Schulterschmerzen: Symptome, Ursachen und Diagnostik

Die Schulter: Ein Grundlagenartikel

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Es gibt wohl kein Gelenk im menschlichen Körper, das so komplex, faszinierend und rätselhaft ist wie die Schulter.

Es gibt wohl kein Gelenk im menschlichen Körper, das so komplex, faszinierend und rätselhaft ist wie die Schulter. Es kann Ärzte ratlos zurücklassen, wenn ein altbekanntes Problem plötzlich unlösbar erscheint! Aus diesem Grund ist Vorbeugung viel besser als Heilung.

Nur selten ist es damit getan, ein Kühlpack auf die schmerzende Stelle zu legen – weitaus wahrscheinlicher handelt es sich bei dem akuten Schmerz nur um die Spitze des Eisbergs.
Ihre Schulter ist entweder ein Gelenk, an das Sie nie einen Gedanken verschwendet haben oder sie ist in Ihrem Kopf omnipräsent – sie ist dementsprechend gar kein Problem oder eines, über das Sie nicht hinwegsehen können.
Man sagt, dass die Hauptbestandteile der Schulter entweder nahezu perfekt bei Gesundheit seien, oder aber nahe der Katastrophe. Das hängt natürlich in hohem Maße mit der Sportart zusammen, die Sie betreiben: Crossläufer werden erheblich seltener unter Schulterproblemen leiden als Speerwerfer oder Schwimmer. Es ist jedoch selten, dass Athleten, die ihre Schultern regelmäßig beanspruchen, ohne Probleme in diesem Bereich davonkommen. Viele klagen über bedeutende Schwierigkeiten.
Dieser kurze Artikel soll eine Einführung in das „Mysterium“ Schulter sein. Es werden Ihnen komplexe Begriffe so verständlich wie möglich präsentiert. Darauf aufbauend finden Sie in unserem Artikelrepertoire weiterführende Artikel zu diesem Thema. Doch beginnen wir hier mit den Grundlagen. 
 

Grundlegende Anatomie des Schulterbereichs

Das Schultergelenk umfasst eigentlich 4 Gelenke – schauen und fühlen Sie nach, ob Sie sie finden:

Das GH-Gelenk ist das verletzungsanfälligste, da es vollkommen auf nicht-knöcherne Verbindungen angewiesen ist. Während das Hüftgelenk eine tiefe Gelenkpfanne besitzt, die durch den Beckenknochen geformt wird, ist das GH-Gelenk abhängig von der Balance, Kraft und Kontrolle der Muskeln, Bänder, Kapsel und Knorpelstrukturen, um richtig zu arbeiten. Das Labrum sorgt für eine bessere Positionierung der Gelenkpfanne. Es funktioniert wie die Bande einer Eislaufbahn, indem es ein zu weites Herausschieben oder –drehen des Humeruskopfes vom Mittelpunkt der Gelenkpfanne verhindert. Um das empfindliche Gleichgewicht des Humeruskopfs, wie er auf dem Schulterblatt sitzt, bildlich zu beschreiben, kann man das GH-Gelenk mit einem Seehund vergleichen, der einen Ball auf seiner Nase balanciert.

Lesen Sie auch: Physiologie: Der Aufbau und die Funktion der Skelettmuskulatur

Die Muskeln der Rotatorenmanschette

Ohne die von jedem erlernte Muskelkontrolle wäre es schier unmöglich, seinen Arm auch nur auf Kopfhöhe zu heben. Das GH-Gelenk würde auskugeln oder der Humeruskopf unter dem Schulterdach (Akromion) festklemmen. Darum verlassen wir uns bei unseren Armbewegungen u. a. auf die Muskeln der Rotatorenmanschette: den Infraspinatus, den Supraspinatus, den Teres minor und die Subscapularismuskeln. Sie alle haben ihren Ursprung an der Scapula und arbeiten zusammen, um den Humeruskopf so nah wie möglich am Mittelpunkt der Schultergelenkspfanne (Glenoid) beweglich zu halten. Der lange Kopf der Bizepssehne verläuft über die Vorderseite des GH-Gelenks und spielt in Verbindung mit der Rotatorenmanschette eine wichtige Rolle bei der Stabilisierung, insbesondere bei Wurfbewegungen.

