Techniktraining

Basketball: Wie kann ich meine Freiwurfquote verbessern?

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So verbessern Basketballspieler ihre Freiwurfquote

Hinsichtlich der Punkteausbeute sind und bleiben die Freiwürfe die einfachsten Punkte im Basketball, jeder verworfene Freiwurf ist ein verschenkter Punkt. Wie aber kann die Freiwurfquote verbessert werden?

Im Basketball muss sich eine Mannschaft (fast) jeden Feldkorb hart erarbeiten, zumindest dann, wenn der Gegner auf Augenhöhe ist und die Challenge an die Leistungsgrenze führt. Jeder Spieler muss dann das Maximum aus sich herausholen. Oftmals ist in solchen Situationen, vor allem in der „Crunchtime“ (Basketball-Lexikon Teil 1), zu beobachten, dass die nervliche Anspannung für den einen oder anderen Spieler zu hoch ist, die Kraft nachlässt oder die letzte Konzentration und Konsequenz fehlt. Das „Versagen“ an der Linie ist häufig spielentscheidend. Basketballexperte Ramy Azrak hat sich mit der Frage auseinandergesetzt, wie die Freiwurfquote verbessert werden kann.

 

Der Freiwurf

Jeder verworfene Freiwurf ist ein verschenkter Punkt. Die Situation kann nicht rückgängig gemacht werden und am Ende des Spiels wird dann abgerechnet. Natürlich können die „unforced Turnovers“ (unnötige Ballverluste), die Offensivrebounds des Gegners, die Dreierquote oder ein anderer Grund entscheidend sein. Hinsichtlich der Punkteausbeute sind und bleiben die Freiwürfe die einfachsten Punkte im Basketball.

Ein besonders guter Freiwerfer ist Dirk Nowitzki, der auch noch im Alter von 34 Jahren aktuell einer der Superstars der NBA ist. Seine überragend konstante Freiwurfquote bescherte ihm im ersten Playoff-Final-Spiel der Dallas Mavericks gegen die Oklahoma Thunder in der Saison 2011/2012 einen neuen Rekord. Mit 24 Treffern aus 24 Freiwurfversuchen (die Hälfte seiner 48 Punkte), ebnete Nowitzki nicht nur den Weg zum Sieg seiner Mannschaft (121:112) sondern auch den Weg zur 1. NBA-Meisterschaft.

 

 

Wie kann ich eine so gute Freiwurfquote (87,8%) wie Dirk Nowitzki erzielen?

Meiner Meinung nach gibt es einige Faktoren, die in Kombination dafür verantwortlich sind, ob du ein guter Freiwurfschütze bist bzw. wirst oder eben nicht. Einen zweiten Dirk Nowitzki, unter Experten als bester europäischer Basketballer aller Zeiten gehandelt, wird es so schnell garantiert nicht geben. Seine Freiwurfquote von 87,8 Prozent (Quelle: http://www.basketball-reference.com/players/n/nowitdi01.html) nach 15 Spielzeiten in der NBA ist zwar überragend, aber nicht unschlagbar. Und du fragst dich, ob und wie du es schaffen kannst, die Freiwurfquote von „Dirkules“ zu übertreffen?

 

Du brauchst …

Konzentration und Nervenstärke

NBA-High-Jumper Blake Griffin hat eine unglaublich explosive Sprungkraft. Aber ihr wisst doch selbst, man kann nicht alles im Leben (haben)! Und was dieses „Sprungmonster“ anscheinend nicht hat, ist Nervenstärke. Schau dir das amüsante Video an, das dir zeigt, wie man es nicht machen sollte!

Wenn du es besser als Blake Griffin machen möchtest, dann musst du mit Stress und Druck umgehen können und dich voll und ganz auf den Freiwurf konzentrieren und alles andere ausblenden. Denke immer positiv und wandle Druck in Energie um. Es gibt doch nichts Schöneres, als kurz vor Schluss der entscheidende Spieler an der Linie zu sein. Einfacher gesagt als getan!? Wenn du dich von äußeren Einflüssen (Zuschauer, Gegner) einfach ablenken lässt und die Nervosität nicht abstellen kannst, dann empfehle ich dir, in Zukunft ein Ritual bzw. ein bestimmtes standardisiertes Bewegungsmuster einzuführen. Dadurch kannst du dich besser auf den Bewegungsablauf konzentrieren und gleichzeitig beruhigt es deine strapazierten Nerven.

 

Technik

Wie sieht eigentlich die perfekte Wurftechnik aus?

