Basketball/Athletik

Baskteball: Experten-Interview mit Athletiktrainer Marcus Lindner (Teil 3)

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Der professionelle Basketball-Athletiktrainer Marcus Lindner berichtet über seine Arbeit mit der Basketball Nationalmannschaft und mit Dirk Nowitzki.

Im 3. Teil des Interviews erzählt Marcus über seine Arbeit bei der Basketball-Nationalmannschaft. Er spricht über die Unterschiede zu seiner Arbeit bei den Brose Baskets Bamberg, seinen Anteil, die besten Spieler noch besser zu machen und über Dirk Nowitzki als „weltklasse Persönlichkeit“.

Marcus Lindner ist in Doppelfunktion zugleich Athletiktrainer bei den Brose Baskets Bamberg und der Deutschen Basketball A-Nationalmannschaft tätig. Mit Marcus habe ich zu unserer gemeinsamen Studienzeit an der Deutschen Sporthochschule Köln das Vergnügen gehabt, regelmäßig auf dem Freiplatz Basketball zu zocken. Nach Teil 1 des Interviews über seine Arbeit bei den Brose Baskets Bamberg und Teil 2 über die Aufgaben eines Athletiktrainers im Basketball erzählt er hier über seine Erfahrungen mit der Basketball Nationalmannschaft und die zusammenarbeit mit Dirk Nowitzki.

 

„Ich hätte gerne länger mit Dirk Nowitzki zusammengearbeitet“

trainingsworld: Welche grundsätzlichen Unterschiede gibt es in der Arbeit bei den Brose Baskets Bamberg und der Nationalmannschaft für Dich?

Marcus Lindner: Erst einmal arbeite ich bei der Nationalmannschaft mit einem anderen Trainer und bis auf drei Bamberger Spielern auch mit anderen Spielern zusammen. Die Jungs kommen von ihren Heimatvereinen zu der Nationalmannschaft und sind unterschiedliche Arbeitsweisen gewohnt und bringen auch unterschiedliche Voraussetzungen mit.

Neben diesen Unterschieden sind aber vor allem die Ziele unterschiedlich gelagert. Bei der Nationalmannschaft sind die Ziele eher kurz- und mittelfristig gesetzt. In Bamberg ist das Arbeiten insgesamt langfristig angelegt. Dort habe ich natürlich deutlich mehr Zeit, ein Mindset zu entwickeln und Trainer und Spieler von deiner Arbeitsweise zu überzeugen, warum ich bestimmte Dinge so mache wie ich sie mache. Bei der Nationalmannschaft reicht die Zeit meistens nicht dafür aus, weil man immer in kurzen Zyklen zusammenarbeitet und das Tagesgeschäft in Bamberg überwiegt.

 

trainingsworld: Wie schaffst Du es, die besten deutschen Basketballer noch besser zu machen?

Marcus Lindner: Ich kann den Spielern nur den Weg ebnen und aufzeigen. Die ganze Anstrengung, die unsere Nationalspieler in ihren Basketball stecken, kommt von ihnen und so haben sie Fortschritte auch sich selbst zu verdanken. Zum Beispiel Kasten und Tibor, die haben im letzten dreiviertel Jahr einen unheimlichen Schritt gemacht. Es ist ihr großes und tägliches Engagement, unheimlich viele Kleinigkeiten, die sie immer aufs Neue machen und natürlich muss ich sie auch immer wieder mal pushen. Aber ich denke einen Spieler der nicht will, den kriegst du auch nicht gepusht. Ich kann keinen Spieler anschreien oder anbetteln, ich kann Ziele setzten und mit meinen Trainingsplänen den Weg für die tägliche Arbeit mit ihm ebnen, aber die Anstrengung erbringt er. Und somit gebührt auch das Lob nur dem Athleten selber, da es seine Anstrengung und sein Schweiß sind.

 

trainingsworld: Turnieren der Nationalmannschaft, egal ob EM, WM oder Olympischen Spiele, geht immer eine lange Ligasaison voran. Welche Herausforderungen ergeben sich daraus für dich?

Marcus Lindner: Ich denke, die Herausforderung ist für alle im Nationalteam gleich, ob jetzt für Spieler oder Trainer. Du hast mitunter kaum eine Erholungsphase und nur eine sehr kurze Off-Season, was besonders für die NBA-Spieler mit einer extrem langen Off-Season von großem Vorteil ist. In dieser langen Zeit können sie Basisfähigkeiten und Grundlagen aufbauen. Wenn du fast ganzjährig spielst, ähnlich wie beim Tennis, wo du keine klassische Periodisierung hast, dann ist es sehr schwierig, das Maximum rauszuholen - so ist es aber in Deutschland.

 

trainingsworld: Viele unserer Leser wird es natürlich interessieren, welche speziellen Übungen du mit Dirk Nowitzki – vor seinem Rücktritt 2011 aus der Nationalmannschaft – absolviert hast. Kannst du ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern?

Marcus Lindner: Es gibt nicht DIE speziellen Übungen, die ich nur mit Dirk Nowitzki absolviert habe. Er hat sein Programm gehabt, basierend auf seinen Bedürfnissen. Es unterscheidet sich ein Stück weit von dem manch anderem Spieler, aber es gibt nicht DIE Übung oder DAS Übungspaket.

 

trainingsworld: Wie war es denn grundsätzlich mit Dirk arbeiten zu dürfen? Und wie ist er so vom Typ?

Marcus Lindner: Super! Dirk hat überhaupt keine Starallüren, er ist ganz normal und nicht abgehoben. Das sollte man gar nicht hervorheben, weil das eigentlich etwas ganz verständliches ist, aber dann leider doch nicht selbstverständlich, wenn man um sich guckt (lacht). Dirk ist wirklich eine weltklasse Persönlichkeit. Es hat Spaß gemacht, ihn kennenzulernen und mit ihm zu arbeiten. Ich hätte gerne länger mit Dirk Nowitzki zusammengearbeitet.

 

trainingsworld: Abschließend würde ich mich freuen, wenn du ambitionierten Trainern eine Botschaft mit auf den Weg zu geben könntest, wie sie am besten Athletiktraining in das Basketballtraining einbauen.

Marcus Lindner: Im Vordergrund sollte im Amateursport immer der Spaß stehen. Wer mit Freude zum Training geht, wird auch Ehrgeiz entwickeln. Von daher ist es wichtig, dass ein Trainer immer wieder neue Übungen ins Training implementiert und das Athletik-Training abwechslungsreich gestaltet.

 

trainingsworld: Ich bedanke mich für die interessanten Einblicke, die du unseren Lesern gewährt hast. Ich wünsche dir eine erfolgreiche Saison mit den Brose Baskets Bamberg und der Nationalmannschaft!

Marcus Lindner: Vielen Dank.

 

Ramy Azrak

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