Methoden zur Feststellung der Körperzusammensetzung

Sportler diverser Sportarten verspüren das Bedürfnis, Ihren Körper zu kontrollieren. Widerstandstrainer kontrollieren z. B. regelmäßig Veränderungen des Gewichts sowie den prozentuellen Anteil an Körperfett, um sicherzustellen, dass es sich bei der aufgebauten Körpermasse wirklich um Muskeln und nicht um Fett handelt. Ausdauersportler sorgen sich oft um eventuelle Zunahmen des Fettgewichts, da es die maximale aerobe Kapazität reduzieren und die Bewegungseffizienz beeinträchtigen kann.

Sportler, die Sportarten wie Volleyball oder Tennis ausüben, befürchten, dass ein überhöhter Fettanteil ihre Reaktionsfähigkeit und ihre Schnellkraft beeinträchtigen könnte. Sporttreibende, die eine Gewichtsreduzierung beabsichtigen, müssen sicherstellen, dass sie mit dem Abbau des Fettgewebes keine Muskelmasse verlieren. All diese Trainingsziele bedürfen einer verlässlichen und benutzerfreundlichen Methode zur Beurteilung der Körperzusammensetzung.

Das hydrostatische Wiegen (Eintauchmethode) wird im Hinblick auf die Körperzusammensetzung als der „goldene Standard“ betrachtet. Bei dieser Messung wird der gesamte Körper in Wasser eingetaucht und dabei das Körpergewicht unter Wasser sowie die verdrängte Wassermenge gemessen. Sie ist jedoch nicht einfach und problemlos durchführbar. Das für diese Technik erforderliche wiederholte Untertauchen (und das entsprechende Atmen) hat sich für Sportler als beschwerlich erwiesen, während viele Trainer es als schwierig empfinden, das hydrostatische Gewicht exakt zu messen, da dafür ein beträchtliches Maß an technischem Können erforderlich ist.

Hautfaltendickemessungen, die üblicherweise angewandte Alternative zum hydrostatischen Wiegen, lassen sich sehr viel einfacher durchführen, weisen jedoch auch ihre eigenen Probleme auf. Die Genauigkeit der Methode ist in hohem Grad von der Person abhängig, die die Messungen vornimmt. Eine Veränderung der Körperdicke über einen längeren Zeitraum kann völlig unbemerkt bleiben, wenn die Messungen der Hautfaltendicke von verschiedenen Personen vorgenommen werden oder von derselben Person mit einer schlampigen Technik. Darüber hinaus erfordern Hautfaltenmessungen „bevölkerungsspezifische Vergleiche“ (Formeln, die die spezifischen Charakteristika einer bestimmten Sportgruppe angemessen berücksichtigen, um verlässliche Beurteilungen des prozentuellen Körperfettanteils zu liefern). Es gibt keine Formel, die auf die gesamte sportliche Welt anwendbar ist und deshalb müssen Sportler, Trainer und sportmedizinische Experten, die sich auf Hautfaltendickemessungen verlassen, bei der Auswahl der von ihnen benutzten mathematischen Formel sehr differenziert vorgehen.

Aufgrund dieser Probleme haben Sportler und Trainer nach einer Möglichkeit zur Beurteilung des prozentuellen Körperfettanteils gesucht, die wenig technisches Know-how erfordert und auch die potenzielle Voreingenommenheit des Anwenders auf ein Minimum beschränkt. Einigen Leuten dürfte das BodPod Body Composition System wie die Antwort auf ihre Gebete erschienen sein. Das BodPod System benutzt eine Technik zur schnellen, nicht invasiven und leichten Beurteilung des prozentuellen Körperfettanteils, die sich Luftverdrängungsplethysmographie (ADP) nennt und von dem Anwender keine speziellen Fachkenntnisse erfordert.

Doch obwohl ADP als sehr genau bei der Messung des Volumens lebloser Objekte angesehen wird, wird der Gebrauch zur Bestimmung des Fettanteils bei lebenden Wesen als kontrovers betrachtet. Einige Studien deuten darauf hin, dass ADP den prozentualen Anteil an Körperfett bei dünnen Männern sowie jungen Männern und Frauen allgemein unterbewertet. Andere Studien lassen darauf schließen, dass ADP den prozentuellen Körperfettanteil bei dünnen Frauen um 14 % überbewertet. Deshalb sind Bedenken laut geworden, dass ADP eine besondere Voreingenommenheit bezüglich Geschlecht oder Körperzusammensetzung aufweisen könnte – oder dass einfach keine verlässlichen Körperfettbeurteilungen damit erzielt werden können.

