Waffentechnik im Fechten (Teil 3)

Angriff und Verteidigung - Cavation/Bindungen und Wechselbindungen

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Über die Cavation und Bindungen im Fechtsport

In der Artikelreihe „Waffentechnik: Angriff und Verteidigung“ wurden bisher die unterschiedlichen Positionen, der gerade Stoß, die Parade und Reposte erläutert, die es im Fechtsport gibt. In dem folgenden Artikel soll die Cavation beschrieben und exemplarische Übungen dargestellt werden.

In dem folgenden Artikel sollen die Cavation beschrieben und exemplarische Übungen dargestellt werden, die der Schüler zu Beginn im Techniktraining erlernen muss, um die bisherigen erlernten Aktionen in Verbindung zu bringen und wesentliche Aktionen, wie z. B. direkte Angriffe, Umgehungsantwortangriffe oder auch Beseitungsantwortangriffe (gerader Stoß, Umgehung, Gleitstoß, Parade, Riposte), im Gefecht umzusetzen.

Zu den einfachen Aktionen im Fechten zählen der gerade Stoß, die Cavation (Umgehung), der Gleitstoß (Filo), Klingenangriffe und der Klingenschlag (Badutta). Der Stoß wurde zu Beginn beschrieben. Es sei noch mal erwähnt, dass der Stoß in der Regel mit der Beinbewegung „Ausfall“ kombiniert wird und die Armstreckung (Linie) vor der Beinbewegung erfolgt.

 

Cavation

Die Cavation ist eine Umgehung der gegnerischen Glocke, dient als indirekter Angriff in einer Bewegung und findet Anwendung, wenn der Gegner die Klinge bindet oder berührt. Abhängig davon, ob die gegnerische Klinge um die Glocke oder die Spitze umgangen wird, wird von einer Cavation oder einem Coupé gesprochen.(2) Der Umgehungsangriff folgt nach einer erfolgreichen Verteidigungshandlung.(3) Renzo Nostini sieht die Cavation als Abwehraktion, „welche zur Befreiung aus einer gegnerische Bindung dient.“ Allgemein gilt, dass die Umgehung auf allen vier Linien gerichtet werden kann (Siehe Abb., Teil 1).

Fortgeschrittene Fechter können mithilfe von Bindungen den Gegner zu einer Cavation einladen. Als Beispiele seien hier die Seconbindung und Terzbindung in der vierten Faustlage oder auch die Quartbindung genannt.

Wichtig bei der Bindung ist das Abdrängen der gegnerische Klinge aus der Angriffslinie. Es wird hier auch von Klingenangriffen gesprochen, d. h. die Bewegung des Gegners wird abgelenkt. Nicht nur die Bindungsangriffe gehören zu den Klingenangriffen, sondern auch Wechselbindungen, Übertragungen, Kreisbindungen oder auch Battutangriffe, die im Folgenden und im weiteren Teil erläutert werden.

 

Wechselbindungen 

Unter Wechselbindung wird der Übergang von einer Bindung in eine andere verstanden, wie z. B. von einer Quartbindung zur Terzbindung oder umgekehrt.(1) Dabei beschreibt die Klingenspitze einen Kreisbogen unterhalb der gegnerischen Klinge. Wird die Bindung in einer weiten oder auch mittleren Mensur ausgeführt, muss der starke Teil der eigenen Klinge den schwächeren Teil der gegnerischen Klinge berühren.

Wird die einfache Wechselbindung beherrscht, kann die doppelte Wechselbindung erlernt werden. In jeder dieser Bindungen muss die Klinge gebunden sein. Meist wird die Bindung in Kombination mit dem Filo beigebracht, dabei muss der Fechter darauf achten, dass bei einer einfachen Wechselbindung und der anschließenden Ausübung des Filos der Angriff in der entgegengesetzten Linie der ursprünglcihen Bindung endet.(4)

 

Übung Schüler 1 bzw. Trainer Schüler 2
Bindung & Cavation

a) lädt zu Terz ein

 

c) macht eine Terzbindung

 

e) erhält Treffer

 

b) gerader Stoß zur inneren oberen Linie

 

d) Cavation zur inneren oberen Linie

Tab.1: Übungsbeispiel für Bindung und Cavation

 

Allgemein gilt, dass die Bewegung der Fechthand immer der Beinbewegung vorausgeht!

 

Dr. Caroline Trautmann

 

Quellenangaben:

1. Nostini, R. (1994), Die Kunst des Florettfechtens, Verlag Weinmann: Berlin

2. http://www.tsv-leinfelden.de/fechten/angriff.html

3. Barth, B., Beck, E. (2000), Fechttraining, Meyer & Meyer: Aachen

4. Gaugler, W. (2004), Fechten für Anfänger und Fortgeschrittene, Nymphenburger: München

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