Warum Lehrer Ihre Kinder falsch einschätzen!

Der Cooper-Test kritisch betrachtet

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Wie gut eignet sich der Cooper-Test wirklich zum Messen der Ausdauerleistung?

Der Cooper-Test ist ein sehr beliebter Test, wenn es darum geht, die Ausdauerleistungsfähigkeit abzuschätzen. Beliebt ist er, weil keinerlei physiologische Parameter erfasst werden müssen, sondern allein die Laufleistung in einer festgelegten Zeit erfasst wird.

Bei anderen Verfahren mit dem Ziel die Ausdauerleistungsfähigkeit abschätzen zu können, wird entweder über das Blut die Laktatkonzentration oder sogar mit Hilfe komplexer Messtechnik die Sauerstoffaufnahme gemessen. Beim Cooper-Test hingegen muss nicht einmal Ihre Herzfrequenz im Ausdauertraining gemessen werden.

 

Von der Schule bis zur Bundeswehr: Ein fraglicher doch weit verbreiteter Test

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Der Cooper-Test wird oftmals eingesetzt, um eine grobe Abschätzung der Ausdauer darstellen zu können. Beispielsweise geht man davon aus, dass Bewerber bei der Bundeswehr oder der Polizei ein Mindestmaß an körperlicher Leistungsfähigkeit mitbringen müssen. Neben diversen Tests, bei denen Kraft und Koordination dargestellt werden, kommt hier auch der Cooper-Test zur Anwendung. Auch angehende Sportstudierende müssen je nach Aufnahmebedingungen der Universität einen Cooper-Test absolvieren. In der Schule ist der Cooper-Test ein beliebter Test, der nicht nur die Ausdauer der Schüler und Schülerinnen abbilden soll, sondern sogar teilweise nach wie vor zur Notenbildung herangezogen wird.

Männlich

11 J.

12 J.

13 J.

14 J.

15 J.

16 J.

17 J.

18 J.

ausgezeichnet

2800

2850

2900

2950

3000

3050

3100

3150

sehr gut

2600

2650

2700

2750

2800

2850

2900

2950

gut

2200

2250

2300

2350

2400

2450

2500

2550

befriedigend

1800

1850

1900

1950

2000

2050

2100

2150

ausreichend

1500

1550

1600

1650

1700

1750

1800

1850

mangelhaft

1200

1250

1300

1350

1400

1450

1500

1550

Tab.1: Zurückzulegende Distanz in 12 Minuten für Jungen

 

Weiblich

11 J.

12 J.

13 J.

14 J.

15 J.

16 J.

17 J.

18 J.

ausgezeichnet

2500

2550

2600

2650

2700

2750

2800

2850

sehr gut

2300

2350

2400

2450

2500

2550

2600

2650

gut

1900

1950

2000

2050

2100

2150

2200

2250

befriedigend

1500

1550

1600

1650

1700

1750

1800

1850

ausreichend

1200

1250

1300

1350

1400

1450

1500

1550

mangelhaft

900

950

1000

1050

1100

1150

1200

1250

Tab.2: Zurückzulegende Distanz in 12 Minuten für Mädchen

 

Aussage zur Ausdauer: magelhaft!

Leider wird nach wie vor angegeben, dass der Cooper-Test Aussagen zur Ausdauerleistungsfähigkeit zulasse. Eingangs dieses Artikels wurde diese Formulierung aufgegriffen, um Ihnen als Leser einen ersten Einstieg in das Thema zu ermöglichen. Wenn Sie über Grundkenntnisse in Physiologie verfügen, werden Sie sicher schon dem Grundproblem des Cooper-Tests auf die Schliche gekommen sein: Menschliches Leisten ist sehr komplex! Gerade im Kindes- und Jugendalter, aber auch bei Erwachsenen, gibt es viele verschiedenen Formen der „Leistungsfähigkeit“, bei denen jeweils aufgabenspezifische Muster erkennbar sind. Dieser Argumentation folgend wird klar, dass es eine testbare Ausdauerleistungsfähigkeit gar nicht geben kann!