ADP bewertet Körperfett zu hoch …

Um mehr über die Genauigkeit und die Verlässlichkeit von ADP herauszufinden (unter besonderer Berücksichtigung des BodPods), haben Wissenschaftler aus Washington DC und Michigan kürzlich diese Technik mit dem hydrostatischen Wiegen und der Hautfaltendickemessung an 80 College-Sportlerinnen verglichen. Unter den Teilnehmerinnen waren: 32 Leichtathletinnen, 18 Volleyballspielerinnen, 17 Softballspielerinnen, 4 Fußballerinnen und 10 Ruderinnen.

Um die BodPod-Messungen zu erhalten, saß jede Sportlerin in Spandex-Shorts oder einem Badeanzug in der BodPod-Kammer. Es wurden 2 Messungen des Körpervolumens vorgenommen, von denen jede ungefähr 35-45 Sekunden dauerte; wenn diese ersten 2 Messungen um mehr als 150 ml voneinander abwichen, wurde eine 3. Messung vorgenommen. Die Bestimmung des Brustgasvolumens (kritisch bei der Bestimmung der Körperdichte) erfolgte durch die Verbindung der Testperson mit dem Atemschaltkreis des BodPods durch einen Luftfilter und ein Atemrohr. Nach 2- bis 3-mal atmen wurde die Luftzufuhr für einen Moment gesperrt und die Sportlerin atmete 3-mal sanft aus. Das Körpergewicht wurde bis auf eine Genauigkeit von 20 g auf einer geeichten digitalen Skala gemessen und ein spezielles Softwareprogramm bestimmte anschließend, mit Hilfe von Gewicht, Körpervolumen und Thoraxlungenvolumen der Sportlerin, die Körperdichte und den prozentuellen Körperfettanteil.

Das hydrostatische Wiegen erfolgte in einem Hallenschwimmbecken. Eine über dem Wasser aufgehängte Skala wurde mit einem in das Wasser gelassenen Stuhl verbunden. Jede Sportlerin ging in das Schwimmbecken und achtete darauf, dass sich bei der Messung keine Luft mehr in Badeanzug und Körperbehaarung befand. Während die Sportlerin untergetaucht war und auf dem Stuhl saß, atmete sie maximal aus. Der Versuch war beendet, wenn keine Luft mehr ausgeatmet werden konnte und die beiden Wissenschaftler, die die Messungen vornahmen, sich auf ein Gewicht bis auf eine Genauigkeit von 20 g geeinigt hatten. Alle Sportlerinnen nahmen an mindestens 3 Versuchen teil, bis 3 Messungen bis auf eine Genauigkeit von 20 g vorlagen. Anschließend wurde ein Mittelwert aus den 3 höchsten Gewichten gebildet, um die Körperdichte und den prozentuellen Körperfettanteil mit einer mathematischen Standardformel zu errechnen.

Alle Hautfaltendickemessungen wurden von demselben erfahrenen Wissenschaftler durchgeführt. Die Hautfaltendicke an Trizepsmuskel, Beckenkamm, Abdomen und in der Oberschenkelregion wurde anhand von einem Hautfaltenzirkel bestimmt. Der prozentuelle Körperfettanteil wurde dann anhand der adäquaten, geschlechterspezifischen Gleichung errechnet, die von dem American College of Sports Medicine aufgestellt worden ist.

Im Verlauf dieser Studie brachten die Wissenschaftler einige interessante Unterschiede in der Körperzusammensetzung der Athleten ans Licht. Die Leichtathletinnen waren mit Abstand die magersten mit einem durchschnittlichen prozentualen Körperfettanteil von 15,7 % (durch hydrostatisches Wiegen ermittelt). Die schlanksten 75 % der Leichtathletinnen wiesen einen noch geringeren Durchschnitt von 13,6 % Körperfett auf. In jeder anderen Sportart hatten die Frauen einen durchschnittlichen Körperfettanteil von 21 % oder mehr. Am schwersten waren die Volleyballspielerinnen und Ruderinnen mit einem durchschnittlichen Körperfettanteil von über 22 %.

