Motivation

Der innere Schweinehund! So überlistest Du die Trainingsdämonen 1

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Wie Ausreden, negative und kontraproduktive Gedanken unser Training beeinflussen und was man dagegen tun kann

Unsere Dämonen – unsere negativen, kontraproduktiven Gedanken – sind immer bei uns. Weil sie das Produkt unseres Denkens sind, können wir ihnen ebenso wenig entkommen, wie wir unseren Kopf ablegen können. Sie sind so untrennbar mit uns verbunden wie unser Schatten, und immer bei uns – beim Essen, wenn wir mit anderen zu tun haben, bei der Arbeit, beim Spiel. Sie sind sogar bei uns, wenn wir schlafen, und machen sich in Form von Albträumen und nächtlichen Angstattacken bemerkbar. Und weil sie stets bei uns sind, beeinflussen sie alles, was wir tun. Auch unser Training.

Der Kopf kontrolliert den Körper. Unabhängig davon, wie gut unsere Kondition ist oder wie sehr wir von konsequentem Training profitieren, können wir es nur dann richtig ausführen, wenn wir mit den Gedanken dabei sind. Welche Rolle spielt es schon, ob die Muskeln kräftig sind? Wenn der Kopf schwach und durch negative Gedanken abgelenkt wird, werden Sie sicher keine persönlichen Bestleistungen erzielen. Was ein erfreulicher, gesunder Bestandteil unseres Lebens sein sollte, wird uns durch dieses lästige innere Geschwätz verdorben. Das Trainieren kommt uns nur noch mühsam und langweilig vor, als Zeitvergeudung und als sinnlose Verschwendung unserer Energie. Unsere Dämonen sind weitgehend das Produkt falscher Ideen. Viele davon eignen wir uns mehr oder weniger zufällig an, und sicherlich nicht absichtlich, aber sobald sich eine negative Idee einmal in unserem Kopf festgesetzt hat – weil sie uns z. B. von jemandem eingeredet wurde wird es beinahe unmöglich, sie wieder loszuwerden. Lassen Sie das nicht zu. Stellen Sie sich Ihren Dämonen, und fordern Sie sie heraus – wenn es sein muss jeden Tag und jede Nacht aufs Neue. Wenn Sie Ihren negativen und selbstzerstörerischen Gedanken freien Lauf lassen, werden sich die dunklen Bereiche in Ihrem Kopf immer weiter ausbreiten, bis sie Sie kontrollieren und vernichten. Der einzige Weg, gegen die negativen Gedanken anzukämpfen, die Ihr Training gefährden, besteht darin, sie sich bewusst zu machen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen.

Dämon Nr. 1: Minderwertigkeitsgefühle

"Alle anderen in meinem Bekanntenkreis sind größer und stärker als ich … Ich bin für sportliches Training einfach nicht geschaffen."

Ein Unterfangen, das große Veränderungen herbeiführen soll, nimmt zwangsläufig viel Zeit in Anspruch bzw. kann nur über lange Zeiträume hinweg umgesetzt werden. Deshalb sind Eigenschaften wie Beharrlichkeit und Engagement wesentlich wichtiger als das, was wir für unsere genetische Veranlagung halten. Sportliches Training stellt da keine Ausnahme dar. Im Gegenteil: Es kann als gutes Beispiel für die Gültigkeit dieser Regel dienen. Ich kenne Typen, die eine phänomenale Veranlagung besaßen und in der Disziplin Eigengewichtsübungen eigentlich Weltklasse hätten erreichen müssen, die jedoch nie über das Anfängerniveau hinauskamen, weil es ihnen an Konsequenz und Entschlossenheit fehlte. Sie ließen zu, dass ihre Dämonen sie steuerten, und gaben ihr Training bald auf. Andererseits habe ich immer wieder Männer getroffen, die vor Trainingsbeginn die reinsten Strichmännchen waren und sich durch konsequentes Trainieren zu wahren Muskelmonstern entwickelten. Vergessen Sie das Wort "Potenzial". Und denken Sie immer daran: Es spielt keine Rolle, wo man anfängt – wichtig ist nur, was man erreicht. Nur wenn Sie es ausprobieren, werden Sie wissen, wie weit Sie kommen. Also packen Sie es an!

