfrichter durchgeführt.

Es gibt die klassischen Standrandori und Bodenrandori, manchmal werden die beiden Randori-Arten verbunden und der Standbodenübergang wird mit trainiert. Dies macht Sinn, denn auch im Wettkampf wird nicht getrennt gekämpft. Im Gegenteil, oft spielt der Standbodenübergang eine wichtige Rolle oder manchmal sogar eine Entscheidende, was uns in den letzten Jahren vor allem einige japanische Kämpferinnen regelmäßig eindrücklich demonstrieren.

Randori – das Herzstück unserer Sportart „Gerade die Variabilität des Randori, als Herzstück des Budosports überhaupt, ermöglicht wie keine andere Trainingsform ein erfolgreiches und motivierendes Miteinander-Üben über alle Alters- und Könnerstufen hinweg.“ (KURATH, 2008) Wer schon Randori gemacht hat, weiss, dass Randori unterschiedlich verstanden und ausgeführt werden können. Es gibt unendlich viele Randori-Formen, die nicht immer und für alle Judoka und Situationen geeignet sind. Und oft macht ein Randori mit dem „falschen“ Partner keinen Spass.

Als Folge davon, kommt es vor, dass uns im Judo Immer wieder Judoka begegnen, die nicht kämpfen, bzw. nicht kämpfen wollen. Eigentlich eine Absurdität in einer Zweikampfsportart. Aber warum ist das so? Ist es nicht möglich, dass Judoka verschiedenen Alters und mit verschiedenen Voraussetzungen und Zielen miteinander trainieren und mit Freude ein Randori mache können?

Randori als pädagogische und didaktische Herausforderung

„Wer Judo betreibt, ohne zu Kämpfen, verpasst einen wesentlichen Aspekt und reduziert das Ganze auf eine rein darstellende Aktivität.“ (KURATH, 2008) Es macht Sinn, die Randori-Form gut auszuwählen und sinnvoll einzusetzen. Damit ein Randori jedem Judoka Spass macht und jeder Judoka seine Ziele erreichen kann, ist es unumgänglich, sich als Trainer Gedanken zu machen, wann welches Randori in den Kontext passt. Randori, als höchste Form des komplexen Koordinationstrainings, muss also systematisch betrachtet werden.

GOLDSCHMIDT (S. 119) spricht von Randori-Typen, denn nicht jeder Judoka ist auf demselben Niveau und macht Randori aus demselben Grund. Deshalb ist es auch höchst sinnvoll spezifische Randori –Aufgaben zu stellen und so zielgruppenorientiert zu arbeiten. Nicht nur die Übungsauswahl, sondern auch das pädagogische und didaktische Geschick eines Trainers spielen im Training und insbesondere beim Randori eine Rolle. Der Trainer muss seine Athleten gut kennen und im Training immer eine gute Übersicht haben, so kann er zum Beispiel bei unglücklichen Paarungen mit Aufgaben individuell auf ein Randori einwirken. Jeder Judoka sollte die Chance haben, Spass am Randori zu haben. Es ist die Aufgabe des Trainers für diese positive Trainingsatmosphäre zu sorgen.

Auch Wolfgang Hoffmann meinte hierzu einst in einem Interview (aus GOLDSCHMIDT/LIPPMANN 2011): „RANDORI geht nicht alleine. Es geht nicht um Gewinnen und nicht darum, wer den Wurf macht, sondern dass es überhaupt zum Wurf kommt.“ Kämpfen muss gelernt werden. Es ist die Verantwortung eines Trainers auch diese Trainingsmethode systematisch und sinnvoll einzuführen. Ohne sinnvolle Aufgabenstellungen und angepasste Randori-Formen sind viele Judoka oft überfordert. Das Hinführen an das Randori und die Judoprinzipien ist enorm wichtig und eine höchst anspruchsvolle Aufgabe.

