Schule

Aufwärmen im Sportunterricht

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Stupides Einlaufen als Aufwärmtraining ist auch im Sportunterricht kein adäquates Mittel.

Das Zirkeltraining: Ein alternatives Aufwärmkonzept anstelle von Spielen und Einlaufen für die modernen Sportstunden.

Nicht nur in deutschen Fitnessstudios, auch in den Turnhallen des Landes wird stupides Einlaufen nicht mehr als zeitgemäß betrachtet. Abgesehen davon sinkt die Motivation der Minderjährigen beim Klang des Wortes „Laufen“ unter Hallenboden-Niveau. Lange Zeit galten Spiele in Hülle und Fülle als einziges Mittel den Stundeneinstieg zu gestalten (Aufwärmen mit Kindern – Fangspiele).

Leider stoßen Fang- und Ballspiele aber immer wieder an ihre Grenzen, was das sportwissenschaftliche Grundverständnis eines guten Aufwärmprogramms angeht. Entweder werden nicht alle Teilnehmer gleichmäßig einbezogen oder die Belastung kann nicht sinnvoll dosiert werden. Folglich sind die Kinder am Ende des Aufwärmens nicht warm oder sie haben diese Phase direkt übersprungen und befinden sich in einem intensiven Trainingsmoment – von Verletzungsprophylaxe fehlt somit jede Spur.

 

Das kann ein Aufwärmtraining

Vielleicht sollte man sich an dieser Stelle noch einmal kurz die wichtigsten Eigenschaften eines Aufwärmtrainings vor Augen halten:

- Es fördert die Konzentration und bereitet den Geist auf die Belastung vor

- Die Sauerstoffausnutzung verdreifacht sich

- Die Durchblutung der Muskulatur vervierfacht sich

- Gelenkschmiere wird verstärkt gebildet und schützt vor Verletzungen

- Die Kontraktions- und Dehnfähigkeit der Muskeln steigen

- Die Koordination verbessert sich

- Die Stoffwechselrate steigt mit jedem Grad C° Körpertemperatur an

 

Diese Anforderungen sind generationsübergreifend, sprich für Kinder und Erwachsene jedes Alters, grundlegend.

Bis hierhin wurde nur über allgemeines Aufwärmen gesprochen. Hinzu kommt natürlich noch das zielgerichtete, je nach Unterrichtsinhalt. Hier setzt Geräteturnen ein anderes spezifisches Aufwärmen voraus als eine Stunde zum Thema Basketball. Um Spaß und Interesse der Kinder nicht zu kurz kommen zu lassen, fügen wir unserem Stundeneinstieg also noch einen leichten Wettkampfcharakter hinzu. Der vereinfachte Aufbau sieht bis dahin wie folgt aus:

- Einführung in Thema und Ablauf der Unterrichtsstunde (5-10 Minuten)

- Allgemeines Aufwärmen (10 Minuten)

- Spezifisches Aufwärmen (5-10 Minuten abhängig von der Sportart)

 

Bis zu 30 Minuten des Sportunterrichts sind jetzt also bereits verplant. Gehen wir davon aus, dass exklusive Umziehen und Weg zur Sportstätte maximal 70 Minuten für eine normale Doppelstunde zur Verfügung stehen und unser Bestreben ist, die Stunde auch am Ende locker ausklingen zu lassen, so heißt das unter dem Strich, dass gerade einmal 30 Minuten für die eigentliche Zielsportart bleiben. Produktivität sieht anders aus.

 

Der Zirkel als Lösung

Die einzige logische und übrigbleibende Möglichkeit, sofern keiner der oben genannten Punkte weggelassen werden soll, was nicht unser Ziel sein kann, besteht also in der Kombination. Anstelle der Teilung tritt ein Zirkel, der auf das Stundenkonzept angepasst werden kann und muss. Stationen sollten je nach Klassenstärke in 2- bis 4-facher Ausführung vorhanden sein. Mittels variierbarer Regeln die Durchführung betreffend, können der Schwierigkeitsgrad und die Intensität kontrolliert werden. Dies stellt zwar etwas mehr Arbeit bei der Vorbereitung dar, hat aber den großen Vorteil, dass Stationen und Übungen auch den vorhandenen Materialien angepasst werden können. Denn leider ist die traurige Realität, dass kaum noch eine Schule über die Mittel und Ausstattung verfügt, welche die meisten Lehrbücher für den geschilderten Ideenreichtum voraussetzen.

 

Eine Beispielstunde

Konzipieren wir eine Beispielstunde zum Thema Geräteturnen: Bockspringen und Barren. Neben dem allgemeinen Aufwärmen, wird vor allem die Bein- und Armkraft gebraucht, sowie Grundübungen zur Körperspannung, Schwungbewegungen und Koordination.

Unser Zirkel für 20 Kinder besteht aus 5 Stationen in 4-facher Ausfertigung.

Wir teilen die Klasse in 5er Gruppen, Jungen und Mädchen gemischt, mit etwa gleichstarken Kindern pro Team. Um die Intensität zu dosieren, wechseln wir zwischen Zeit- und Wiederholungszielen ab. Jeder Schüler soll insgesamt 3 Runden absolvieren.

 

1. Runde

Die Kinder verteilen sich an die Stationen, jede Station soll 1 Minute in einem ruhigen Thema ausgeführt werden. Nach dem Kommando „Wechsel“ rotieren die SuS im Uhrzeigersinn, wobei sie zur Fortbewegung auf allen Vieren bleiben müssen.

(→ langsamer, ruhiger Einstieg ohne Wettkampfgedanke)

 

2. Runde

An jeder Station sollen in 1 Minute so viele Wiederholungen wie möglich durchgeführt werden. Jeder SuS führt ein eigenes Protokoll (schriftlich). Es können Einzelsieger pro Übung und ein Gesamtsieger (Gruppe/Einzel) am Ende ausgerechnet werden.

(→ Intensität steigt nach eigenem Ermessen, leichter Wettkampfcharakter ohne direkten Vergleich)

 

3. Runde

Die Teams stehen nebeneinander in einer Reihe und laufen auf der Stelle. Auf ein Startsignal beginnt der Erste und muss 20 Wiederholungen der 1. Übungen ausführen. Sobald er Station 2 erreicht hat, darf der nächste im Team starten. Am Ende reiht sich der Starter wieder ein und läuft auf der Stelle. Gewonnen hat das Team, welches zuerst wieder vollständig in einer Reihe steht.

 

In den Pausen oder an den einzelnen Stationen kann die Einführung in das Thema erfolgen und gleichzeitig theoretisches Wissen vermittelt werden, warum Aufwärmen oder eine spezielle Übung für den weiteren Ablauf wichtig sind.

 

Es fehlt nur noch die Auswahl der Übungen. Wir erinnern uns, dass die Muskeln der Arme und Beine aktiviert werden sollen und Körperspannung für den Barren-Aufschwung ebenso wie Koordination für die weitere Stunde gebraucht wird. Ein Zirkel könnte dann wie folgt aussehen:

1. Über eine Bank springen und anschließend drunter durchkriechen

2. Seilspringen

3. Aus der Bauchlage Liegestütz ins seitliche Kreuz

4. Alternierend gesprungene Ausfallschritte

5. Medizinball aufheben, werfen und fangen

 

Probieren Sie es einmal aus, die Arbeit lohnt sich!

 

Marcel Kremer

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