Sportverletzung

Kreuzbandriss – Reduzieren Sie Ihr Risiko!

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Mit diesen Übungen können Sie Knieverletzungen wie dem Kreuzbandriss vorbeugen

Verletzungen im Kniebereich gehören zu den häufigsten und zu den folgenreichsten im Profisport. Gerade bei Knieverletzungen wie dem Kreuzbandriss kommen Rezidivverletzungen – also erneute Verletzungen, die aufgrund der bereits verheilten Verletzung auftreten – sehr häufig vor.

Gerade im Fußball treten Kreuzbandrisse oftmals in Verbindung mit weiteren schwerwiegenden Verletzungen wie Knorpelschäden oder Verletzungen der Außenbänder auf. Diese Verletzungen müssen in der Regel operativ versorgt werden und bedeuten für die Sportler eine lange Pause, nach der sie sich mühsam wieder an die alte Form heranarbeiten müssen.

Im Rahmen von Kreuzbandverletzungen fällt auf, dass im Fußball das Risiko, einen Kreuzbandriss zu erleiden, unterschiedlich verteilt ist. So zeigte sich, dass Fußballspielerinnen 2- bis 5-mal häufiger betroffen sind als ihre männlichen Kollegen. Oft treten Verletzungen ohne Gegnereinwirkung auf, und auch externe Faktoren wie das Trainieren auf Kunstrasenplätzen und die Form der Stollen können Einfluss auf das Verletzungsgeschehen nehmen.

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Was reißt genau?

Ein Kreuzbandriss ist eine teilweise oder vollständige Ruptur eines oder beider Kreuzbänder im Knie. Am häufigsten sind dabei Verletzungen des vorderen Kreuzbandes. Oftmals entstehen diese Verletzungen ohne Gegnereinwirkung beim Laufen, z. B. bei einem Richtungswechsel oder bei Sprüngen. Je nach Verletzungsgrad werden die verletzten Strukturen in einer Operation wieder zusammengeführt. Keine Therapie kann jedoch qualitativ den Ursprungszustand wieder herstellen. Nicht zuletzt deshalb sind Wiederverletzungen im Fußball sehr häufig – ein hohes Risiko besteht zudem für das bislang unverletzte Knie, im Falle einer erneuten Verletzung betroffen zu sein. Aber auch Wiederverletzungen der bereits in Mitleidenschaft gezogenen Strukturen kommen häufig vor. In einer Schweizer Untersuchung zeigte sich, dass von 219 Fußballern mit Verletzungen des vorderen Kreuzbandes 80 % innerhalb der folgenden 3 Jahre mit dem Fußball aufhören mussten. Unbehandelte Kreuzbandverletzungen können zu schweren degenerativen Schäden im Knie, vorrangig am Knorpel, führen. Diskussionen über die Therapieform werden gerade bei Knieverletzungen kontrovers geführt, wobei die konservative bzw. die minimalinvasive Versorgung im Mittelpunkt steht.

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Die Verletzungshäufigkeit

Wenn Sie sich die Verletzungshäufigkeit ansehen, fällt auf, dass nahezu je ¼ aller Kreuzbandverletzungen dem Fußball bzw. dem Skifahren zugeordnet werden können. Sie nehmen mit 22 % (Fußball) und 28 % (Skifahren) die 1. Plätze unter den Verletzungsanteilen ein, bezogen auf die Gesamtanzahl von Kreuzbandverletzungen. Die restlichen Sportarten zusammengenommen kommen ebenfalls auf ca. 23 %. Berufsunfälle (10 %) und sonstige Tätigkeiten bilden den Schluss.(2)

 

Ursachenforschung ist schwer möglich

Interessant bei der Frage nach möglichen Verletzungsursachen ist, dass Frauen und Männer unterschiedlich häufig einen Kreuzbandriss erleiden und dass auch Verletzungen ohne Gegnereinwirkung auftreten können. (1) Analysen zeigen dabei, dass die Ruptur des Kreuzbandes oftmals mit koordinativen Problemen in der Ansteuerung der Muskulatur einhergeht, etwa bei abrupten Richtungswechseln unter Druck durch einen Gegenspieler, ohne dass dieser direkt körperlich Einfluss nehmen muss. Dabei sind insbesondere große Abduktionswinkel problematisch, bei denen der Spieler bereits in einer Art „Grätsche“ steht und dann ein gerade eingeleiteter Bremsstoß der Muskulatur erneut in eine Beschleunigung umgewandelt werden muss. Typischerweise sind auch Richtungswechsel in Verbindung mit Drehbewegungen des Unterschenkels nach außen mögliche Verletzungsursachen.

