7 Fragen an Verena Sailer, Sprinterin

"Im Sprint ist die mentale Komponente ausschlaggebend"

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Verena Sailer, Deutschland derzeit schnellste Sprinterin.

In unserer "Serie 7 Fragen an ..." stellt sich diese mal die deutsche Top-Sprinterin Verena Sailer. Sie spricht unter anderem über Ihre Ziele für das Jahr 2015, Ihr Training und die richtige Regeneration.

trainingsworld.com: Was sind Ihre Ziele für das Jahr 2015 bzw die kommmende Saison? 

Verena Sailer: Meine Ziele für das neue Jahr sind vor allem gesund die Vorbereitung zu überstehen, gut zu trainieren um dann meine Bestzeit angreifen zu können. Im letzten Jahr sind mir Lockerheit und Spaß etwas abhanden gekommen. Das möchte ich 2015 zurückgewinnen um die Saison auch genießen zu können.

Im Training das richtige Verhältnis zwischen Umfang und Intensität finden

trainingsworld.com: Wie periodisieren Sie Ihr Training in dieser Wettkampfsaison? Wie genau planen Sie Ihre Vorbereitung? 

Verena Sailer: Zu Beginn der Vorbereitung im Oktober werden Grundlagen im Bereich Kraft und Sprintausdauer gelegt. Je näher die Saison rückt, desto mehr verändert sich das Training in Richtung Schnelligkeit, sowohl im Lauf- wie auch im Kraftbereich. In meinem Alter ist es nun wichtig das richtige Verhältnis zwischen Umfang und Intensität zu finden. D.h. die Belastung setzt sich aus hoher Intensität bei ausreichendem Umfang zusammen. Diese Umfänge müssen nicht mehr das Ausmaß der letzten Jahre haben um die Leistung zu verbessern. Damit die Form wie auch die Spritzigkeit entwickelt werden können, wird die Belastung während der Wettkampfsaison heruntergefahren.

trainingsworld.com: Unsere Sportler interessiert natürlich besonders wie eine exemplarische Trainingswoche in der Vorbereitung aussieht.  

Verena Sailer: Meine Trainingswoche setzt sich aus drei Einheiten Schnelligkeitstraining, einem Starttraining sowie vier Einheiten allgemeinem bzw. spezifischem Krafttraining zusammen. Augenmerk wird stets auf die Technik gelegt.

Ohne Physiotherapie wäre Sport auf diese Weise nicht möglich

trainingsworld.com: Worauf legen Sie in den letzten Wochen der Wettkampfvorbereitung besonderen Wert? Rücken bestimmte Aspekte noch einmal in den Mittelpunkt? 

Verena Sailer: In den letzten Wochen vor Saisonbeginn ist vor allem die Technik zu beachten, da zu diesem Zeitpunkt die Grundlagen gelegt wurden und der Feinschliff beginnt. Wichtig wird dann auch, sich mental auf die bevorstehenden Wettkämpfe einzustellen. Diese Trainingsphase mag ich eigentlich ziemlich gerne, da die Umfänge reduziert werden und die Zeit bis zum Saisonbeginn recht absehbar ist.

trainingsworld.com: Führen Sie bestimmte regenerative Einheiten oder Ausgleichssport durch, um ggf Verletzungsrisiken zu minimieren? 

Verena Sailer: Um eine möglichst gute Regeneration zu erreichen achte ich sehr auf meine Ernährung sowie genügend Ruhe zu bekommen. Genauso wichtig ist die physiotherapeutische Betreuung, auf die ich sehr großen Wert lege. Ohne meine Physiotherapeutin könnte ich den Sport nicht auf diese Weise betreiben. Sie betreut mich schon seit 13 Jahren und weiß genauestens was in welchem Moment zu tun ist. Das ist für mich die wichtigste Verletzungspropyhlaxe.

Spielt der kopf nicht mit, kann das die Trainingsarbeit zerstören

trainingsworld.com: Worauf achten Sie generell bei der Ernährung während des Trainings und des Wettkampfes? Haben Sie mit Blick auf den Wettkampf noch einen gesonderten Ernährungsplan?

Verena Sailer: Prinzipiell achte ich darauf um die Trainingseinheiten herum meinem Körper genügend Nährstoffe zu zuführen. Spezielle Kohlenhydrate und Eiweiß. Je näher die Wettkampfsaison rückt, desto mehr achte ich auch auf mein Gewicht und verzichte abends auf Kohlenhydrate. Kurz vor dem Wettkampf ist alles erlaubt und währenddessen esse ich meistens Müsliriegel oder ähnliches.

trainingsworld.com: Wie entscheidend ist im Wettkampf und in der Wettkampfvorbereitung die Psyche bzw. das Wohlfühlen? Welche Techniken haben Sie, um sich bei einem „Motivationsloch“ zu motivieren? 

Verena Sailer: Im Sprint ist die mentale Komponente ausschlaggebend. Man kann so gut trainiert haben wie man möchte, spielt der Kopf nicht mit und man verkrampft beim Laufen, kann das einen sehr großen Teil der Trainingsarbeit zerstören. Deswegen ist es wichtig, das richtige Verhältnis zwischen Lockerheit und maximaler Anspannung zu finden. Während der Vorbereitung spielt natürlich die Motivation eine wichtige Rolle. Bei mir war und ist sie aber immer von selbst vorhanden. Es gibt natürlich Trainingseinheiten, die einem schwere fallen als andere, ich kann mich aber nicht daran erinnern jemals richtig unmotiviert gewesen bzw. in ein "Motivationsloch" gefallen zu sein.

Lesen Sie weitere Interviews in der Rubrik 7 Fragen an ...

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