Trainingsplanung

Technische Fähigkeiten mit physischer Belastung koppeln

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Der Deadlift als effektive Übung.

Im zweiten Teil zum Thema "Wann ist Training sportartspezifisch oder funktionell" zeigt Gray Cook an einem einfachen Beispiel, wie sich beides verbinden lässt. Zudem erläutert er, warum er den Functional Movement Screen als Basis sieht.

In den Ferien beobachtete ich einmal das Volleyballtraining der Schulmannschaft meiner Tochter. Schnell wurde mir klar, dass diese Mädchen beim Sprung ihren Oberkörper nicht einsetzten. Sie holten nicht mit beiden Armen aus, um die Sprunghöhe zu verbessern. Ich gab diesen Mädchen plyometrische Übungen, die ich mir von Vern Gambetta abgeschaut hatte. Doch ich erinnerte mich, dass er damals sagte, dass Sportler, die noch nicht weiter springen konnten als die groß waren, mit solchen Übung Probleme haben würden. Also testete ich die Mädchen zuerst auf ihre Weitsprungfähigkeiten. Schnell hatte ich sie in drei Leistungsgruppen unterteilt. Die schwächste Gruppe bekam zwar auch plyometrische Übungen, doch mussten sie nur Seilspringen und Kniebeugeübungen absolvieren. Diese Gruppe verbesserte ihre Weitsprungfertigkeiten am meisten: Nach nur einer Trainingseinheit sprangen sie 15 bis 20 Zentimeter höher. Die leistungsstärkste Gruppe absolvierte schnellkräftige plyometrische Boxsprünge und andere plyometrische Übungsformen, ebenso wie Druckpressen. Das Zirkeltraining umfasste außerdem eine Übung zur Aufgabe – eine andere Schwachstelle der Mannschaft - bei der der Ball in einem vormarkierten Feld landen musste. Wir koppelten also technische Fertigkeiten mit physischer Belastung. Dies ist wichtig, da im Sport technische Fertigkeiten unter Belastung abgerufen werden müssen. 

Movement Screen ist immer der erste Schritt 

Mit dieser Trainingseinheit lernten die Mädchen, ihren Oberkörper beim Sprung effektiver einzusetzen. Obwohl sie bei den ausgesuchten Übungsformen keine sportartspezifischen Hochsprünge absolvierten, schafften sie dennoch, die gelernten Fertigkeiten auf ihren Sport zu übertragen. 

Viele Übungsformen sind nicht wirklich notwendig und könnten leicht ersetzt werden. Doch wie treffe ich die Entscheidung, welche Übungsformen wichtig und welche unwichtig sind? Hier setze ich den Movement Screen ein. Dies ist immer der erste Schritt. Ob man nun in der Reha arbeite oder einen Sportler auf Topniveau trainiere, man schaut sich immer als erstes die individuellen Bewegungsmuster an und entscheidet dann, welche korrektiven Übungen er trainieren muss, um seine Schwächen auszumerzen. Denn als allererstes muss man Dysfunktionen beheben. Korrektive Übungen kommen also zuerst, bevor man zu sportartspezifischen Übungsformen übergeht. Gleichzeitig muss man immer im Auge behalten, dass der Sportler motiviert bleibt. Sind die Übungsformen nämlich zu langweilig und kann der Sportler ihren Sinn nicht erkennen, dann lernt er auch nichts.

Lesen auch Teil 1 Wann ist ein Training sportartspezifisch oder funktionell?.

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