Wie sich herausstellte, gab es keine signifikanten Unterschiede bei dem gemessenen Körperfettanteil mit der hydrostatischen Methode und der Hautfaltendickemethode, doch die per BodPod gemessenen Körperfettanteile waren bedeutend höher als bei beiden anderen Methoden (vergessen Sie nicht, dass das hydrostatische Wiegen als der „goldene Standard“ bezeichnet wird). Diese Überbewertung durch den BodPod kam selbst dann zum Tragen, wenn die Sportlerinnen in dünne und normale Gruppen unterteilt wurden. Die BodPod Messungen ergaben ungefähr 2 % mehr Körperfett bei der normalen Gruppe (statt 19 %, die durch das hydrostatische Wiegen ermittelt wurden, 21 %) und 3 % mehr bei den dünneren Sportlerinnen (statt 14 %, 17 %). Die Wissenschaftler kamen zu dem Schluss, dass das BodPod (und ADP allgemein) möglicherweise kein zulässiges Werkzeug für die Messung des prozentualen Körperfettanteil bei Sportlerinnen ist, vor allem nicht bei Dünneren.

… und manchmal irrt es sich in die andere Richtung

ADP hat auch bei anderen Studien nicht so gut abgeschnitten. In einer Studie, die an sehr schlanken College-Fußballspielerinnen vorgenommen wurde, unterbewertet ADP den Körperfettanteil. Es lieferte einen Durchschnittswert von 15,1 % im Vergleich zu 17 % beim hydrostatischen Wiegen. In einer anderen Studie überbewertete ADP den Körperfettanteil der teilnehmenden Frauen um 7 % und unterbewertete ihn bei den teilnehmenden Männern um 16 %. In einer dritten Studie unterbewertete ADP den Fettanteil bei den Männern um fast 3 %. In einer sehr interessanten Untersuchung, wurden die Testpersonen in Gruppen der Kategorien, dünne, durchschnittliche und übergewichtige Personen unterteilt. ADP funktionierte bei den durchschnittlichen und übergewichtigen Gruppen gut, überbewertete den Fettanteil der dünnen Gruppe, die am größten war (81 %), jedoch um 14 %. Deshalb herrscht zunehmend Einigkeit, dass ADP an einer Voreingenommenheit gegenüber den Geschlechtern krankt – und bei dünnen Sportlern nicht geeignet ist.

Was wollen uns diese Forschungsergebnisse sagen?

Zum einen tendieren College-Sportlerinnen diverser Sportarten (außer Leichtathletik) zu sehr hohen Körperfettanteilen. Demgemäß könnten viele Volleyballspielerinnen, Softballspielerinnen und Fußballspielerinnen theoretisch gesehen ihre Sprungfähigkeit, ihre Spritzigkeit und ihre allgemeine Bewegungsgeschwindigkeit verbessern, indem sie ihren Körperfettanteil reduzieren. Solche Reduzierungen sollten jedoch vorsichtig vorgenommen werden und ohne dass es zu einer entsprechenden Reduzierung der Muskeln kommt. Regelmäßiges Krafttraining, ein vernünftiges Ausmaß an aerobem Training zur Energieverbrennung (zusätzlich zu dem normalen sportspezifischen Training) und eine obst- und gemüsereiche Diät, die ausreichend Proteine liefert und einen relativ geringen Fettgehalt hat, sollten bei der Erreichung dieses Ziels helfen.

Wichtig ist auch festzustellen, dass Hautfaltendickemessungen in dieser Studie gut abgeschnitten und ebenso genaue Messungen des Körperfetts ergeben haben wie das hydrostatische Wiegen. Hautfaltendickemessungen lassen sich natürlich sehr viel einfacher durchführen als das hydrostatische Wiegen (Skala und Tauchstuhl zum Schwimmbecken zu befördern, ist nicht immer leicht!). Sollten Sie sich jedoch entscheiden, Hautfaltendickemessungen für die Kontrolle der Veränderungen ihrer Körperzusammensetzung über einen längeren Zeitraum zu nutzen, achten Sie darauf, immer den gleichen „Tester“ zu benutzen (die Person, die Ihre Hautfaltendickemessungen vornimmt) und versichern Sie sich, dass Sie die richtige Formel zur Errechnung ihres prozentuellen Körperfettanteils anwenden. Wenn Sie diese Punkte im Gedächtnis behalten, kann die Hautfaltendickemessung für Sie die richtige Methode sein. BodPod Messungen des Körperfettanteils (und ADP Techniken allgemein) können für die genaue Bestimmung der Körperzusammensetzung nicht empfohlen werden – vor allem dann nicht, wenn Sie relativ dünn sind.

Owen Anderson

 

 

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