DSHS Projekt Tailwind

1. Aktionstag in Euskirchen großer Erfolg: Handcycling für Kinder im Rollstuhl

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"Das gibt Muskelkater!"

Der 29. Februar 2012 ist natürlich ein besonderer Tag. Für Olja, Max, Lukas, Johnny und Greta von der Irena Sendler Schule in Euskirchen wurde er ein ganz besonderer Tag, da für sie der Traum vom Radfahren wahr wurde.

DSHS Projekt Tailwind ist für Kinder im Rollstuhl gedacht - für mehr Mobilität im Alltag

Alle Kinder der Schule des Landschaftsverbandes Rheinland nutzen für die Bewegung im Alltag einen Rollstuhl oder einen Rollator. Erfahrungen mit dem Radfahren hatten sie alle noch nicht. „Ich möchte draußen Radfahren“ so der Wunsch eines der Kinder in der Begrüßungsrunde am Morgen. Und dann ging es auch schon los. Vier nagelneue Adaptiv-Fahrräder im Wert von mehr als 8.000 €, die exklusiv für das Projekt der Deutschen Sporthochschule von der Firma Stricker in Kooperation mit der Firma Rehability entwickelt wurden, hatten die Projektverantwortlichen Dr. Volker Anneken und Dr. Thomas Abel nach Euskirchen mitgebracht. Zunächst wurden diese an die Alltagsrollstühle angepasst. Unter tatkräftiger Mithilfe des Physiotherapeuten der Schule, Herrn Schmitz sowie großer Prominenz, dem aktuellen Vizeweltmeister im Handcycling, Vico Merklein, entstanden somit dreirädrige Gefährte die sofort die Aufmerksamkeit der anderen Schüler auf sich zog. Im Prinzip können die Fahrräder dabei an jeden Rollstuhl angepasst werden und wie bei der Einstellung von Sattelhöhe, Kurbellänge und Vorbau beim zweirädrigen Fahrrad wird auch beim Adaptiv-Fahrrad eine ideale Passung der Räder für die Nutzer angestrebt. Anschließend sind die Fahrräder in einer Minute an den Rollstuhl anzubringen und wieder zu lösen, was im Alltag von großem Vorteil sein kann, wenn zum Beispiel im Rahmen einer kleinen Radfahrt noch schnell ein Einkauf im Supermarkt angeschlossen wird und dieser nur mit dem Rollstuhl befahren werden soll.

Die Kinder der Irene-Sendler-Schule hatten viel Spaß am Aktionstag

Im Anschluss lernten die Kinder den sicheren Umgang mit dem Rad. Anfahren, Lenken, Bremsen und Schalten wollen nämlich erst mal gelernt sein. Dazu wurde zunächst in der riesigen Doppelturnhalle der Schule geübt. Da die Kinder superschnelle Fortschritte erzielten, konnten auch schon knifflige Aufgaben, wie das schnelle Slalomfahren oder das plötzliche Abbiegen nach einem Zeichen bewältigt werden. Also ging es weiter. Die Schule, an der die Sportlehrerin Frau Ziegler den Aktionstag wirklich perfekt vorbereitet hatte, verfügt über einen ca. 200 Meter langen Rundweg in der Schule, der verschiedene Gebäude miteinander verbindet. In Viererformation folgten die Kinder auf dieser Strecke dem Profi Vico Merklein, der sein Renn-Handcycling extra aus Mannheim mitgebracht hatte. Da staunten die anderen Schülerinnen und Schüler der Schule nicht schlecht und Frau Koch vom Sportexpertenportal trainingsworld.com, die zusammen mit der Gold-Kraemer-Stiftung und der Kämpgen-Stiftung durch die großzügige finanzielle und inhaltliche Unterstützung das Projekt erst möglich macht, sah nur strahlende Gesichter. Das Strahlen wurde dann noch größer, als die Bewegungs-AG der Schule, einige Radfahrer auf zwei Rädern und die frisch gebackenen Handbiker zusammen mit Vico Merklein unzählige Runden auf dem großen Schulhof, der mit Wegen und Straßenmarkierungen versehen ist, absolvierten. Müde werdende Arme und vielleicht auch ein bisschen schmerzende Hände, die sich an die neue Bewegung erst gewöhnen müssen, wurden dabei gerne ignoriert um weiter gemeinsam die Faszination der Bewegung zu erleben. In die anschließende wohlverdiente Mittagspause zur Stärkung mussten die Kinder eher gezwungen werden, womit die Hoffnungen der Initiatoren des Projekts mehr als erfüllt wurden. Spannend wird jetzt, wie die weiteren Fortschritte der Kinder verlaufen und wie sich die verbesserte Mobilität, die sich irgendwann auch auf den alltäglichen Straßenverkehr ausweiten soll auf die Kinder wirkt.

Auch sportlich machen Adaptivbikes und Handbikes vieles möglich

Nach der Mittagspause erfolgte dann gleich noch ein weiteres High-light, nun aber für einen großen Teil der Schülerinnen und Schüler der Irena Sendler Schule. Vico Merklein erzählte von seinen Vorbereitungen auf die Paralympics in London und berichtete von seinem schönsten Gefühl beim Radfahren. Zum Erstaunen der Kinder war dies nicht der Gewinn der Silbermedaille bei den Weltmeisterschaften, so schön dieses Erlebnis für Vico auch war, sondern das Gefühl der Freiheit und Mobilität. „Mit einem Schokoriegel für 60 Cent und einem Liter Wasser komme ich 100 Kilometer weit, das ist meine Freiheit, meine schönstes Gefühl beim Radfahren“

Im Anschluss informierte Herr Rudolf Graß von der Verkehrsunfallpräventionsstelle der Polizei die aufmerksamen Zuhörerinnen und Zuhörer über wesentliche Punkte des sicheren Verhaltens im Straßenverkehr. Herr Graß versprach dabei auch gleich, eine ausführliche Schulung für den Straßenverkehr mit den jungen Handbikern durchzuführen, sobald diese ausreichend trainiert haben, um längere Strecken auch außerhalb der Schule zurückzulegen.

Es war ein langer und anstrengender Tag für die Kinder der Schule. Und am nächsten Tag meldeten die Arme die ungewohnte Belastung natürlich ordentlich zurück, was aber keinen der Teilnehmer davon abhielt, gleich wieder mit dem Fahrrad weiter zu fahren.

 

Thomas Abel

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