Training mit dem Handy (Teil 1)

Was leistet eine Trainings-App wirklich?

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Das Smartphone als Personal Trainer - doch sind Trainingsapps wirklich sinnvoll? Wir testen Polar Beat

Viele Sportler nutzen inzwischen Trainings-Apps. Aber kann ein Smartphone wirklich eine professionelle Trainingsuhr ersetzten? Wir haben das für Sie untersucht und einige Apps getestet. In einer losen Serie stellen wir Ihnen die Programme vor, die Ihr Handy zum Personaltrainer erweitern sollen.

Sicher besitzen Sie auch schon eines: ein Smartphone! Während sich noch vor wenigen Jahren MP3-Player-Läufer auf der feierabendlichen Laufrunde mit Musik unterhielten, sieht man heute sehr viele Sportler mit einem Smartphone laufen. Eine Vielzahl von kleinen Programmen helfen, das Training zu überwachen, auszuwerten und sollen so Ihr Training zu unterstützen. Doch was taugen diese Trainings-Apps wirklich? (Lesen Sie auch: Mit der App erfolgreich trainieren!)

  

Neu: Polar Beat

Bereits seit geraumer Zeit finden sich immer mehr Apps, die aus Ihrem Smartphone ein Trainingscomputer machen. Während die ersten Programme häufig allein die gelaufene Wegstrecke und dazu eine Karte anzeigten, indem sie auf die GPS-Module der Telefone zugriffen, erweitern sich die Möglichkeiten zusehends. Die Beat App zeigt während der Belastung den Puls, die aktuelle Laufgeschwindigkeit in Zeit/1000m sowie die zurückgelegte Strecke und auch die Zeit an. Damit hat der Sportler die wichtigsten Informationen auf dem Display.

 

Zubehör - am Puls der Zeit

Die Trainingsapp Polar Beat

Die finnische Firma Polar ist der Inbegriff für die Herzfrequenzmessung während des Sports. Gerade deshalb war es verwunderlich, dass erst 2012 ein Pulsgurt auf dem Markt kam, der via Bluetooth mit dem Handy kommunizieren kann. Um so erfreulicher ist es, dass der Pulsgurt und die App ohne langes Koppeln direkt in Verbindung miteinander stehen und der Puls sofort auf dem Bildschirm des Smartphones auftaucht.

Bei unserem Test handelt es sich um ein iPhone5 der Firma Apple. Da ich auch verschiedene andere Pulsgurte diverser Firmen besitze, fällt sofort auf, dass der neue H7-Gurt aus einem neuen Material gefertigt wird und angenehmer zu tragen ist. Nutzer anderer Geräte der Herstellerfirma können den Gurt auch mit den Radcomputern oder Laufcomputern nutzen, denn er ist mit vielen anderen Geräten kompatibel.

 

Polar App: Einfach starten

Der einfache Aufbau der App überzeugt. Sie starten die App, tragen Ihre Körpergröße, Alter und Gewicht ein und können starten. Der Pulsgurt von Polar verbindet sich direkt mit der App! Sie können also direkt mit dem Training beginnen.

 

Lob: Vernetzt

Die gute Vernetzung der App ermöglicht eine einfache Analyse am Computer 

Ein Smartphone bietet naturgemäß die Möglichkeit, Verbindungen zum Internet herzustellen. Während Sie bei einer klassischen Pulsuhr einen Adapter benötigen, um die Daten nach Ihrem Training auf Ihren Computer zu laden, erledigt das Ihr Smartphone nach dem Training allein. Sie können aus der Polar-App heraus Ihre Trainingsdaten speichern und im Anschluss auch auswerten. Die Auswertungsfunktion umfasst den Verlauf der Herzfrequenz, die Strecke, Distanz und die Geschwindigkeit.

