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Darf ich mit Asthma im Winter Sport machen?

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Darf ich trotz einer Atemwegserkrankung wie Asthma auch im Winter draußen Sport treiben?

Kalte Luft belastet die Atemwege. Daher verzichten einige Asthmatiker lieber darauf, im Winter Sport zu treiben. Doch eigentlich gibt es kaum einen Grund, warum Menschen mit Atemwegsproblemen im Winter nicht trainieren sollten.

Auch Asthmatiker können im Winter Sport treiben

Es kommt, wie so oft, nur darauf an, wie sie trainieren. „Der Winter hat für allergische Asthmatiker sogar einen großen Vorteil“, sagt Mahesh Arenja, Facharzt für Innere Medizin am Bonner Johanniter-Krankenhaus. „Denn die Belastung für die Atemwege durch herumfliegende Pollen ist deutlich geringer als im Frühling oder im Sommer.“ Auch wenn durch den Klimawandel die Belastung im Winter mittlerweile etwas größer geworden ist und der Pollenflug früher einsetzt, können allergische Asthmatiker im Winter oft besser durchatmen.

Allerdings kann vor allem große Kälte die Atemwege belasten und Ausdauertraining im Freien kann für Asthmatiker daher problematisch werden. Je höher die Intensität, desto größer die Belastung für die Atemwege, da die Schleimhäute durch die kalte Luft gereizt werden. Dennoch können auch Asthma-Patienten vom Sport an der frischen Luft profitieren. Es ist daher eine Gratwanderung und bei jedem Outdoor-Training ist Vorsicht geboten.

 

Die Vorteile von Sport

Grundsätzlich kann Sport Asthma verbessern“, sagt Arenja. „So kann gemäßigter Ausdauersport die Häufigkeit und Intensität von Asthma-Anfällen verringern. Insofern gehört kontrollierte, regelmäßige Bewegung bei Asthmapatienten zur Therapie dazu.“ Entscheidend ist, Anstrengungs- oder Belastungsasthma zu vermeiden, indem man die Intensität verringert. Leider kann man hier keinen allgemeinen Ratschlag geben, wie hoch die Intensität sein kann, da jeder Mensch einen unterschiedlichen Trainingszustand hat.(Sie brauchen ein Kontrollinstrument? Denn lesen Sie auch: Richtig trainieren mit der Pulsuhr) Daher muss man in sich hineinhören, wie viel man sich zumuten kann. Nach und nach kann man dann die Intensität steigern. „Wichtig ist hierbei noch, bei jeder Einheit langsam anzufangen und sich erst aufzuwärmen," sagt Arenja. „Bei ersten Anzeichen von Atemproblemen sollte man dann eine Pause machen oder das Training ganz abbrechen.“ Zudem sollten Asthmatiker immer ihre Medikamente dabei haben, um für den Notfall gewappnet zu sein.

Auch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in Köln weist darauf hin, dass Asthmatiker im Winter Sport treiben können, sofern sie entsprechende Umsicht walten lassen. Kalte und trockene Luft belastet zusätzlich die Atemwege, die bei Asthmatikern ohnehin strapaziert sind. Daher sollte man die Intensität im Vergleich zum Sport im Sommer lieber etwas reduzieren. Aufpassen müssen Asthmatiker vor Anstrengungsasthma. Dieses setzt in der Regel 5-10 Minuten nach der sportlichen Betätigung ein. Ursachen hierfür sind entweder eine zu starke Belastung oder eine ungenügende Kontrolle der Krankheit. In der Regel verschwindet das Anstrengungsasthma nach 30-45 Minuten wieder. Dennoch ist dies ein dringendes Warnzeichen, dass man sich im Training übernommen hat und besser mit seinem Arzt darüber sprechen sollte, wie man diese Anfälle in Zukunft vermeiden kann.

 

Was Asthma auslöst

„Alleine die Kälte im Winter kann aber auch einen Asthmaanfall auslösen“, sagt Arenja. „Hier spricht man vom kälteinduzierten Asthma. Allerdings tritt dieser Fall nur sehr selten auf. In der Regel liegt auch beim kälteinduziertem Asthma eine andere Form wie allergisches Asthma, Belastungsasthma oder eine Medikamentenallergie zugrunde.“ Daher leiden viele Wintersportler bereits unter einer bronchialen Überempfindlichkeit oder zeigen Asthma-Symptome, da sie häufig der kalten Luft ausgesetzt sind. Leidet man bereits unter einer Form der Atemwegserkrankung, kann die kalte, trockene Luft die Atemwege so reizen, dass ein Anfall ausgelöst wird.

 

Den Sport planen

„Grundsätzlich ist es für Asthmatiker wichtig, mit ihrem Arzt über ihre Sportpläne zu sprechen“, sagt auch der Facharzt. „Dieser kann einem beispielsweise Medikamente verschreiben, die man schon vor dem Sport einnehmen kann, um erst gar keine Probleme mit der Atmung zu bekommen.“ Problematisch ist es vor allem, wenn der Betroffene erkältet ist. Hier sind die Schleimhäute zusätzlich belastet und die Atmung fällt oft schwer. Zudem ist das Immunsystem geschwächt. Daher ist es meist besser, die Erkältung auszukurieren, bevor man wieder an Sport denkt.

 

Tipps für ein Wintertraining mit Asthma

Um trotz Asthma auch im Winter trainieren zu können, gibt es für den Alltag und beim Sport selber einige Tipps, mit denen man verhindern kann, dass die Atemwege zu stark gereizt werden:

- Atemwege schonen (nicht rauchen)

- Auf ausreichende Luftfeuchtigkeit achten, trockene Heizungsluft befeuchten

- Ausreichend trinken, um die Schleimhäute feucht zu halten

- Viel Schlafen, um das Immunsystem zu stärken

- Kein Sport bei Grippe oder Erkältung

- Auf die richtige Kleidung achten

- Durch die Nase atmen, um die Luft besser zu erwärmen

- Evtl. Atemwege durch ein Tuch oder einen Schal abdecken

- Regelmäßig trainieren, um die Lungenfunktion zu stärken

- Intensität anpassen

- Sportpläne und auftretende Probleme mit dem Arzt absprechen

- Pausen einlegen, um die Belastung zu reduzieren

- Kein Sport bei Temperaturen ab 10 Grad unter 0

 

Wenn man diese Tipps für die Gesundheit beherzigt, gibt es auch für Asthmatiker eigentlich keinen Grund, warum sie nicht im Winter trainieren dürfen.

 

Christian Riedel

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