Functional Training

Wenn aus funktionell unfunktionell wird

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Welches Training ist funktionell?

Lassen sich Übungen überhaupt als funktionell oder unfunktionell kategorisieren? Bei genauer Betrachtung zeigt sich, dass eben zur Beurteilung nicht eine Übung sondern die Funktionen des Menschen betrachtet werden müssen.

Gray Cook legte deshalb in München Wert auf die Feststellung, dass auch ein isoliertes Training mit Maschinen im Einzelfall durchaus funktionell sein kann. Sein Ziel ist im Training zwar grundlegend den Sportlern freie Übungen beizubringen. Seine Sportler erlernen Übungen wie das Kreuzheben. Dennoch kann es aufgrund der Umstände und Voraussetzungen eines Sportlers sein, dass auch isoliertes Training an einer Maschine als funktionelle Trainingsform in einen Plan integriert werden muss. Zeitweilig kann es auch notwendig sein, dass allein die Ausgangsposition des Kreuzhebens immer wieder geübt wird, so dass in den ersten 2 - 3 Wochen keine Hantel gehoben, sondern allein die Ausgangsposition erlernt wird. Die Frage nach der Funktionalität muss eben stets vor dem Hintergrund des individuellen Sportlers und der mit dem Training verbundenen Fragestellung betrachtet werden. Wenn beispielsweise ein Kniepatient in Folge einer Kreuzbandruptur mit dem muskulären Aufbautraining beginnt, kann es sein, dass insbesondere die medialen Anteile des Oberschenkelstreckers – also die Muskelanteile an der Oberschenkelinnenseite – stark an Kraft eingebüßt haben. Diese müssen aus Sicht von wirklich funktionellen Therapiekonzepten möglicherweise zunächst isoliert trainiert werden, bevor komplexe Trainingsübungen korrekt ausgeführt werden. 

Übungen sind nicht kategorisierbar! 

An dem eben genannten Beispiel ist erkenn- bar, dass das Unterscheiden in gesunde und schädigende Übungen nicht möglich ist! Je nach Fragestellung lassen sich Begründungen und Einsatzzwecke für vielfältige Trainingsformen finden, so dass ein wirklich „funktionelles Trainieren“ eben abhängig vom Trainingsstand des Athleten, von der Zielstellung und von etwaigen Vorerkrankungen ist! Vor diesem Hintergrund stellt sich sogar die Frage, ob der Begriff „Funktionalität“ bzw. „funktionell trainieren“ nicht gänzlich überflüssig ist. Trainer dürfen Übungen also nicht anhand von vermeintlich „richtigen“ oder „falschen“ Übungen auswählen, sondern allein auf der Basis des vor ihnen stehenden Athleten. Bei einem Patienten in der Rehabilitation sind andere Maßstäbe für ein funktionelles Vorgehen anzusetzen als bei einem Leistungssportler. Das alleinige Bevorzugen von koordinativ anspruchsvollen Übungen oder komplexen Bewegungsabläufen ist unzulässig, wenn es um die Betrachtung der „Funktionalität“ geht. Hinzu kommt, dass das Trainingsziel unbedingt zu berücksichtigen ist! Kraftgewinn und Koordinationsverbesserung sind unterschiedliche Zielstellungen, die unterschiedlicher Trainingsmethoden bedürfen. Im „funktionellen Training“ wird beides oftmals vermischt, so das Kniebeugen einbeinig auf einem instabilen Untergrund oder als Kastenaufsteiger trainiert werden. Kraftsteigerungen sind so nur begrenzt möglich, während das Koordinationstraining im Vordergrund steht. Auch hier gilt, dass die Zielstellung letztendlich die Trainingsmethode bedingt und nicht eine Übung als universell eingesetzt werden kann. 

Fazit 

Ob eine Übung als funktionell beschrieben werden kann oder nicht, ist letztendlich allein von den individuellen Voraussetzungen und Zielen des Sportlers abhängig, der diese Übung durchführt. Eine Übung selber kann aus dieser Sicht überhaupt nicht in die Kategorien „funktionell“ oder „unfunktionell“ eingeordnet werden. Allein die Anforderungen an den Sportler sowie dessen Eigenschaften bilden die Grundlagen für die Entscheidung für oder gegen eine Übung. Das Etikett „funktionell“ erscheint so überflüssig, da Übungen zwar anhand ihrer Komplexität oder ihres Schwierigkeitsgrades eingeteilt werden können, nicht jedoch anhand ihrer Funktionalität! Letztendlich geht es bei dem Beurteilen der „Funktionalität“ immer auch um den aktuellen Zustand Ihres Körpers. Vor dem Hintergrund von Mobilität, Stabilität und Kraftdefiziten kann das objektive Beurteilen des aktuellen körperlichen Zustandes helfen ein Trainingsprogramm wirklich funktional auszurichten. Das Aufarbeiten der verschiedenen Schwächen und Problemstellen, die sich im Laufe des „normalen“ Arbeitnehmerlebens aufgrund der überwiegend sitzenden Tätigkeiten ergeben. Da die Muskulatur zum Großteil ohne Aktivierung auskommen muss, fehlen oftmals grundlegende Fähigkeiten, so dass selbst beim Laufen oder Gehen Instabilitäten erkennbar sind. Nach dem korrigieren der grundlegenden Bewegungsmuster empfehlen die Experten auf dem „Functional Training Summit“ insbesondere Krafttrainingsübungen, wie das Kreuzheben, zum Steigern der Kraft und anderer grundlegender Fähigkeiten. In Vollendung stehen dann die Übungen der Gewichtheber auf dem Programm. Gerade das Umsetzen aus der hohen Position, bei der die Ganzkörperstreckung im Vordergrund stehen, bietet für Sportler her- vorragendes Potential, Leistungsreserven zu erschließen. 

 

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Grundlegende Regeln des Functional Trainings

"Brust, Schulter, Trizeps" und anderer Unsinn

 

Literatur: 

1) Knebel, K.-P. (1985). Funktionsgymnastik. Reinbeck: Rowolth. 

2) Gesundheitssport und Sporttherapie, 2000, 16. S. 128 -133. 

3) Klee, A. (1995) Haltung, muskuläre Balance und Training. Frankfurt am Main: Harri Deutsch.

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