Schön wäre es, wenn Polar eine weitere Vernetzung zwischen dem Online-Speicher und der PC-Software Polartrainer5 hinbekommen würde. Das würde es ermöglichen, Trainingsdaten einer Trainingseinheit umfangreich auszuwerten.

 

Kritik: Handhabung und Trainingszonen

Wie bereits erwähnt werden die aktuellen Informationen zu Ihrem Training auf dem Display angezeigt. Auf dem Display? Genau hier liegt ein großes Problem der aktuellen Apps und eben auch der Beat App von Polar.

Während ich laufe möchte ich gerne Musik hören - das ist der Grund, warum ich mein Smartphone überhaupt durch die Parkanlagen in Frankfurt trage. Viele technikaffine Menschen verwalten Ihre Musik in der Wolke, so dass sie immer und überall zu Verfügung steht. Man kann dann einen Tragegurt verwenden und das Telefon komfortabel als Ersatz für einen MP3-Player am Arm oder am Gürtel tragen.

Neben dem Musikhören interessiert einen Läufer jedoch auch, was er denn gerade macht! Ihre Laufintensität wird über Ihre Geschwindigkeit oder Ihren Puls abgebildet - um diese Informationen auf dem Smartphone sehen zu können, müssen Sie das Telefon in der Hand tragen. Wenn Sie Ihren Blick darauf richten, müssen Sie es zudem entsperren. Das kann während des Laufens in einem Park schon zur Herausforderung werden.

Ambitionierte Läufer sollten deshalb eher auf einen professionellen Laufcomputer in Uhren-Form zurückgreifen. Nur so können Sie während des Trainings einen schnellen Überlick darüber gewinnen, was Sie gerade leisten.

 

Das Trainingszonen-Dilemma

Dubios: Auch die Fettverbrennung wird angezeigt

Wenn die App von Polar wirklich Ihr persönlicher Trainer sein soll, muss sie in Sachen Physiologie noch einmal kräftig lernen! Die Trainingsbereiche sind fest voreingestellte Ableitungen von der maximalen Herzfrequenz. Da die maximale Herzfrequenz jedoch nicht eingegeben werden kann, wird eine fiktive maximale Herzfrequenz errechnet. Die Analyse der Trainingszonen können Sie so getrost vergessen. Leider werden so jedoch gerade unerfahrene Sportler ohne Hintergrundwissen hinters Licht geführt.

Polar geht hier einen Kompromiss ein, um auch unerfahrenen Sportlern Informationen zum Training geben zu können. Individuell treffende Trainingszonen lassen sich jedoch auch bei Sporteinsteigern valide nur über eine Sportdiagnostik bestimmen. Das kann eine Spiroergometrie oder ein Laktatstufentest sein.

 

Wie viel Fett verbrennen Sie?

Ganz dubios sind die Angaben zur Fettverbrennung. Woher die App wissen soll, wie viel Prozent Fett verbrannt wurden, bleibt schleierhaft: Mir scheint dies physiologisch nicht möglich. Diese Informationen können aufgrund des nicht-metabolischen CO2 nicht einmal über eine Spiroergometrie bestimmt werden. Je nach Trainingszustand und Ernährungssituation können bei einer bestimmten Herzfrequenz Fett oder Kohlenhydrate verbrannt werden. Die Darstellung der App ist hier irreführend.

 

Für wen lohnt sich die App?

Wenn Sie einige Basisinformationen zu Ihrem Training haben möchten und ohnehin mit einem Smartphone laufen, ist die App von Polar absolut empfehlenswert! Die einfache Verbindung zum hauseigenen Pulsgurt überzeugt.

Alle anderen Läufer sollten eher auf eine Pulsuhr vertrauen. Je nach Modell können Sie hier Ihren Bedarf genau einordnen. Der schnelle Blick auf das Handgelenk ist einfacher - und das Laufen sollte im Training im Vordergrund stehen. Derzeit gibt es meiner Meinung nach keine App, die Ihnen das Training wirklich erleichtert.

 

Dennis Sandig

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