Functional Training

Was ist Functional Training und was steckt hinter diesem Trend? (Teil I)

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Was steckt eigentlich hinter dem Trend des Functional Trainings?

„Functional Training“ ist das Schlagwort der Sportszene. Mit der wachsenden Bekanntheit werden im Training zwar durchaus sinnvolle Wege eingeschlagen, doch häufen sich auch Missverständnisse, falsche Versprechungen und Irrtümer rund um funktionelles Training.

Die Frage, was denn unter funktionellem Training zu verstehen ist, wird kontrovers diskutiert und kann nicht mit einer einfachen Definition beantwortet werden. In welche Richtung sich die Trainingsmethode bewegt, lässt sich einerseits mit der Wortherkunft und andererseits durch die Praxis herleiten. Doch weder das eine noch das andere führt zur definitiven Klärung.

 

Was ist denn überhaupt funktionell?

Funktion bedeutet in etwa so viel wie Sinn oder Zweck. Funktionelles Training kann demnach als zweckmäßiges Training bezeichnet werden. Was als zweckmäßig gilt, hängt von Sportart, Trainingsstand, Leistungsziel oder Trainingsauffassung ab. So wird je nach Ausgangssituation und Zieldefinition sportartspezifisches Training oder klassisches Krafttraining zum funktionellen Training. Dies passiert aus dem einfachen Grund, dass funktionelles Training zum Ziel hat, Athleten oder Gesundheitssportler auf die Ausübung einer Sportart bzw. den Alltag optimal vorzubereiten.

Aus dieser Perspektive wird aus einer eingelenkigen Übung wie dem Langhantel-Curl plötzlich eine funktionelle Übung oder das sportartspezifische Training im Fußball zum funktionellen Training. Mit anderen Worten: "Funktionell" bedeutet "den Anforderungen entsprechend". Was der aktuelle Hype daraus macht, wird jedoch nicht immer diesem Anspruch gerecht.

Anforderungsorientiert bedeutet im Verständnis der Vorreiter des „Functional Trainings“, dass Kompetenzen, die sportartübergreifend notwendig sind, gefördert werden. Ins Zentrum gerückt werden die Qualität von Bewegungsabläufen, Muskelfunktionen und die Leistungssteigerung in Basisfähigkeiten von sportartübergreifender und alltagsorientierter Bedeutung. Fokussiert werden Grundbewegungen, die in beinahe allen Sportarten vorkommen. So finden sich Kernbewegungen wie Laufen, Springen, Hüpfen und Drehen als Grundelemente im Funktionellen Training wieder.

Von hoher Bedeutung in allen Sportarten ist auch die Stabilisation von Gelenken und dem gesamten Rumpf (Core Stability). Ebenso sind Anforderungen an die Propriozeption (Eigenwahrnehmung von Muskeln, Sehnen und Gelenken) und ein mehr oder weniger stark ausgeprägter Schnellkraftanteil überall zu finden. Für den Breitensportler stehen Bewegungen des täglichen Lebens wie Aufstehen, Aufrichten, Heben, Gehen und Tragen im Vordergrund. 

  

Welche Übungen gehören zum Funktionellen Training?

Wenn traditionelles Krafttraining auf diese Kernelemente hin überprüft wird, so erfüllt es die Anforderungen an ein funktionelles Training nicht. Die Bewegungen an einer Maschine beschränken sich meist auf nur ein Gelenk und die Stabilisationsarbeit wird durch eine sitzende oder liegende Übungsausführung nicht gefordert. Dies entspricht kaum einer Bewegungsform in einer bestimmten Sportart oder im Alltag.

Nach dem Physiotherapeuten Gary Gray, der in den 1990er Jahren einer der Ersten war, welcher eine funktionelle Denkweise vertrat, integrieren funktionelle Bewegungsformen immer mehrere Muskeln und Muskelgruppen gleichzeitig.(1) Damit orientiert er sich an den Kernbewegungen in Sport und Alltag. Auch diese laufen immer über mehrere Muskeln und Gelenke, so genannte Muskel- und Bewegungsketten, ab. Einen hohen Stellenwert hat dabei auch immer die Stabilisationsfunktion der Muskulatur.(Die grundlegenden Inhalte und Prinzipien eines „Functional Training“)

Die geforderte Mehrgelenkigkeit und Stabilisationsarbeit macht klar, weshalb die Übungen losgelöst von klassischen Kraftgeräten ausgeführt werden. Der Sportler lernt dadurch, den eigenen Körper mit oder ohne Zusatzlast in verschiedenen Positionen zu stabilisieren, auszubalancieren und damit auch reaktionsbereit zu bleiben.

Bei der Stabilisationsmuskulatur geht es vor allem um die tiefe Bauchmuskulatur, die Hüftabduktoren und Hüftrotatoren sowie die Schulterblattstabilisatoren. Diese werden auch isoliert und damit auf den 1. Blick mit nicht funktionellen Übungen trainiert. Aufgrund des erreichten Effekts einer besseren Stabilisation und der damit einhergehenden Verletzungsprophylaxe und Leistungsverbesserung werden sie jedoch wieder funktionell. Ein Vertreter dieses Konzepts ist der amerikanische Fitnessexperte Mark Versteegen, Gründer des „Athlete’s Performance Institute“ und Entwickler des Trainingsprogramms „Core Performance“.

Der Kern ist auch entscheidend beim Prinzip „Core to Extremity“. So gehen als funktionell bezeichnete Übungen meist vom Zentrum zu den Extremitäten. Am Endpunkt jeder Bewegung ist Stabilisationsarbeit in den Gelenken und dem Rumpf gefordert. Gary Grays Methode wird auch hier Beachtung geschenkt.

 

Niklaus Jud

 

Quellenangabe:

1. Gambetta und Gray 2002, Paragraph 13

 

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