Core Training

Training zum Ausgleich von Bewegungsdysbalancen

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Gray Cook beim Functional Training Summit 2013 persönlich.

Das Verletzungsrisiko steigt, wenn bei Sportlern Asymmetrien zwischen der rechten und linken Körperhälfte vorliegen. diese wirken sich nämlich auch auf Bewegungen aus und können Sie zu Problemen  oder falsche Kraftentwicklung führen.

In einem Artikel in Sports Medicine aus dem Jahr 1992 stellen Knapik und seine Kollegen fest, dass keine eindeutigen Beweise für einen Zusammenhang zwischen verhärteten oder schwachen Muskeln und Verletzungen in ebendieser Muskelgruppe existierten, dass jedoch eine signifikant hohe Zahl an Verletzungen bei Sportlern mit Rechts-links-Asymmetrien in puncto Kraft und Beweglichkeit (Asymmetrien) zu beobachten sei. Mittels sieben Messreihen zur Beweglichkeit des Unterkörpers zeigten die Verfasser, dass bei einem Sportler mit einer Dysbalance in der Hüftstreckerbeweglichkeit von 15% oder mehr das Verletzungsrisiko 2,6-mal höher liege als bei einer gleichförmigen Beweglichkeit. 

Der Körper ist mehr als die Summe seiner Teile

Leider haben nur wenige Wissenschaftler sich die Mühe gemacht, Probleme bei bestimmten Bewegungsmustern und Rechts-links-Asymmetrien zu untersuchen. Die meisten betrachten den menschlichen Körper eher durch ein Mikroskop, als ob man von der Betrachtung der Teile auf das Ganze schließen könne. Unglücklicherweise funktioniert, lebt und bewegt sich der Körper aber anders. Das Ganze ist immer mehr als die Summe seiner Teile. 

Reduzierung von Dysbalancen wichtig

Sie sollten sich auf jeden Fall mit Bewegungsanalysen sowie Kraft- und Ausdauertests beschäftigt haben. Bevor wir uns tiefer gehend mit funktionellem Konditionstraining befassen, bietet sich jetzt noch eine letzte Gelegenheit, eventuell noch vorhandene Bewegungsdysbalancen durch entsprechendes Training auszugleichen.
 Dazu stelle ich später zwei PNF-Übungsmuster (proprioceptive neuromuscular facilitation – eine spezielle Form der Physiotherapie) vor: Chop & Lift. PNF dient der Förderung der neuromuskulären Eigenwahrnehmung. Die beiden Übungsmuster Chop (Rumpfbeugung, wie beim Holzhacken) und Lift (Rumpfstreckung) kombinieren entgegengesetzte Rotations- und Diagonalbewegungen des Oberkörpers, die in verschiedenen Unterkörperstellungen ausgeführt werden, um ganz spezifisch Dysbalancen im Rumpfkernbereich ("Core") festzustellen und anzugehen. Die Reduzierung solch eventueller Dysbalancen in diesem Bereich stellt die optimale Grundlage für ein sinnvolles Kraft- und Ausdauertraining dar. 

Diskrepanz zwischen linker und rechter Seite

Die Feststellung eines muskulären Ungleichgewichts erfordert gewöhnlich eine gründliche Beurteilung des Bewegungsapparats und der Skelettmuskulatur. Die Korrektur einer solchen Störung macht spezifische Trainingsübungen notwendig, die genau auf den betroffenen Bereich abgestimmt sind. Die vielen verschiedenen Arten, wie Dysbalancen sich manifestieren können, komplizieren die Angelegenheit. Für unsere Zwecke ist es sachdienlicher, dies alles als eine Art Ausgleichstraining anzusehen. 

Ich habe in vielen Artikeln erklärt, wie wir die zahlreichen Bewegungsmuster unseres Körpers kennenlernen und erfahren, wie Diskrepanzen zwischen linker und rechter Körperseite zu Leistungsproblemen und erhöhtem Verletzungsrisiko führen können. Um es auf den Punkt zu bringen: Nichts sollte trainiert werden, was nicht getestet werden kann. Da Bewegungstests auf unserer aktuellen Stufe möglich sind, Tests des muskulären Gleichgewichts hingegen nicht, macht es Sinn, uns auf die Bewegung an sich zu konzentrieren. 

Grundlage für Kraft- und Ausdauertraining

Bewegungstraining ist zudem funktioneller, denn wenn eine solche Dysbalance festgestellt und durch Training "behandelt" wird und weiterhin ein Bewegungsproblem besteht, dann muss auch dieses Bewegungsproblem trainiert werden. Andererseits hat ein Training zum Ausgleich solcher Bewegungsdysbalancen gemeinhin auch eine Wirkung auf die muskuläre Dysbalance. Ich verspreche Ihnen: Sie können darauf vertrauen, dass der später vorgestellte Trainingsansatz zu 90% die zugrundeliegenden Probleme in Angriff nimmt. Sehen Sie das Ganze als ein weiterentwickeltes Core-Training. Bis hierher wurden alle Übungen ohne Widerstand durchgeführt, nun kommen wir jedoch zum Training mit Widerstand. Die gute Beherrschung dieser Übungen vorausgesetzt, ist die funktionelle Grundlage für das Kraft- und Ausdauertraining.

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