Ausdauertraining in der Sportart Judo (Teil 3)

Wie trainiert ein Judoka die allgemeine Ausdauer?

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Wie sehen die Ausdauertrainingsformen für Judoka in der Praxis aus?

Im letzten Artikel wurde aufgezeigt, warum, wann und wie ein Judoka Ausdauer trainieren sollte. Es wurden verschiedene Trainingsformen für allgemeine und die spezielle Ausdauer erwähnt. Dieser Artikel befasst sich mit der allgemeinen Ausdauer, wie diese von Judokas trainiert werden sollte.

Die verschiedenen Ausdauerformen und mit welchen Trainingsmitteln diese trainiert werden können in dieser Abbildung noch einmal im Überblick:

 

Allgemeine Ausdauer

Allgemeine Mittel: Laufen, Rudern, Radfahren im aeroben Bereich

AA AS

Allgemeine Ausdauer

Spezielle Mittel: Aerober Judo-Ausdauerzirkel, Dauerrandori

Spezielle Ausdauer

Allgemeine Mittel: Fahrtspiel, Intervalle

SA SS

Spezielle Ausdauer

Spezielle Mittel: Randori, Aufgabenrandori

Held 1996

 

Allgemeine Ausdauer mit allgemeinen Mitteln

Die allgemeine Ausdauer wird gerne mit klassischen zyklischen Sportarten wie Laufen, Rudern, Radfahren, Rudern oder Schwimmen trainiert. Beherrscht man die Technik gut, kann auch die Disziplin Langlauf genutzt werden, um die Grundlagen zu legen. Ist eine Sportart koordinativ zu anspruchsvoll, wird es schwierig sein, in dieser Sportart den Organismus nur aerob belasten zu können. Empfohlen wird die Dauermethode. Der Athlet läuft, schwimmt, radelt oder rudert während 40 Minuten und mehr mit niedriger Intensität, d. h. deutlich unter der aerob-anaeroben Schwelle. Kann ein Athlet nicht auf Laktatwerte eines Ausdauertests zurückgreifen, sollte im Bereich 130-160 (Puls) trainiert werden, abhängig von Trainingszustand und Alter. Während des Trainierens sollte man sich noch unterhalten können.

 

Allgemeine Ausdauer mit speziellen Mitteln

Dauerrandori

Das Dauerrandori ist die ideale Form, judospezifisch die allgemeine Ausdauer zu trainieren. Leider wird diese Form im Judo immer noch zu wenig eingesetzt oder sie lässt sich aus verschiedenen Gründen schwierig im aeroben Bereich durchführen. Die Schwierigkeit besteht darin, dass die Intensität bei einem Randori im Judo einfach meist du hoch ist. Einerseits weil die Partner nicht immer dasselbe Ziel verfolgen oder schon durch einen zu harten Griffkampf ein lockeres Randori unmöglich wird. Und alleine durch das Verlängern der Randorizeit ist das Problem oft nicht gelöst. Die Mentalität in der Trainingsgruppe muss diese Trainingsform zulassen.

Es hilft, wenn den Athleten deutlich gemacht wird, welche Ziele in welcher Phase des Trainings verfolgt werden. Es ist wichtig, Randoris auch locker durchführen zu können, um die Grundlagenausdauer spezifisch trainieren zu können, jedoch auch um neue Techniken anwenden lernen zu können.

Ein Trainer hat aber auch die Möglichkeit, durch Kreativität die Intensität eines Randoris herunterzuschrauben. Eine Variante ist, das Kämpfen unspezifischer zu machen, indem man die Judojacken auszieht und mehr die Richtung Ringen einschlägt.

Eine andere Möglichkeit wäre, die Randoris durch spezifische Aufgabenstellung zu verändern, so dürfen zum Beispiel beide Partner nicht mehr um den Griff kämpfen, nicht mehr Kontern oder aber beide Partner dürfen nur noch Würfe auf ihre schwächere Seite ausführen. Alle Aufgaben haben das Ziel, dass die Randoris weniger intensiv werden und somit ein aerobes Training auf der Matte möglich wird.

 

Aerober Ausdauerzirkel

Eine andere Variante, um die allgemeine Ausdauer judospezifisch zu trainieren, ist ein Judozirkel, der im aeroben Bereich durchgeführt werden sollte.

Hier ein Beispiel (PDF)

 

Natürlich können andere Aufgaben gewählt werden. Bei der Aufgabenstellung muss jedoch darauf geachtet werden, dass die Techniken den Athleten bekannt sind und diese bereits automatisiert sein müssen. Das Ziel der Einheit wird verfehlt und es bringt den ganzen Trainingsbetrieb durcheinander, wenn die Aufgaben nicht optimal gewählt sind.

 

Fazit

In diesem Artikel wird vor allem im letzten Abschnitt, wenn mit speziellen Mitteln trainiert wird, deutlich, wie wichtig es ist, die Trainingsgruppe in die Trainingsplanung mit einzubeziehen und die Ziele eines Trainings den Athleten offenzulegen. So kann eine Einheit am besten gesteuert werden.

Wenn die allgemeine Ausdauer judospezifisch trainiert wird, ist des Weiteren ein guter Trainingspartner von großer Bedeutung. Ein Trainingspartner muss „mitspielen“, locker sein und trotzdem über eine gute Körperspannung verfügen. Er muss im richtigen Moment nachgeben können und immer aktiv bei der Sache sein. Jeder erfahrene Judoka weiß, wie wichtig ein kooperierender Trainingspartner sein kann. In einem Gespräch bestätigte dies auch Olympiasieger und Vizeolympiasieger Ole Bischof: „Das Allerwichtigste für mich ist ein guter Trainingspartner und sein Feedback…!“

 

Karin Ritler Susebeek

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