Um die Scapula so zu positionieren, dass Bewegungen in Kopfhöhe und darüber hinaus stattfinden können, werden vor allem der Trapezius (insbesondere der untere Teil) sowie der Serratus anterior genutzt, deswegen sind diese die „Scapula-Stabilisierer“. Die Gegenbewegung erzeugen dabei der Levator scapulae, die Rhomboiden und die kleinen Brustmuskeln.
[MAM]Die größeren und kräftigeren Muskeln, die Armbewegungen erzeugen, sind die Deltamuskeln, Latissimus dorsi, sowie der große Brustmuskel (Pectoralis major). Während also die RoM-Muskeln die richtige Positionierung des Oberarmkopfes durch gelenknahes, zentrales Arbeiten koordinieren („innerer Kern“), können die größeren Muskelgruppen durch ihren längeren Hebelarm Geschwindigkeit und Kraft bei der Armbewegung aufbauen („äußerer Kern“).

Einleitende Vorsichtsmaßnahmen

Haben Sie sich an der Schulter verletzt und möchten sich selbst behandeln, bedenken Sie bitte:

Es ist ratsam, einen Schaden der Schulterstruktur von vornherein durch bildgebende Diagnostik, wie z. B. Röntgen oder Computertomografie, auszuschließen. Ganz besonders gilt das dann, wenn Ihr Schultergelenk einen heftigen Schmerz ausstrahlt, aber auch bei Blockaden, Geräuschen in der Schulter, Taubheit, Schlaffheit oder wenn der Schaden unfallbedingt war, wie etwa bei Körperkontakt oder durch einen Sturz.

Die Zeitspanne der Entstehung des Problems gibt Ihnen einen Hinweis darauf, wie lange Sie ungefähr warten müssen, bis die Ergebnisse des Heilungsprozesses fühlbar werden. Vergessen Sie nicht, dass der Schmerz oftmals nur die Spitze des Eisbergs ist und das echte Problem viel tiefer sitzt!

Wie gut Ihr Gefühl für Ihren Körper auch ist, es ist wahrscheinlich, dass Sie die Hilfe eines Experten benötigen – zur Behandlung, Beratung, Rücksprache oder Motivation.

Manche Schmerzen während der Behandlung sind erlaubt, z. B. infolge einer therapeutischen Massage, allerdings nur, wenn sie durch eine gewöhnliche Muskelerschöpfung entstehen und nicht durch eine Gewebebelastung!

Falls Sie bereits auf einem hohen Level trainieren und Wettkämpfe bestreiten, sollten Sie extrem vorsichtig sein, während der Wettkampfphase neue Übungen in Ihr Programm aufzunehmen. Das gilt auch dann, wenn Sie keine Schulterprobleme haben. Warten Sie besser bis zur Saisonpause, um sicherzugehen, dass Sie durch eine neuartige Beanspruchung Ihre Schulter nicht überlasten oder sie aus dem Gleichgewicht bringen.

Behandlung, Prävention und Leistungssteigerung

Die Ratschläge unserer Artikel beziehen sich auf die Vorbeugung und die Behandlung von Verletzungen, die durch Überbeanspruchung ausgelöst wurden. In weiteren Artikeln berichten wir auch über den richtigen Umgang mit akuten und traumatischen Verletzungen, wie z. B. einer Auskugelung des Schultergelenks, mit Schlüsselbeinbrüchen oder Rissen des Labrums (Knorpelgewebe).

Diese Grundsätze gelten auch für die Rehabilitation nach einem chirurgischen Eingriff, auch wenn Sie Wochen lang eine Schlinge tragen, obwohl Ihnen natürlich vom Orthopäden abweichende zeitliche Einschränkungen auferlegt werden können.

Doch lassen Sie es am besten gar nicht erst soweit kommen, der allerwichtigste Grundsatz im Umgang mit Ihrer Schulter lautet: Arbeiten Sie JETZT daran. Warten Sie nicht, bis Schmerzen auftreten.

Trainieren Sie Ihre Schultern und schützen Sie sie dadurch – wir bieten Ihnen in dementsprechenden Artikeln die passenden Übungen. Sie werden kräftiger, koordinierter, beweglicher und ausdauernder sein. Alle Experten sind sich einig: Prävention ist gleich Leistungssteigerung!

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