Sportarten aus sportmedizinischer Sicht

Eishockey aus sportmedizinische Sicht - Epidemiologie

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Im Eishockey gibt verschiedene Verletzungsmechanismen

Im August ist es wieder soweit und die Profivereine beginnen ihre Saisonvorbereitung. Eishockey ist eine sehr anspruchsvolle und dynamische Sportart, in der trotz umfangreicher Schutzausrüstung häufig Verletzungen durch Überlastungen und Gegnerkontakt entstehen.

Eishockeyspieler benötigen eine hohe sportartspezifische Schnelligkeits- und Kraftausdauer und die Fähigkeit, sich zwischen Spitzenbelastungen schnell zu regenerieren. Eine zunehmende Ermüdung und ein Konzentrationsverlust sind wesentliche Risikofaktoren für Verletzungen.

Eishockey: Epidemiologie und Verletzungsmechanismen

Mit bis zu 50 km/h Laufgeschwindigkeit auf dem Eis ist Eishockey die schnellste Mannschaftsportarten der Welt. Der Puck erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 170 km/h. In der Verteilung der Verletzungen werden ca. 80% durch ein akutes Trauma hervorgerufen und resultieren meistens aus direktem Körperkontakt. Weitere 20% der Verletzungen sind bedingt durch Überlastungsschäden. Im eigentlichen Spiel treten dreimal so viele traumatische Verletzungen wie im Training auf. Statistisch führen Sportarten wie Fussball und American Football die Verletzungsstatistiken beim Sport noch vor Eishockey. Bezogen auf die Summe der Verletzungen liegt das natürlich auch an der Anzahl der Sportler, die diese Sportarten ausüben. Das relative Risiko bezogen auf die ausgeübten Stunden der Sportart wird durch die Schutzbekleidung effektiv reduziert. Zudem ist eine Besonderheit beim Eishockey eine geringere exzentrische Belastung des Bodenkontakts.

Zwei wesentliche Verletzungsmechanismen

Bei traumatischen Verletzungen können 2 wesentliche Mechanismen unterschieden werden:

- High-Speed Low-Mass Injury: eine Kollision des Körpers mit Puck, Schlittschuh oder Stock 

- Low-Speed High-Mass Injury: Bodycheck und Kollision mit Bande oder Eis

Nach dem "Law of Repetitive motion" können Verletzungen zudem ursächlich in Low Force - High Repetion (chronische Belastung) und High Force - Low Repetition (akutes Trauma) unterschieden werden. (Dr. Michael P. Leahy).

Chronische Überlastungsschäden werden in den Verletzungsstatistiken häufig nicht ausreichend abgebildet, führen aber zu einer beträchtlichen Zahl an Trainingsausfällen und machen damit zu einem Großteil die Arbeit des medizinisch-therapeutischen Stabes aus. Diesen chronisch muskulotendinösen Prozessen liegen sportartspezifisch typische Ursache-Folge-Ketten zu Grunde. Ein Beispiel ist die Reizung der Adduktoren, die über eine Adduktorenansatztendinopathie zu einer Hernie führen kann (IX). Die Behandlung dieser Beschwerden umfasst auch die Synergisten der Adduktoren (Psoas, Beckenboden).

Merksatz: Jedes Mal, wenn du einen verletzten Muskel siehst, schau auch nach dem Synergisten (IX).

Lesen Sie auch Teil zwei und drei zu Verletzungen im Eishockey:

Eishockey: Prävention von Verletzungen

Quellen:

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II. Syndesmosis sprains of the ankle. Hopkinson W.J. et al, Foot and Ankle. 1990 Jun, 10(6): 325-30 Intercollegiate ice hockey injuries. A case for uniform definitions and reports. Pelletier R.L. et al, Am J. Sports Med. 1993 Jan-Feb, 21(1): 78-81 

III. Verletzungen des Bewegungsapparats im Eishockey. Weisskopf L. Übersichtsartikel. Orthopädische Chirurgie und Sportmedizin SGSM, Praxisklinik Rennbahn AG, Mutenz 

IV. Eishockey aus sportmedizinischer Sicht. Hämel D., GOTS Pressenewsletter 02/2009 

V. The effectiveness of a preseason exercise program to prevent adductor muscle strains in professional ice hockey players. Tyler T.F. Am J. Sports Med. 2002 Sep-Oct, 30(5): 680-3 

VI. Ankle syndesmosis sprains in national hockey league players. Wright R.W. et al. Am J. Sports Med. 2004 Dec., 32(8): 1941-5 

VII. American collegiate men's ice hockey: an analysis of injuries. Am J. Sports Med. 2005 Feb, 33(2): 183-87 

VIII. Diagnosis and Treatment of Movement Impairement Syndroms. Shirley A. Sahrmann. Mosby. 1. Auflage,2001 

IX. Monitoring Neuromuscular Fatigue in High Performance Athletes. Lee-Taylor, Kristie. Edith Cowan University. August 2012. 

X. The Dysphoric Component of Stress Is Encoded by Activation of the Dynorphin κ-Opioid System. B.Land, Benjamin. J Neurosci. 2008 January 9; 28(2): 407–414. doi:10.1523/JNEUROSCI.4458-07.2008. 

XI. Practical tests for monitoring performance, fatigue and recovery in triathletes. Coutts, Aaron. Journal of Science and Medicine in Sport (2007) 10, 372—381

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