Slingtraining für Judoka (Teil 3)

Die Basis für eine starke Rumpfstabilität

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Die Ergebnisse einer Arbeit über die Wirkung von Slingtraining für erfahrene Judoka

Im Folgenden werden die Diplomarbeit von Judoka und Trainer Thomas Kessler und deren Resultate vorgestellt. Thomas Kessler wollte in seiner Diplomarbeit aufzeigen, inwiefern sich ein regelmäßig ausgeführtes Slingtraining bei bereits gut trainierten Spitzenjudokas auf die Rumpfstabilität auswirkt.

Durchführung einer elfwöchigen Studie

Thomas Kessler (30), ehemaliger erfolgreicher Deutscher Judoka, ist Judotrainer bei Bayer Leverkusen, dort zuständig für die Leistungsgruppe mit dem Ziel OS Rio 2016. Weiter ist er Inhaber von Kessler-Fitness und hat eine AG an der SPOHO mit dem Namen „Affenbande“ ins Leben gerufen, die sich mit funktionellem Krafttraining In– und Outdoor beschäftigt. In dieser AG lernte er auch den Gründer und Vertreiber des Aeroslingtrainers kennen. Das Trainingsgerät faszinierte ihn von Beginn weg und mit seiner Abschlussarbeit wollte er den Aeroslingtrainer und das Trainieren mit dem Gerät anderen Judokas näherbringen.

www.kessler-fitness.de

Die im letzten Artikel vorgestellten Übungen hat Thomas Kessler für seine Diplomarbeit entwickelt. Er führte eine 11-wöchige Studie mit 16 Athleten durch, die am Olympiastützpunkt in Köln trainierten. Getestet wurden national und international erfolgreiche männliche Judoka, welche schon mehr als 10 Jahre Judoerfahrung haben. Diese mussten zusagen, während 6 Wochen nur das Funktionelle Training mit dem Slingtrainer 2-mal pro Woche durchzuführen. Auf ein anderes Krafttraining mussten die Probanden in der Zeit, in welcher die Studie durchgeführt wurde, verzichten. Neben den Slingtrainingseinheiten haben die Athleten an allen anderen Einheiten, wie Technik-, Randori- oder Ausdauereinheiten, teilgenommen. Es ist davon auszugehen, dass diese Einheiten die Studie und die Ergebnisse beeinflusst haben. In welchem Maße ist schwierig einzuschätzen und festzuhalten.

In der ersten Woche wurden die Athleten ein erstes Mal getestet (Pretest). Danach fand während einer Woche die Einführung in das Slingtraining statt, in der die Prinzipien des Slingtrainings und die Übungen des Zirkels den Testpersonen nähergebracht wurden. Daraufhin absolvierten die ausgewählten Sportler ein 6-wöchiges Trainingsprogramm, welches 2-mal pro Woche durchgeführt wurde. Eine Woche nach der letzten Slingtrainingseinheit wurde die Trainingsgruppe erneut getestet (Posttest). Der Ablauf und die Testdurchführung waren bei beiden Tests, also beim Pre- sowie beim Posttest, identisch. Desweiteren wurden 2 Wochen danach noch Fragebögen von den Probanden ausgefüllt, in welchen es um das subjektive Empfinden bzgl. des Slingtrainings und dessen Auswirkung ging.

 

Wie und was wurde genau getestet?

Das Messgerät Easy Torque®

In einem 1. Testverfahren wurden mit dem Messgerät Easy Torque® die isometrische Maximalkraft, die Rumpfflexion, die Rumpfextension und die Rumpfrotation links und rechts (siehe Abbildung) getestet. Jeder Proband hatte bei allen 4 Übungen 2 Versuche, wobei der bessere Versuch jeweils für die Studie übernommen wurde.

Der von Thomas Kessler entwickelte Haltetest

Die Rumpfstabilität wurde mit einem Haltetest gemessen. Dieser Test wurde im Vorfeld von Thomas Kessler für diese Diplomarbeit entwickelt. Die Aufgabe des Tests besteht darin, die geforderte Körperhaltung so lange wie möglich einzuhalten. Bei Veränderung der Körperhaltung und beim Ausbrechen der Arme, die auf dem Slingtrainingsgerät stützen, wird der Test abgebrochen.

