Basketball

Basketball Techniktraining: Verbesserung des Offensivspiels im 1-gegen-1

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SPD-Stellung: den Verteidiger vor Probleme stellen

Basketball ist ein Mannschaftssport. Wie erfolgreich ein Team spielt, ist daher immer von der Leistung des Kollektivs abhängig. Nichtsdestotrotz kommt es während eines Basketballspiels zu vielen 1-gegen-1-Situationen, mit denen sich ein Offensivspieler konfrontiert sieht.

1-gegen-1-Situationen beginnen schon tief in der eigenen Spielhälfte, wenn der Aufbauspieler beim Ballvortrag vom Verteidiger gestellt wird. Besonders beim Systemspiel gegen eine Mann-Mann-Verteidigung müssen sich Offensivspieler in 1-gegen-1-Situationen behaupten.(Basketball-Technik: Verbesserung der Offensivfähigkeiten) Center müssen sich den Weg zum Korb durch ein Aufposten erarbeiten und auch Flügelspieler haben einen lästigen „Leibwächter“ an ihrer Seite, den sie abhängen müssen. Im Angriff können aber auch bewusst 1-gegen-1-Situationen eingeleitet und Mismatches herausgespielt werden, die enorme Vorteile für die angreifende Mannschaft erwirken.

 

Definition Mismatch

Ein Mismatch ist dann gegeben, wenn ein Angreifer gegenüber seinem direkten Verteidiger einen Größen- oder Schnelligkeitsvorteil hat. Ein Mismatch kann durch Isolation des Angreifers auf einem Flügel oder durch einen erfolgreichen Block (Pick-and-Roll) forciert werden.

 

Ein angreifender Spieler mit Ball hat viele Handlungsmöglichkeiten, auf die sich der verteidigende Spieler einstellen muss. Die Grundvoraussetzung, um überhaupt eine Gefährlichkeit auf den Gegner ausstrahlen zu können, sind eine sichere Ballannahme, also Abstoppen, Fangen und Sichern des Balls.

 

Shot-Pass-Dribbling-Position

Beherrscht ein Spieler die Basistechniken des Offensivspiels, kann er die SPD-Position (Shot-Pass-Dribbling) trainieren. Bei der SPD-Position steht der Spieler mit dem Ball in beiden Händen etwa schulterbreit. Beide Knie sind gebeugt und der Ball befindet sich in etwa auf der Höhe des Körperschwerpunkts. Diese Position ermöglicht es, aus der Bewegung direkt zu schießen, zu passen oder zu dribbeln. In die SPD-Position kommt man häufig durch Freilaufen, Passfangen und Drehen zum Korb (Facing: Bild 1) durch den Sternschritt.

Mismatch: Das Aufposten ist eine 1-gegen-1-Technik, durch die ein Größenvorteil ausgespielt werden kann.

Neben dem Facing gibt es im Basketball noch das bereits oben erwähnte Aufposten, ein typisches Angriffsmittel für Center und großgewachsene, kräftige Flügelspieler. Bei dieser Art der Konfrontation des Gegenspielers steht der Offensivspieler korbnah mit dem Rücken zum Gegenspieler und Korb und sollte dem ballführenden Mitspieler ein sicheres Anspiel ermöglichen. Nach einem erfolgreichen Anspiel eines Mitspielers erfolgt ein tiefes Dribbling mit dem Rücken zum Korb, bei dem der Ball mit dem Körper vor dem Verteidiger abgeschirmt wird. Zum Annähern an den Korb versucht der Angreifer den Verteidiger mit dem Rücken und dem Gesäß wegzuschieben. Aus der Bewegung kann dann variantenreich ein typischer Centerwurf durchgeführt werden oder ein Pass zu einem Mitspieler erfolgen.

 

Ein Spieler nutzt seine technischen Fertigkeiten, um seinen Vorteil auszuspielen. Der Angreifer sollte allerdings auch in der Lage sein, Möglichkeiten zu erkennen bzw. die Verteidigung zu lesen. Im Basketball kann eine kleine fehlerhafte Bewegung des Verteidigers oder auch nur ein kurzer Blick zur Seite, den entscheidenden Vorteil für das Angriffsspiel bedeuten. Von daher müssen schnelle Entscheidungen getroffen werden, die mit Antizipation und Erfahrungswerten einhergehen.

 

Glaubwürdige Finten

Einen Fehler des Verteidigers muss der Offensivspieler provozieren. Im 1-gegen-1-Spiel kann der ballführende Spieler Finten einsetzen, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Finten sind vielseitig und können beispielsweise dazu führen, dass der Gegenspieler beim Sprungwurf zu weit entfernt ist oder bei der Penetration hinter sich gelassen wird. Es kann aber auch ein banales Ziel verfolgt werden, z. B. dem Gegenspieler nur ein Foul anzuhängen. Die Voraussetzung für eine erfolgreiche Finte ist die Glaubwürdigkeit der Aktion. Die Finte sollte so durchgeführt werden, dass die angetäuschte Aktion hätte ausgeführt werden können. Auf eine Wurffinte von der Mittellinie wird kein Verteidiger reinfallen. Darüber hinaus sollte eine Finte zum richtigen Zeitpunkt durchgeführt werden. Eine Wurffinte, die eine Penetration zum Korb ermöglichen soll, macht nur Sinn, wenn der Weg zum Korb auch frei ist. Fällt ein Verteidiger auf eine Finte herein, sollte die Zielaktion sofort umgesetzt werden, um dem Gegenspieler die Repositionierung auf die Verteidigungsstelle nicht zu ermöglichen.

 

Methodische Vermittlung zur Verbesserung der 1-gegen-1-Fertigkeiten

Im ersten Schritt sollte ein Basketballer die Automatismen der SPD-Stellung verinnerlichen. Dazu gehört auch ein Freilaufen und Fangen des Balls nach einem Zuspiel des Mitspielers. Die Fertigkeiten müssen automatisiert werden.

Im zweiten Schritt baut man einen passiven Verteidiger ein, der bei der Bewegungsfolge nur sehr leicht stört. Alternativ kann die Komplexität mit einem halbaktiven Gegenspieler gesteigert werden. Der halbaktive Verteidiger muss beispielsweise einen Fuß auf einer Markierung lassen oder einen Arm hinter den Rücken nehmen und soll dann eingeschränkt versuchen, den Angreifer bestmöglich zu verteidigen.

Im dritten Schritt werden im Techniktraining spielnahe Situationen im 2-gegen-2 oder 3-gegen-3 eingebaut, um die Fertigkeiten zu verbessern.

Im Wettkampf muss der Angreifer dann zeigen, dass er sein Werkzeug im 1-gegen-1 beherrscht.

 

Ramy Azrak

 

Literatur:

1. http://www.playbasketball.de/coach/begriffe/SPD.htm

2. Günter Hagedorn/ Dieter Niedlich/ Gerhard J. Schmidt (Hg.): Das Basketball Handbuch (Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH)

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