Judoprinzip „gegenseitiges Helfen für den wechselseitigen Fortschritt“

Unter dieses Thema fällt auch die Diskussion, ob die beiden Zielgruppen Breiten- und Leistungssportler miteinander trainieren und gemeinsam Randori machen können. Sind die unterschiedlichen Trainingsziele miteinander vereinbar? Oft haben Freizeitsportler keine Lust mit Kaderathleten zu trainieren, weil sie vor allem physisch, manchmal auch technisch unterlegen sind und dies auch im Randori immer wieder zu spüren kriegen. Die Folge davon ist, dass die Freizeitsportler entweder keine Randoris mehr machen wollen oder aber nur noch defensiv kämpfen, was wiederum dem Leistungssportler keinen Spaß mehr macht. KESSLER hat dies erkannt und in einem Artikel (2003) meinte er dazu, dass oft das gegenseitige Verständnis für die Situation des Partners fehlt. Er versteht darunter, dass alle Judoka mehr Respekt und Verständnis für das Gegenüber aufbringen sollten. Verschiedene Zielsetzungen, Erfahrungen und Alter müssen dabei berücksichtigt werden. Dieses Verständnis für den anderen ist die Basis des Judo und zeigt das Prinzip Jigoro Kano‘s „gegenseitiges Helfen für den wechselseitigen Fortschritt“ auf.

Jigoro Kano – der Gründer der Sportart Judo

Das Randoritraining eines Leistungssportlers sieht nicht immer gleich aus. Sinnvollerweise ist auch dieses Training periodisiert. Ein Randoritraining vor einem Jahreshöhepunkt sieht anders aus als ein Randoritraining in einer Phase, in welcher die Grundlagen gelegt werden sollen. Je näher der Wettkampf kommt, desto intensiver, kürzer und wettkampfnäher werden die Randorieinheiten und auch der Kampfstil eines Athleten sollte konsequenter und härter werden, wenn es in Richtung eines Wettkampfhöhepunktes geht. In solchen Phasen sollte Verständnis den Leistungssportlern entgegengebracht werden. In Vorbereitungsphasen jedoch, in welchen gezielt lange und weniger intensive Randori gemacht werden, sollte sich ein Leistungssportler einem Freizeitsportler anpassen können und die Vorteile des lockeren und freien Übens erkennen können. Warum sollte es also, gerade in den Vorbereitungsperioden, nicht möglich sein, dass Judoka aus beiden Gruppen vernünftig miteinander kämpfen können?

Fazit „Randori ist Üben des Übens Willen. Der Fortschritt, das Verbessern der eigenen Bewegung, einer Technik, steht im Vordergrund, nicht das Gewinnen“, dies die Worte des Grossmeisters KAZUZO KUDO 1967 (aus GOLDSCHMIDT 2010). Die Prinzipien des Judo stehen im Vordergrund, das moralische Prinzip „Ji-Ta-Kyo-Ei“,was so viel bedeutet wie "Gegenseitige Hilfe für den wechselseitigen Fortschritt und das beiderseitige Wohlergehen". Dies bedingt gegenseitiges Verständnis und es liegt in der Verantwortung jedes Trainers gerade dieses Verständnis seinen Schülern vorzuleben und mitzugeben.

Karin Ritler Susebeek

 

Lesen Sie auch:

Das Technikrepertoire eines Judoka

Koordinationsanforderungsprofil in der Praxis

 

Literatur 

GOLDSCHMIDT, J. /LIPPMANN, R. (2011). Randori. Lernen und Unterrichten, ein Praxishandbuch. Meyer&Meyer Sport Verlag, Köln. 

KESSLER, K. (2003). „Kultiviertes Kämpfen“, JUDO-Magazin 03/S.38ff. 

KLOCKE, U. (1996). Randori-Kernstück des Judotrainings. 

JUDO Sport JOURNAL Nr. 7, 2. Jg., Heft 3, S. 16ff. Dieter Born Verlag Bonn. 

KURATH, M. (2008) : Broschüre Judo/Ju-Jitsu, Bundesamt für Sport Magglingen. 

LIPPMANN, R./RITLER SUSEBEEK, K (2006). Koordinationstraining im Judo, Sportverlag Strauss Köln. 

TITS, R. (2002), Periodisation of randori types. Paper 1/5 in the series Ideas for the Youth Judo Coach. Copyright © by Raf Tits, March 2002.

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