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Schluss mit Rückenschmerzen! Training von Gesäß und Beinen

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Schluss mit Volkskrankheit Rückenschmerzen!

Fast jeder hat sie schon mal erfahren und jeder Dritte leidet chronisch an ihnen – Rückenschmerzen. Welche Rolle spielen dabei schwache Bein- und Pomuskeln und was kann man machen, damit es besser wird?

Leider sind Rückenschmerzen eine häufig vorkommende chronische Erkrankun in den modernen Industrieländern. Wenig Bewegung, Dysbalancen, unausgeglichene Psyche, negativer Stress im privaten und beruflichen Bereich uvm. sind die häufigsten Ursachen für deren Entstehung. Nur in den wenigsten Fällen sind greifbare Ursachen wie orthopädische Fehlstellungen (z.B. Skoliose) für das Auslösen des Rückenschmerzes verantwortlich. In 90 % der Fälle lautet die Diagnose: Rückenschmerzen des idiopathischen Ursprungs. Mit anderen Worten: Ursache unbekannt.

 

Folgendes Szenario

Ein Mann klagt über Rückenschmerzen im Lendenwirbelbereich und geht zum Orthopäden. Der Arzt zieht eine schnelle, präzise und eindeutige Diagnose „Ihr Rücken ist zu schwach!“, jagt ihm eine Spritze rein und nimmt nach 15 Minuten den nächsten Patienten. Nach einigen Stunden atmet der arme Mann schmerzfrei und froh wieder auf, lobt seinen Arzt zum Himmel, geht am gleichen Tag noch ins Fitness-Studio, um seinen neuen Vorsätzen gerecht zu werden, und lässt sich ein spezielles Programm für seinen Rücken zusammenstellen. Spätestens nach 3 Tagen kommen die Rückenschmerzen wieder. Der arme Mann versteht die Welt nicht mehr. Er hat doch alles gemacht, was der Arzt ihm aufgetragen hat!?

 

Sportlich aktive Herangehensweise

Bei einem Vielsitzer sind in der Regel nur die statischen Muskelgruppen aktiv, also diejenigen, die die Wirbelsäule aufrecht halten. Und da diese kleineren Muskelgruppen keine große Unterstützung von den großen oberflächlichen Muskelgruppen bekommen (da diese zu wenig Muskelspannung aufweisen), werden sie überlastet, was zu großen Verspannungen entlang des ganzen Rückens führt.

Die wichtigsten Muskelgruppen für einen aktiven und schmerzfreien Rücken sind:

- M. Gluteus Maximus = großer Pomuskel (ist der stärkste Muskel im Körper)

- Ischiocrurale Muskulatur (Hamstrings) = Oberschenkelrückseite (bestehen aus 3 großen Muskeln)

- Abdominale Muskelgruppe = Bauchmuskeln (bestehen aus 5 oberflächlichen und 2 tiefen Bauchmuskeln)

- M. Erecror Spinae = Rückenstrecker (sind viele kleine Muskelgruppen ganz nah am Skelett)

- M. Iliopsoas = Hüftbeuger (ist bei Vielsitzen sehr verkürzt und zieht durch seinen kurzen Strang den Rücken ins Hohlkreuz, da er an den Wirbelkörpern der Lendenwirbelsäule seinen Ursprung hat)

 

Die 3 Muskelgruppen (Gesäßmuskulatur, Oberschenkelrückseite und die Bauchmuskeln) verlaufen im Körper wie ein roter Faden und halten besonders den unteren Rücken stabil und stark. Diese Art der muskulären Verbindung nennt man eine Muskelschlinge, da alle diese Muskelgruppen zusammenarbeiten. Durch die angemessene Kraft der Oberschenkelrückseite und der Gesäßmuskulatur wird das Becken in seiner neutralen Position gehalten, was wiederum die anatomische S-Form der Wirbelsäule ermöglicht und den unteren Rücken gleichzeitig aus dem Hohlkreuz zieht – der Rücken steht in einer neutralen Position. Die Bauchmuskeln unterstützen diesen Vorgang und drücken die Wirbelsäule von vorn in ihre neutrale Position. Aus diesem Grund werden alle Gelenke kraftsparend übereinander „gestapelt“ und so die überlastenden Kraftspritzen einzelner Gelenkstrukturen oder Bandscheiben vermieden. Durch das stabile Muskelkorsett der großen Muskelgruppen können sich die kleinen, nah am Skelett liegenden Muskeln (Rückenstrecker) entspannen und somit wird deren Überlastung vermieden.

