Tennis Training

Extremer Vorhandgriff für mehr Topspin?

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Zu einem starken Topspin im Tennis gehört neben der richtigen Technik auch gutes Material. 

Der Topspin ist der dominierende Schlag im Tennis. Je extremer der Vorhandgriff, desto extremer der Topspin – dies ist ein Gerücht, dass im Breitensport immer wieder kursiert. Doch was ist da dran? Aus technischer Sicht ist diese Aussage nämlich definitiv nicht richtig.

Spätestens mit dem Auftauchen von Rafael Nadal in der Profiszene muss sich die Frage gestellt werden, wie ein Spieler mehr Spin in die Schläge bekommen kann. Nadal ist sicherlich nicht nur wegen seines extremen Topspins einer der besten Spieler der Welt, aber der extreme Spin, besonders auf der Vorhand, trägt einiges dazu bei. Wie kann man also als Spieler versuchen, mit der Vorhand mehr Spin zu spielen?

 

Vorhandgriff entscheidet nicht über Drehzahl des Balles

Die Drehzahl des Balls ist nicht abhängig vom Vorhandgriff. Hierzu genügt allein schon ein Blick auf die Profi-Tour: Jeder Profi spielt einen extremen Topspin, unter anderem auch Roger Federer. Und dieser hat einen ziemlich graden Vorhandgriff, spielt aber trotzdem mit der Vorhand viel Spin. Und schaut man mal genauer hin, hat auch ein Rafael Nadal keinen übermäßigen Vorhandgriff.

Die Tatsache, dass man mit einem extremen Vorhandgriff mehr Topspin spielen kann, ist also nicht richtig. Was jedoch stimmt, ist, dass es einfacher ist, mit einem extremen Griff mehr Spin zu spielen. Es gibt viele Spieler im Breitensport-Bereich, die Vor- und Rückhand mit ein- und demselben Griff spielen, die also nicht umgreifen. Werden diese Spieler gefragt, warum sie nicht umgreifen, antworten sehr viele „weil es einfacher ist, mehr Spin zu spielen“.

Diese Aussage ist so auch nicht falsch. Jeder Spieler kann es selbst ausprobieren: Variieren Sie im nächsten Training einfach mal den Vorhandgriff, mal etwas weniger und mal etwas mehr, und versuchen Sie, mit der Vorhand einen Topspin zu spielen. Mit dem extremeren Griff geht es deutlich einfacher – aber das ist letztendlich Trainingssache.

Fakt ist: Der Grad des Topspins ist nicht von dem Griff, sondern von der Unterarmrotation und der rotierenden Geschwindigkeit abhängig. Je schneller über den Ball gewischt wird, desto mehr Spin wird erzeugt. Bei einem Rafael Nadal basiert der extreme Topspin auf seiner außergewöhnlich starken Beinarbeit und seiner Athletik. Die meiste Power bei der Vorhand kommt aus seinen Beinen.

 

Es muss nicht immer die Technik sein - Tipps & Tricks für mehr Spin

Es sollte für einen Breitensport-Spieler jedoch nicht das Ziel sein, seinen ganzen Tennis umzustellen, nur um mehr Topspin spielen zu können. Es gibt einige Tricks, die jeder Spieler nutzen kann, um mehr Spin zu spielen. Natürlich spielt die Technik dabei eine große Rolle. Im Folgenden gebe ich Ihnen einige Tipps und Tricks, die jeder für sich nutzen kann:

 

Die Saite

Es gibt mittlerweile zahlreiche Hersteller von Tennissaiten, die mehr Spin versprechen – und dieses Versprechen auch halten. Absoluter Testsieger hierfür ist die Babolat RPM Blast-Saite, welche unter anderem von Rafael Nadal und Thomy Haas gespielt wird. Die Saite ist nicht rund sondern achteckig, so dass beim Wischen über den Ball mehr Reibung entsteht und mehr Spin gespielt werden kann. Sehr zu empfehlen ist auch die Saite Black Code vom Hersteller Tecnifibre. Auch diese ist achteckig und überzeugt zudem noch mit einer hohen Haltbarkeit ohne Spannungsverlust.

 

Besaitungsbild des Schlägers

Tennisschläger haben ein unterschiedliches Saitenbild, entweder 20/18 oder 19/16 (Quersaiten/Längssaiten). Mit einem Saitenbild von 19/16 kann mehr Spin gespielt werden.

 

Der Schläger

Rafael Nadal spielt nicht umsonst den Babolat Aeropro Drive GT. Der AeroPro Drive GT hat einen aerodynamischen Schaft und minimiert so den Luftwiderstand bei der Zuschlagbewegung - ideal für mehr Spin. Natürlich hat dieser Schläger auch das angesprochene Besaitungsbild von 19/16.

 

Gewicht des Schlägers

Der Schläger sollte weder zu leicht noch zu schwer sein. Bei zu leichten Schlägern laufen Sie Gefahr, den Schlag zu überpowern und bei zu schweren Schlägern ist der Arm zu schnell müde. Das richtige Gewicht des Schlägers hängt von jedem Spieler selbst ab. Sie brauchen aber nicht extra einen neuen Schläger kaufen. Arbeiten Sie mit Bleistreifen, welche Sie unter anderem für mehr Spin in den Schlägerkopf kleben können.

 

Bevor Sie also anfangen, an Ihrer Technik und an Ihrem Vorhandgriff zu arbeiten, probieren Sie einfach mal diese kleinen Details aus. Diese können eine Menge bewirken. Viele Amateur-Spieler spielen den falschen Schläger, bzw. ein Racket, das gar nicht zu der eigenen Spielanlage passt.

Die genannten Tipps und Tricks zaubern natürlich keinen unschlagbaren Topspin hervor. Sollten Sie ein Spieler mit einer soliden Topspin-Vorhand sein, dann sind die Hinweise jedoch sehr effektiv. Wer schon ein alter Hase auf dem Tennisplatz ist, sollte nicht mehr anfangen, seine ganze Technik umzustellen. Meistens wird dabei mehr kaputtgemacht, als tatsächlich verbessert wird.

 

Fazit

Neben der Technik ist auch das Material im Tennis sehr wichtig. Es zeichnet einen guten Tennisspieler aus, für die eigene Spielanlage das richtige Material einzusetzen. Auch wenn es sich für Außenstehende irrsinnig anhört, aber die Tennissaite kann den Spin erheblich erhöhen, genauso wie die Wahl des richtigen Besaitungsbildes. Das alles sind kleine Details, mit denen sich jeder Spieler neben dem Platz beschäftigen sollte. Eine Umstellung der Technik, nur um mehr Spin zu spielen, kann sich negativ auswirken. Gehen Sie also etwas ins Detail und probieren Sie diese einfachen Tipps und Tricks aus.

 

Markus Czerner

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