So fasst der Cooper-Tests einfach verschiedene Einflussgrößen zusammen, ohne diese differenziert betrachten zu können. Aus leistungsphysiologischer Sicht muss festgehalten werden, dass der Cooper keineswegs die „allgemeine Ausdauer“ einzuschätzen hilft. Leider ist diese Annahme gerade unter Lehrern noch weit verbreitet und wird sogar in der Internet-Enzyklopädie Wikipedia fälschlicherweise so beschrieben (Stand 19.10.2012).

 

Was sagt der Cooper-Test wirklich aus?

Die Leistung beim Cooper-Test beruht letztendlich auf 4 verschiedenen Kategorien:

1. Metabolismus

2. Lauftechnik

3. Motivation

4. Taktik/Einteilen der Strecke

 

Wird das Testergebnis nun allein auf den Metabolismus übertragen, fallen weitere Subkategorien an. Einflussgrößen auf das Testergebnis sind hier der Muskelstoffwechsel, die Sauerstoffaufnahme und die damit verbundenen Kenngrößen rund um die kardiopulmonale Leistungsfähigkeit.

 

Die Ausdauer ist komplexer!

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Für das Ergebnis bei einem derart einfachen Test wie dem Cooper-Test ist schon allein die Frage, ob mit oder ohne Ansage der Zwischenzeiten gelaufen wird, von großer Bedeutung. Diese Information ermöglicht das Einteilen beim Laufen und bietet verschiedene taktische Möglichkeiten. Auch wenn Autoren mitunter breite Literaturangaben zur Validität des Testes anführen, sind diese keineswegs als „objektive“ Grundlage für den Cooper-Test zu verstehen. "Ausdauer" ist allein eine recht abstrakte Größe für das Einteilen motorischer Eigenschaften, wie es auch die Begriffe „Kraft“ oder „Koordination“ sind. Sie beschreiben so Grundeigenschaften. Die Ausdauerleistungsfähigkeit ist jedoch keine konkrete Größe, die unabhängig von ihrer testspezifischen Ausprägung messbar wäre. Physiologisch gesehen sind für das Beurteilen der Ausdauer Messungen hinsichtlich der Sauerstoffaufnahme oder der Laktatkinetik möglich - aber selbst diese sportwissenschaftlichen Testverfahren liefern allein testspezifische Hinweise. Ein Schwimmer wird beim Laktattest im Laufen wahrscheinlich schlechter abschneiden als ein Fußballer.(Vorsicht bei der Leistungsdiagnostik: Über Spiroergometrie und den Respiratorischen Quotienten)

Ausdauer oder Taktik

Bezogen auf die Schule geht es also keineswegs darum, die Ausdauer zu messen. Lehrer, die dies vorgeben, sitzen einem großen Irrtum auf. Beispielsweise könnte der Cooper-Test so auch als Test für die Intelligenz eines Schülers gelten. Steht er ohnehin auf einer guten Note im Sportunterricht, müsste er sich die Strecke einfach so einteilen, dass er nicht von dieser Note abrutscht.

Andererseits könnte auch einfach die Fähigkeit gemessen werden, sich die 12 Minuten gut einzuteilen. Wer beim Cooper-Test am Anfang überzieht, wird am Ende nur noch gehen können und ein schlechtes Testergebnis erzielen.

Letztendlich muss festgehalten werden, dass das Abschneiden bei einem Cooper-Test keineswegs Aussagen über die Ausdauerleistungsfähigkeit zulässt. Dieser Test misst allein die Fähigkeit, innnerhalb von 12 Minuten eine möglichst große Strecke zurückzulegen. Dies mit Ausdauerleistungsfähigkeit gleichzusetzen, zeugt von einer geringen Auffassung der Komplexität menschlichen Leistens!

 

Dennis Sandig

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