Functional Fitness

Was ist Functional Training und was steckt hinter diesem Trend? (Teil II)

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Heute geht es im Functional Training längst nicht mehr nur um das Training von Leistungsathleten

Functional Training ist das Mode-Schlagwort der Sportszene. Doch was steckt dahinter? Der 2. Teil des Artikels beschäftigt sich mit den Fragen, ob Functional Fitness auch für Breitensportler interessant ist, und wie und wo Sie diese Methode lernen können. 

Functional Training – nur etwas für Profis?

Dass die funktionelle Denkweise und die daraus entstandenen Trainingsformen im Spitzensport wie auch im Breitensport nach anfänglicher Skepsis akzeptiert und angewendet werden, zeigt sich am Interesse am Thema und dem Einsatz in Leistungs- und Fitnesstraining.

Das populärste Beispiel ist wohl die Deutsche Nationalmannschaft, welche 2004 mit „Athletes’ Performance“ den Weg eines breit angelegten Fitness- und Konditionstrainings einschlug. Der 3. Platz bei der WM 2006 gab ihr Recht. Mit diesem Erfolg legte sie die Basis für eine positive Einstellung gegenüber der neuen Bewegung. Trainer sowohl im Leistungs- als auch im Breitensport öffneten sich den neuen Arbeitsmethoden.

Heute geht es im Functional Training längst nicht mehr nur um das Training von Leistungsathleten. Was bei Spitzensportlern zu Leistungssteigerungen in Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Schnelligkeit führt, funktioniert auch für den Breiten- und Gesundheitssportler. Dazu kommt, dass die Methode richtig angewendet vor Überlastungen und Verletzungen schützt.

Greg Glassman, langjähriger Trainer und Begründer der CrossFit-Bewegung (Fitness Training: Was ist Crossfit?), formuliert es in seinem Ausbildungshandbuch richtig: „Your needs and the Olympic athlete’s differ by degree not kind.“(1) Mit dieser Aussage macht er klar, dass die funktionelle Herstellung eines gesunden und funktionierenden Bewegungsapparats für alle Leistungsstufen Relevanz hat. Nur auf der Basis einer funktionellen Kraft und Beweglichkeit können sportartspezifische Inhalte oder eine überdurchschnittliche Leistungssteigerung generiert werden.

 

Wo holt man sich das Wissen und die Praxis?

In Sportkongressen und Fortbildungsevents wie dem Functional Summit in München und den Dynamic Days in Bern wird das Wissen von den Profis für Trainer und alle Interessierten zugänglich gemacht.

Trainerakademien wie die Sportlerei-Akademie bieten Ausbildungen für Functional Training an und in Fitnesscentern wird zunehmend mit dem eigenen Körpergewicht, Medizinbällen, Schlingen und anderen Trainingsmitteln trainiert. Es entstehen ganze Fitnessbewegungen wie die CrossFit-Szene und das klassische Circuit-Training erlebt eine Renaissance. Der Sportwissenschaftler & Perform Better-Experte Eberhard Schlömmer zeigt mit seinem „Outdoor Circuit“(s. Foto) welche Chancen ein Gruppentraining orientiert am Prinzip des funktionellen Trainings bietet. Um ein solches Training jedoch überhaupt anbieten zu können sind gut ausgebildete und kompetente Trainer nötig. Sie sind fähig, auf die Anforderungen und Voraussetzungen eines jeden Einzelnen einzugehen und wissen die Methoden des funktionellen Trainings umzusetzen.

Mit der zunehmenden Popularität steigt aber auch die Gefahr, dass sich immer mehr mit dem Titel „funktionell“ schmücken, ohne sich auch wirklich damit auseinanderzusetzen. Ein bisschen Medizinball- und Schlingentraining im Übungsprogramm hat noch nichts mit funktionellem Training zu tun. Eine Menge des Text-, Bild und Videomaterials im Internet scheint aber genau dies zu vermitteln. Dr. Till Sukopp betitelte einen seiner Blogbeiträge treffend mit der Aussage: „Funktionelles Training ist kein Zirkus-Training“. Es ist dabei nicht so, dass der Einbau von TRX, Kettlebells, Variablen Unterlagen und ähnlichem schlecht für Ihr Fitnesstraining wäre, im Gegenteil. Die Auswahl der Trainingsmittel sollte sich allerdings an gewissen Zielen orientieren, statt sich von Modetrends leiten zu lassen und so zur Farce zu werden.

Als Fazit stellt sich damit weniger die Frage, ob eine Übung denn nun dem Trend gemäß als funktionell bezeichnet werden kann, sondern vielmehr, warum und wozu sie denn genau in dieser Art und Weise durchgeführt wird.

 

Niklaus Jud

 

Quellenangaben:

1. Crossfit Training Guide, S. 7

 

Lesen Sie hier den ersten Teil des Artikels: „Functional Training“ – was steckt hinter dem Trend? (Teil I)

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