Dämon Nr. 2: Entmutigung

"Ich mache keine Fortschritte."

Motivationsverlust beim Training lässt sich in neun von zehn Fällen auf diesen miesen Gedanken zurückführen. "Ich werde nicht kräftiger" und "Meine Muskeln schrumpfen" sind seine hässlichen Brüder. Diese gemeinen Grübeleien verleiten Menschen dazu, ihr Training aufzugeben. Wenn Ihnen das vertraut ist, bedeutet das, dass mit Ihrem Training etwas nicht stimmt. Gewöhnlich liegt das an einem schlecht konzipierten Trainingsprogramm, das eventuell zu anspruchsvoll oder kompliziert ist. Machen Sie sich keinen Stress! Kehren Sie zu den Grundübungen zurück. Arbeiten Sie sich durch die Big Six, machen Sie pro Übung nur zwei Sätze und jede Übung nur einmal pro Woche. Machen Sie langsam. Bald spüren Sie das Bedürfnis nach weiteren Wiederholungen. Wenn Sie von Übung zu Übung fortschreiten, dann deshalb, weil Sie tatsächlich kräftiger werden. Und das heißt, dass die Muskelmasse zunimmt und nicht schrumpft. Keine Angst, Sie werden Ihr Ziel erreichen. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Dämon Nr. 3: Schmerzen

"Es zieht und tut weh. Wenn ich so hart weitertrainiere, bekomme ich am Ende noch Arthrose. Das ist es mir nicht wert."

Viele Männer haben Angst vor Schmerzen. Sie reden zwar nicht darüber – das ist so ein Macho- Ding –, aber sie sind oft der Grund, dass ein Training unter- oder abgebrochen wird. Schmerzen und Training gehen Hand in Hand. Da gibt es den kurzen Schmerz, der auftritt, wenn Sie Ihre Übungen besser hinbekommen wollen, das allgemeine Unbehagen, wenn Sie Ihrem Körper viel abverlangen, und den Muskelkater einen oder zwei Tage später. Doch das sind gute Schmerzen. Sie sind die Wärme des Feuers, das Ihren Körper von Tag zu Tag größer, stärker, besser werden lässt. Akzeptieren Sie sie, denn sie unterscheiden sich deutlich von Verletzungsschmerzen – das sind die Schmerzen, die auftreten, wenn die Muskeln etwas tun sollen, das sie nicht können. Überforderungsschmerzen sind schlechte Schmerzen. Sie fügen dem Körper kleine Verletzungen zu, die mit der Zeit an Umfang und Bedeutung zunehmen und zu Gelenkproblemen und größeren Verletzungen führen können. Mit wachsender Erfahrung werden Sie lernen, zwischen den beiden Schmerztypen zu unterscheiden. Gute Schmerzen melden sich überwiegend in den Muskeln und lassen sich zeitlich mit Trainingseinheiten in Verbindung bringen. Schlechte Schmerzen sitzen in den Gelenken und treten unvermutet auf. Eigengewichtsübungen stellen die sicherste bekannte Form des Muskeltrainings dar. Sie fordernden Körper auf natürliche Weise und machen einen nicht zum Krüppel, ganz im Gegenteil: Sie bewirken, dass Sie bis ins Alter hinein stark und geschmeidig bleiben. Wir alle bekommen im Laufe des Lebens irgendwelche Schmerzen; das ist Teil des Lebens. Wenn Sie aufhören zu trainieren, schlagen Sie das Alterszipperlein damit ganz und gar nicht in die Flucht, sondern verstärken Ihre Beschwerden längerfristig nur. Korrektes Eigengewichtstraining schützt vor zusätzlichen Schmerzen und Verletzungen und hält die Gelenke gesund und geschmeidig.