Grundsätzlich gibt es nicht DIE perfekte Wurftechnik. Einige NBA-Spieler haben eine ureigene Wurftechnik, so z.B. der ehemalige Superstar Reggie Miller von den Indiana Pacers, einer der besten Dreierschützen der NBA-Historie. Beim Anblick seiner Technik würden sich die meisten Trainer die Haare raufen, aber wer trifft, der hat nun mal Recht! Trotzdem gibt es natürlich Empfehlungen, wie ein Freiwurf aussehen sollte. In den USA ist das sogenannte „Beef“ Prinzip weit verbreitet, an dem du dich auch orientieren kannst. (Quelle: http://www.hoopzonebasketball.com/ozone/handout_shooting_beef.pdf)

Meine Tipps:

- Parallele oder leicht versetzte Schrittstellung; Beine sind zu Beginn der Bewegung gebeugt

- Fixieren eines Punktes, z. B. Vorderseite des Rings

- Schwarze Nähte des Balls liegen quer zu deinem Zeigefinger, Mittelfinger und Ringfinger der Wurfhand

- Mit der Streckung der Beine auch den Ellenbogen des Wurfarms strecken

- Drall des Balls entsteht durch Abknicken des Handgelenks

Wichtig: Der Wurf beginnt nicht in der Hand, sondern in den Beinen. In der Fachsprache spricht man von der kinetischen Energie, also eine Kraftübertragung, die beim Freiwurf von den Beinen bis ins Handgelenkt verläuft und in einem Bewegungsfluss geschieht. Probiere mal aus, mit durchgestreckten Beinen einen Freiwurf aufzuführen und du wirst schnell merken, dass du nicht bis zum Korb kommen wirst und wenn überhaupt, dann wird der Wurf unkontrolliert sein.

Trainiere die Freiwurftechnik im Techniktraining mit erfahrenen und sicheren Werfern. Lass deinen Wurf kontrollieren und Fehler korrigieren. Auch wenn es etwas umständlich erscheint, eine Videoanalyse wird dich garantiert einen Schritt weiterbringen, denn im Prinzip weißt du eigentlich gar nicht wie du wirfst. Eine gute Technik ist im Puzzle das wichtigste Teil zum guten Freiwerfer. Selbst Profis finden immer noch Details, die sie verbessern können.

 

Training

Üben, üben, üben! Binde verstärkt Freiwürfe in dein Individualtraining oder komme zum Gruppentraining als Erster oder gehe als Letzter. Training wird das neuronale Bewegungsmuster besser abspeichern und detaillierter abrufen. Letzten Endes helfen vorhandenes Talent und eine gute Technik nicht viel, wenn der Bewegungsablauf nicht regelmäßig trainiert wird. Immerhin macht es deutlich mehr Spaß Freiwürfe zu trainieren, als Mathehausaufgaben machen zu müssen.

 

Talent und Gene

Wenn du das „Freiwurf-Talent“ von Shaquille O´Neal, einem der besten Center aller Zeiten, geerbt hast, dann gute Nacht! „Shaq Attack“ konnte mit seinen ca. 140 Kilos gegnerische Center im 1-gegen-1 (Basketball Techniktraining: Verbesserung des Offensivspiels im 1-gegen-1) wie Kleinkinder wegschieben und Korbanlagen demolieren, doch der Basketball war an der Freiwurflinie nicht sein bester Freund (52,7 Prozent). Die riesigen Pranken ließen den Basketball immer wie ein Tennisball in den Händen versinken. Dem Gegner war das Recht und in engen Spielen hieß es dann „hack the Shaq“ (Holze den Shaq um). In solch einem Fall solltest du bei deinem Basketballkreis einen Antrag stellen, die Freiwurflinie mindestens zwei Meter nach vorne zu versetzen.

 

Tagesform

Es gibt diese Tage, an denen einfach nichts klappen mag und du reihenweise Würfe nicht triffst, die du ansonsten mit verbundenen Augen reinzwiebeln würdest. An solchen Tagen wärst du wohl lieber im Bett geblieben. Vielleicht bist du einfach nur mit dem falschen Bein aufgestanden?! Es gibt aber auch die Tage, an denen man alle Lampen in der Halle ausschießt und sich wie Michael Jordan fühlt. Beim Freiwurf ist das nicht anders, daher nicht den Mut verlieren und weitermachen.

 

Fazit

Jetzt heißt es für dich in den nächsten Wochen die Tipps beherzigen und üben was das Zeug hält! In ein paar Wochen hast du dann die Freiwuf-Challenge: Nimm 100 Freiwürfe im Training und „Schlag den Dirk!“. 87,8 Prozent ist eine hohe Messlatte! Ein kleiner Trost: Du hast keine 20.000 Zuschauer die dir dabei zugucken und dich auspfeifen.

 

Ramy Azrak

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