So funktionieren Adaptivbikes

So funktionieren Adaptivbikes

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Beim Thema Handbikes denken viele Menschen an flache Liegeräder, die bei City-Marathonveranstaltungen oft zu sehen sind. Damit haben sie zweifelsohne nicht Unrecht, jedoch gibt es neben den für den Rennsport ausgelegten sogenannten „Liege-“ und „Kniebikes“ die weitaus alltagstauglichere Variante, die „Adaptivbikes“.

Adaptivbikes bestehen in der Regel aus einem Rad inklusive Antriebssystem, welches vor den Rollstuhl gespannt werden kann. Durch das Ankoppeln des Vorderrades, wobei die kleinen Vorderräder des Rollstuhls „aufgebockt“ werden und keinen Kontakt zum Boden haben, entsteht eine Art „Dreirad“, das mittels zweier Kurbeln angetrieben wird. An den Kurbeln befinden sich wie bei einem Fahrrad, das mit den Beinen angetrieben wird, eine Gangschaltung und zwei unabhängig voneinander wirkende Bremsen. Der Vorteil gegenüber dem Rollstuhl liegt im deutlich höheren Wirkungsgrad des Adaptivbikes und damit einer höheren Geschwindigkeit bei gleichem Trainingszustand der nutzenden Person. Je nach Leistungsfähigkeit sind Geschwindigkeiten von 20km/h und mehr möglich.

Die aufrechtere Haltung ist anders als im Liegebike und trainiert den Rücken und den Schultergürtel, allerdings wird der Rücken deutlich weniger stabilisiert und gestützt. Ein großer Vorteil des „Adaptivbikes“ liegt darin, dass das Vorderrad des Adaptivbikes einen deutlich größeren Durchmesser aufweist als die erwähnten kleinen Rollenpaare des Rollstuhls. Dies verringert nicht nur den Rollwiderstand, es hilft vor allem dabei, Hindernisse und Unebenheiten leichter zu überwinden und dies eröffnet den Adaptivbike-Nutzern somit neue Möglichkeiten hinsichtlich der Mobilität. Waldwege und andere nicht sauber-asphaltierte Wege, wie Kopfsteinpflasterpassagen, können leichter genutzt werden. Dies erleichtert nicht nur das Fortbewegen im städtischen Alltag, es vereinfacht auch Dinge wie Familienausflüge enorm. Die Mobilität und Flexibilität machen das wendige Adaptivbike alltagstauglicher als seinen starren Verwandten, die „Rennräder“, also das Liege- oder Kniebike. Es kann zudem jederzeit wieder zu einem normalen Rollstuhl umfunktioniert werden, um die Radtour mit dem Einkaufen oder einer Rast zu unterbrechen. Der relativ hohe Schwerpunkt stellt im Vergleich zum Liege- und Kniebike allerdings eine Problematik bei hohen Geschwindigkeiten dar.

Die Anschaffung eines Adaptivbikes ist leider nach wie vor relativ kostspielig. Der Preis von meist über 2000€ steht dabei dem enormen Nutzens eines Adaptivbikes und der Möglichkeit zur Vergrößerung der Mobilität und damit einer realisierten Teilhabe am öffentlichen Leben gegenüber.

Dr. Thomas Abel

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Rumpfkaft

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