In der letzten Phase der Studie wurde mit einem Fragebogen die subjektive Einschätzung bezüglich des Slingtrainings und seiner Wirkung im Allgemeinen und für die Sportart Judo im Speziellen erfasst.

Die Testresultate wurden alle statistisch festgehalten und ausgewertet.

 

Die Testresultate und Folgerungen

Bei der Überprüfung der isometrischen Maximalkraft konnten bei den 3 Ausführungsebenen Rumpfflexion, Rumpfextension und bei der Rumpfrotation links signifikant bessere Werte festgestellt werden. Bei der Rumpfrotation rechts wurden auch erhöhte Werte bestimmt, diese waren jedoch nicht signifikant.

Zusammenfassend zeigt die Studie eine Erhöhung der isometrischen Maximalkraft in allen gemessenen Bewegungsebenen auf. Dies kann auf verschiedene Vorgänge im Muskel zurückzuführen sein.

Zu einer Maximalkraftsteigerung kann die Hypertrophie, also die Zunahme des Muskelquerschnitts, oder aber auch die Verbesserung der intramuskulären Koordination führen. Beide Gründe sind eher unwahrscheinlich, da ein Training mit dem eigenen Körpergewicht für krafttrainingserfahrene Athleten nicht reicht, um eine Hypertrophie oder gar die intramuskuläre Koordination einzuleiten.

Die Trainingseinheiten lagen im Kraftausdauerbereich, so dass die Höhe der Werte im abschließenden Test nur durch eine verbesserte intermuskuläre Koordination zu erklären ist. Diese Feststellung kann jedoch wissenschaftlich nicht untermauert werden.

Die Rumpfstabilität wurde mit dem von Thomas Kessler entwickelten Haltetest gemessen. Der Test wurde aufgrund eines Mangels an Testverfahren für die Core-Muskulatur konzipiert. Die Resultate des Posttests waren viel besser und somit auch signifikant besser als diejenigen des Pretests. Es zeigte sich jedoch auch, dass bei der Durchführung des Haltetests und der eindeutigen Bestimmung der Abbruchkriterien viele Schwierigkeiten auftreten können. In erster Linie kann ein solcher Test nicht mit jeder x-beliebigen Testperson durchgeführt werden, da der koordinative Anspruch für Untrainierte zu groß sein könnte. Weiter könnte auch der während des Trainingsprogramms gewonnene Lerneffekt Einfluss auf die Resultate gehabt haben. Auch gibt es von diesem Test noch keine Norm- und Vergleichswerte. Weitere Studien könnten den Test und die Resultate wissenschaftlich festigen.

Die verbesserte Haltezeit im Posttest gegenüber dem Pretest kann zum einen auf die Stärkung der ventralen als auch der dorsalen Kette zurückzuführen sein. Zum anderen stellt die Kräftigung der lokalen und globalen Muskulatur einen möglichen Faktor dar. Weitere Gründe sind, wie auch bei der isometrischen Maximalkraftmessung, in der Methodik und der Testdurchführung zu sehen.“ (Diplomarbeit von Thomas Kessler, S. 59)

 

Fazit

Leider sind die aufschlussreichen Resultate nicht allgemeingültig zu betrachten, da die Studie zu wenig umfangreich war und bei den Testdurchführungen zu viele mögliche Fehlerquellen auftreten können. Thomas Kessler ist es jedoch sicherlich gelungen, mit seiner Diplomarbeit auf den Slingtrainer aufmerksam zu machen und die Resultate sind interessant genug, um ambitionierte Trainer und Athleten neugierig zu machen.

Im vierten und letzten Artikel über Slingtraining für Judokas werden weitere – für den Judoka – sinnvolle Übungen vorgestellt, welche deinen Krafttrainingsplan noch ergänzen und vereinzelt einfach integriert werden können.

 

Karin Ritler Susebeek

 

Literatur

1. Kessler, T., Diplomarbeit „Slingtraining für Spitzenjudoka unter besonderer Berücksichtigung der Rumpfkraft“, DSHS Köln 2012.

2. Schurr, S., Funktionelles Krafttraining mit der Schlinge, Grundlagen & Übungskatalog, Norderstedt 2011.

3. Rühl, J., Schuba, V., Funktionelles Fitnesskrafttraining, Meyer & Meyer Verlag Aachen 2003.

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