7 Fragen an Bahnradsprinter Maximilian Levy

"Den WM-Titel im Team verteidigen und Gold im Einzel"

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Maximilian Levy ist der deutsche Top-Sprinter.

Morgen beginnen in Cali (Kolumbien) die Weltmeisterschaften der Bahnradfaher. Wir haben vor Beginn der Titelkämpfe mit dem deutschen Top-Sprinter Maximilian Levy gesprochen. Er spricht über sein Training und erzählt warum die Deutschen bei  Ernährung und Mentaltraining noch Nachholbedarf haben.

trainingsworld.com: Was sind Ihre Ziele für die aktuelle Saison? Was sind Ihre Saisonhöhepunkte? 

Maximilian Levy: Mein Höhepunkt sind die Weltmeisterschaften in Kolumbien. Wir wollen den Titel im Teamsprint verteidigen. Nach zwei 2.Plätzen im Einzel möchte da zudem Gold gewinnen. Dem gilt meine volle Konzentration.

trainingsworld.com: Wie periodisieren Sie Ihr Training in dieser Wettkampfsaison? Wie genau planen Sie Ihre Vorbereitung? 

Maximilian Levy: Wir haben mehrere Saisonhöhepunkte, wobei sich eine WM-Saison von einer Olympiasaison unterscheidet. Die WM ist immer im Winter, während die Olympischen Spiele im Sommer stattfinden. Grundsätzlich gibt es aber eine klare Periodisierung. In einer „normalen“ Saison beginnen wir im März/April mit dem Kraftaufbau und anschließend dem Form-Aufbau. Im Sommer ist dann die Deutsche Meisterschaft der Höhepunkt, da dies auch die Qualifikation für die EM im Oktober ist. Als Europameister hat man dann einen automatischen Startplatz bei der WM, ansonsten muss man sich über einen der drei Weltcups im November, Dezember oder Januar qualifizieren. Man versucht, die Form nach der EM zu halten, wobei es nahezu unmöglich ist, dies bis zum dritten Weltcup zu schaffen. Ab Januar beginnt dann die Vorbereitung auf die WM.

Krafttraining bis 3 Wochen vor dem Wettkampf

trainingsworld.com:Unsere Sportler interessiert natürlich besonders wie eine exemplarische Trainingswoche in der Vorbereitung aussieht. 

Maximilian Levy: Die unterschiedlichen Phasen haben natürlich unterschiedlich Schwerpunkte. In der Hauptphase haben wir schon 11 bis 12 Einheiten pro Woche. Davon sind ca. zwei Einheiten Krafttraining, meistens morgens. An den Tagen trainieren wir dann nachmittags kurze Sprints, Startübungen und Antritte. Quasi als Training für Technik und Kraft auf dem Rad. Dann absolvieren wir natürlich Sprintdistanzen und Athletiktraining für den Oberkörper. Dazu absolvieren wir längere Ausfahrten, u.a. für die Kondition.

trainingsworld.com:Worauf legen Sie in den letzten Wochen der Wettkampfvorbereitung besonderen Wert? Rücken bestimmte Aspekte noch einmal in den Mittelpunkt? 

Maximilian Levy:Das ist bei jedem Athleten unterschiedlich. Ich höre zum Beispiel ca. 3 Wochen vor dem Wettkampf mit dem Krafttraining auf, während andere Athleten zwei Tage vorher noch einmal Kraft trainieren. Ich habe im meinem Alter aber auch schon eine gewisse Erfahrung und weiß was mir gut tut und was nicht. Oft sind wir aber auch mit dem ganzen Team unterwegs und da ist es schwer, dass jeder sein eigenes Ding macht. Gerade im Teamsprint ist es aber auch wichtig, dass wir an der Homogenität arbeiten und die Abstimmung perfektionieren.

trainingsworld.com:Führen Sie bestimmte regenerative Einheiten oder Ausgleichssport durch, um ggf Verletzungsrisiken zu minimieren? 

Maximilian Levy:Die längeren Ausfahrten trainieren zum einen die Kondition, zum anderen dienen sie auch der Regeneration. Darüber hinaus bekommen wir Massagen und Physiotherapie. Ich versuche zudem noch regelmäßig Yoga zu machen. Darüber hinaus arbeite ich immer öfter mit der Blackroll. Das kann man nach Krafteinheiten oder am Ende des Tages gut für sich alleine machen.

Manches ist in Deutschland noch unprofessionell

trainingsworld.com: Worauf achten Sie generell bei der Ernährung während des Trainings und des Wettkampfes? Haben Sie mit Blick auf den Wettkampf noch einen gesonderten Ernährungsplan? 

Maximilian Levy: Ich mache mir in der Regel mein eigenes Frühstück und dann muss man oft schauen, was kommt. Leider sind wir da in Deutschland noch recht unprofessionell. Das Thema wird etwas vernachlässigt. Wir haben keinen eigenen Koch oder Ernährungsexperten und sind auf die Hotelverpflegung angewiesen. Das ist natürlich nicht immer ideal. Als Sprinter habe ich das Glück, dass wir auch immer mit Masse arbeiten. Ausdauerathleten haben es da deutlich schwerer.

trainingsworld.com: Wie entscheidend ist im Wettkampf und in der Wettkampfvorbereitung die Psyche bzw. das Wohlfühlen? Welche Techniken haben Sie, um sich bei einem „Motivationsloch“ zu motivieren? 

Maximilian Levy:Grundsätzlich wird das Thema in Deutschland noch etwas vernachlässigt, bzw. findet nicht statt. Das ist natürlich ein Nachteil anderen Nationen gegenüber, die Ansprechpartner hierfür haben. Die Psyche ist gerade im Sprint sehr wichtig. Ich habe auch schon einmal mit einem Psychologen zusammengearbeitet und mache autogenes Training. Allerdings ist das immer noch ein schwieriges Feld, da viele Leute denken, dass man unsicher ist, wenn man zum Psychologen geht. Dabei geht es eher darum, die letzten Prozente rauszukitzeln. Ich habe ein paar kleine Rituale, die ich mit meinen Zimmerkollegen vor Wettkämpfen durchführe. Aber die gibt es wohl immer.

 

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