Basketball-Wissen

Welche Eigenschaften braucht ein Point-Guard?

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Was muss ein guter Point Guard im Basketball können und wie trainiert man ihn?

Der Point Guard oder Playmaker wird im Deutschen Aufbauspieler oder Spielmacher genannt. Welche Eigenschaften ein Point Guard mit sich bringen sollte erklärt Basketballexperte Ramy Azrak.

Früher, als ich in der Jugend gespielt habe, war es häufig so, dass der größte Spieler vom Trainer immer direkt und kompromisslos unter den Korb gestellt wurde und genauso wurde beim Fußball der Spieler mit der schlechtesten Technik automatisch ins Tor gestellt. Folglich wurden die kleineren Spieler beim Basketball für den Spielaufbau eingeteilt. Ist das heute auch noch so?

Tendenziell ist das heute auch noch so und es macht natürlich auch Sinn, einen Shaquille O´Neill mit über 120 Kilo auf den Rippen unter den Korb zu stellen. Allerdings geht der Trend immer mehr dazu, die Eigenschaften der Spieler genauer zu betrachten und einen großen Spieler mit gutem Ballhanding auf die Flügelpositionen zu stellen oder gar als Aufbauspieler einzusetzen. Ein Paradebeispiel ist Dirk Nowitzki, der in Deutschland von seiner Größe her ein Centerspieler sein könnte, aber in der NBA als Shooting-Guard (Position 2) oder als Small Forward (Position 3) agiert.

 

Was muss ein Point Guard können?

Dennoch ist der Point Guard auch noch heute zumeist der kleinste Spieler eines Basketballteams. Viel wichtiger als seine Körpergröße ist allerdings, dass er sehr schnell und wendig sein sollte und über ein ausgezeichnetes Ballhandling verfügt. Ballgefühl- und kontrolle sind für den Point Guard wichtig, damit er nicht während des Dribblings auf den Ball schauen muss. Neben einer guten Technik ist eine gute Spielübersicht und das Erkennen von Situationen von großer Bedeutung, da er der Motor der Mannschaft ist und darüber entscheidet, wann welches System und welcher Spielzug gestartet wird.

So wie der Quarterback beim Football und der Spielmacher beim Fußball ist der Point Guard eine Art „verlängerter Arm“ des Trainers auf dem Spielfeld. Die Übersicht über das Feld bekommt ein Point Guard durch die Erfahrung, die er im Laufe der Jahre und Spiele sammelt. Er muss Spielzüge im Kopf voraussehen, bevor sie geschehen, um im richtigen Moment die richtigen Entscheidungen für sein Team zu treffen und in hektischen Situationen die Ruhe zu bewahren. Ein guter Spielmacher kann das Tempo bestimmen und leitet durch seine Tempoverschärfung Fastbreaks ein.

Neben dem Ballhanding und der Spielübersicht ist natürlich auch ein gutes Passspiel wichtig. NBA-Legende Earvin Johnson von den Los Angeles Lakers ist durch sein überragendes Passspiel berühmt geworden und so erhielt er früh den Spitznamen „Magic“. Ein gutes und sicheres Passspiel kann hervorragend im Techniktraining trainiert werden. Für das außergewöhnliche Passspiel, also um auch mal einen „behind the back pass“ oder „no look pass“ zu spielen, braucht man ein gewisses Maß an Talent und Instinkt, den Streetballer oft mit sich bringen.

Das I-Tüpfelchen, das einen guten Point Guard von einem sehr guten Point Guard unterscheidet, ist die Korbgefahr. Im Idealfall verfügt ein Point Guard über eine Kombination aus einem guten Wurf und einem guten Drive zum Korb, damit er für den Gegner nicht berechenbar ist. Dadurch kann er nicht zugestellt werden und der Gegner muss sich dauernd neu ausrichten.

 

Das Training für den Point Guard

Ein Point Guard muss nicht alle oben genannten Eigenschaften mit sich bringen und darf auch seine Schwächen haben. Earvin „Magic“ Johnson war bei weitem nicht der schnellste Point Guard, allerdings hatte er eine überragende Spielübersicht und zauberte unglaubliche Pässe aus dem Ärmel. Wichtig ist es, die Stärken aufrechtzuerhalten und an den Schwächen zu arbeiten.

Ich empfehle regelmäßig Dribbling-Übungen in der Freizeit oder vor dem Training durchzuführen: Basketball Techniktraining: Das Dribbling (Teil I) - Allgemeine Tipps. Zusätzlich sollten Korbgefährlichkeit, Penetration zum Korb und Wurf aus der Mittel- und Ferndistanz trainiert werden, um für den Gegner unberechenbar zu bleiben bzw. zu werden. Die anderen Eigenschaften (Übersicht, Tempobestimmung, Passen und Schnelligkeit) verbessert man durch Spieleinsätze und auch im Kleingruppen- und Mannschaftstraining.

Wer im Training Gas gibt, selbstkritisch und lernbereit ist, wird über kurz oder lang seine Skills nachhaltig verbessern.

 

Ramy Azrak

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