Und die akuten Verletzungen? Die passieren jedem von uns gelegentlich. Jemand hebt einen Stift auf und bekommt dabei einen Hexenschuss, ein anderer stolpert über einen Couchtisch und verletzt sich das Knie oder handelt sich beim Schneeschaufeln einen Leistenbruch ein. Korrekt durchgeführte Eigengewichtsübungen kräftigen den Körper auf harmonische Art und tragen zur Vorbeugung gegen diese plötzlichen Verletzungen bei.

EIGENGEWICHTSÜBUNGEN À GOGO

Wenn man schlappzumachen droht, hilft es, sich von berühmten Athleten inspirieren zu lassen. Und einer der besten von ihnen ist Sifu John Morrow. Morrow trägt den schwarzen Shaolin-Gürtel siebten Grades und ist ein stiller, bescheidener Mensch, dem man nicht ansieht, dass er nicht nur ein Meister des Kampfsports, sondern auch der Eigengewichtsübungen ist. Es ist weniger bekannt als viele andere amerikanische Athleten (die einfach nur bessere Beziehungen zur Presse haben), braucht sich vor ihnen aber nicht zu verstecken – ganz im Gegenteil. Morrow ist der lebende Beweis dafür, dass athletische Höchstleistungen nicht das Produkt von Anabolika oder teuren Nahrungsergänzungsmitteln, sondern von mentaler Stärke sind. Seit den 1970er-Jahren legt Morrow jedes Frühjahr eine Fastenkur ein. 2004, im Alter von 52 Jahren, fastete er 41 Tage lang und nahm in dieser Zeit nur Obstsäfte, Wasser und proteinhaltige Sojagetränke zu sich. Anstatt sich während des Fastens zu schonen, machte er täglich Hunderte von Liegestützen und erteilte seinen normalen Kampfsportunterricht.

Schwächte ihn das Fasten? Anscheinend nicht, denn am letzten Fastentag brach er inoffi ziell den Guinness-Weltrekord für Liegestütze, indem er in einer Minute 139 davon schaffte. Später wiederholte er diese enorme Leistung unter offi zieller Aufsicht. 2011 machte Morrow, mit 59 Jahren, in einer Stunde 2000 Handrücken-Liegestütze und sammelte damit Spenden für Kids Against Hunger. So viel zu den Leistungen, die man vollbringen kann, wenn man seine inneren Sperren überwunden hat.

Hier kommst Du zum zweiten Teil

Autor: Paul "Coach" Wade

Quelle: Trainieren wie im Knast 2 - Fortgeschrittene Trainingstechniken für Muskelzuwachs, Fettabbau und starke Gelenke

Buchtipp aus der Redaktion

Trainieren wie im Knast 2

In der Fortsetzung zu seinem Bestseller "Trainieren wie im Knast" nimmt uns der Ex-Häftling und Bodyweight-Training-Experte Paul Wade wieder mit in die harte Realität eines Gefängnisses, in der man sich nur auf sich selbst und seine eigene Kraft verlassen kann. Er beweist einmal mehr, dass unser eigener Körper das ultimative Trainingsgerät ist, das sich auf vielfältige Weise als Widerstand nutzen lässt und somit Hanteln oder andere Gewichte überflüssig macht. Mit beeindruckendem anatomischem und physiologischem Verständnis zeigt Wade, wie man die kleineren, aber ebenfalls wichtigen Bereiche des Körpers funktionell trainieren kann, wie Hände, Unterarme, Nacken, Waden sowie die schrägen Bauchmuskeln und die Gelenke. Dieses Buch bietet eine Fülle an neuen Übungen und Progressionen für alle gerätefrei Trainierenden, die nach neuen Herausforderungen suchen und ihren Körper in kürzestmöglicher Zeit noch stärker und flexibler machen wollen.

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