Der Hüftbeuger hat durch die aufrechte Haltung etwas an Länge gewonnen und somit auch dem unteren Rücken die Chance gegeben, aus dem Hohlkreuz zu entweichen, und gleichzeitig das Becken in die neutrale Position geschoben. Durch seine Länge wird er kräftiger und funktionaler.

Wenn diese Muskelschlinge gut intakt ist, steht der Mensch in einer aufrechten Haltung dar, hat den gesamten Druck gleichmäßig auf die anatomischen Strukturen verteilt und hat keine Schmerzen.

Somit kann man sagen, dass in 80 % der Fällen zu schwache Beinrückseiten und zu schwache Po- und Bauchmuskeln für die Schmerzen im Lendenwirbelbereich verantwortlich sind. Trainieren Sie also überwiegend diese Muskelgruppen, gewähren Sie somit dem Rücken eine Entlastung und Entspannung.

 

Manuelle passive Herangehensweise

Wenn man trotz regelmäßigen Sports Schmerzen verspürt, heißt es in der Regel, dass einige anatomische Strukturen nicht auf ihrem Platz stehen und der Körper selbst nicht in der Lage ist, diese Strukturen richtig zu ordnen.

An dieser Stelle sollte man den Gang zum Orthopäden nicht scheuen. Zum Glück gibt es aber auch andere Orthopäden (siehe Szenario oben), die durch gezielte Muskelfunktionstests und Muskelfunktionsdiagnostiken nach einem tatsächlichen Ursprung des Problems suchen und nicht nur Symptome durch Spritzen behandeln.

Durch die gezielten manuellen Tests kann der Arzt feststellen, ob der Muskel oder die Muskelgruppen innerhalb eines Gelenks im vollen Umfang funktionieren, oder ob in einem Bewegungsabschnitt Kraft- und somit Funktionsdefizite bestehen. In der Regel kommen solche Defizite zustande, wenn z. B. durch eine Fehlbelastung (zu viel Sitzen, zu viel Stehen, falscher Bewegungsablauf, einseitiges Tragen der Tasche) ein Muskel so stark verspannt ist, dass er sich nicht von alleine „lösen“ kann. Auf Dauer überlastet dies den Muskel, worauf der Körper mit Schmerz antwortet.

Entweder ist der Arzt in der Lage, durch spezielle manuelle Techniken die Muskelspannung (zumindest zeitweise) wieder wegzunehmen, oder er kann es nicht (was überhaupt keine Schande ist!) und leitet diese Person an einen Spezialisten wie einen Osteopathen oder Physiotherapeuten weiter. Der Osteopath löst durch kleine manuelle Griffe die Muskelspannung, so dass der Körper wieder die Chance bekommt, alle knöchernen, muskulären und myofaszialen Strukturen zu ordnen und unterstützt und bestärkt damit auch die Selbstheilungskräfte des Körpers.

 

Fazit

Wie Sie sehen, gibt es keine Alleinheilmethode. Vielmehr ist die Beobachtung des eigenen Körpers gefragt, wie er auf unterschiedliche Behandlungen (Sport oder manuelle Therapie) reagiert. In Sachen Schmerz darf man nicht erwarten, dass diese innerhalb von 2 oder 3 Tagen verschwinden, denn dieser Zustand hat sich auch nicht innerhalb von 2 Tage aufgebaut, sondern innerhalb von mehreren Monaten oder sogar Jahren. Regelmäßige Bewegung aller Körperpartien ist aber definitiv ein sehr guter Anfang.

Autor: Marina Lewun

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