 

Aktivierungsprobleme und Kraftdefizit als Ursachen?

Vor dem Hintergrund, dass ein Teil der Verletzungen ohne Gegnereinwirkung geschieht, stellt sich die Frage, inwiefern muskuläre Defizite eine Ursache für Kreuzbandverletzungen sein könnten. In Messungen zeigte sich, dass insbesondere ein Kraftdefizit zwischen der vorderen und der hinteren Oberschenkelmuskulatur als mögliche Auslöser in Frage kommen. Die Kreuzbänder erlauben das nach vorne bzw. nach hinten gleiten der Gelenkpartner von Ober- und Unterschenkel nur in einem bestimmten Rahmen und sichern so das Kniegelenk. In dieser Funktion konnte ein Kraftdefizit in Verbindung mit plötzlichen Richtungswechseln, einer großen Abduktion bei gleichzeitiger Körperrotation und damit verbunden Schwierigkeiten in der Aktivierung der Muskulatur als Ursache für Verletzungsgeschehen beobachtet werden. Es wird klar, dass hierbei komplexe Zusammenhänge der Streck- und Beugemuskulatur am Oberschenkel sowie an den Ab- und Adduktoren existieren.

Langhanteltraining in Fußball, Handball und anderen Ballsportarten

Krafttraining ja, aber wie?

Abb. 1: Kniebeuge mit gleichzeitiger Schulung der Koordination und Stabilisierungsfähigkeit

Nach wie vor stehen einige Trainer im Fußball dem Krafttraining kritisch gegenüber, weil eigene Trainingserfahrungen nicht vorhanden sind und zudem Annahmen, dass Krafttraining langsam oder unbeweglich machen könnte, noch weit verbreitet sind. Gerade im athletischen Fußball kann mit einem konzentrierten Krafttraining jedoch sowohl die Leistungsfähigkeit verbessert werden, als auch die Verletzungsprophylaxe unterstützt werden. Gerade bei Verletzungen wie dem Kreuzbandriss geraten zunehmend muskuläre Ursachen in den Vordergrund der Betrachtungen. Bei der Frage nach einem möglichen Krafttraining für Fußballer sind somit zunächst einmal die komplexen Übungen, wie die Reiß- oder klassische Kniebeuge zu nennen, aber auch das Umsetzen und Reißen stellen funktionelle Übungen dar, die im Fußball eingesetzt werden sollten. Dabei müssen Sie als Trainer nun aber die Einsatzart unterscheiden, denn wenn es um Leistungsverbesserung geht, stehen Ausführungen mit hohen Lasten im Vordergrund.

In Bezug auf die Verletzungsprävention kann eine Kombination aus klassischen Langhantelübungen mit koordinativen Elementen unterstützend wirken.(2) Traditionelle Übungen, wie die Kniebeuge, das Kreuzheben und das Umsetzen, können im Hinblick auf die jeweilige sportartspezifische Stabilität modifiziert werden.(3) Beispielsweise kann das Kreuzheben mit Kurz- anstelle von Langhanteln ausgeführt werden und auch das Umsetzen lässt sich in der Ausführung mit Kurzhanteln abwandeln. Hierbei werden die Stabilisierungsfähigkeit der Rumpfmuskulatur und die Koordination der Extremitäten geschult. Die Variationen helfen jeweils neue koordinative Reize zu setzen und sollten immer mal wieder variiert werden. In diesen Abwandlungen darf die Last nicht zu stark reduziert werden, so dass trotz der koordinativen Zielstellungen die Kraftentfaltung von Bedeutung bleibt.(4)

Der Zusammenhang von Training auf instabilen Unterlagen und Kreuzbandverletzungen scheint ebenfalls hoch, so dass in eigenständigen Trainingseinheiten auch diese Aspekte Berücksichtigung finden sollten.(5) Allerdings muss berücksichtig werden, dass diese Studien quasi experimentell in der Sportpraxis durchgeführt wurden, so dass ergänzende Trainingsinhalte wie das Ausdauertraining und Schnelligkeitstraining als Störvariablen nicht ausgeschlossen werden können. Dennoch sind derartige Beobachtungen wichtige Informationsquellen.

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Prävention als Grundlage

Dass die Prävention solcher Verletzungen grundlegend wichtig ist, bedarf somit keiner besonderen Herausstellung. Unterschiedliche Programme wurden hierzu entwickelt, wobei insbesondere das „HarmoKnee Programm“ gute Ergebnisse liefern konnte. Bei diesem Programm werden den Trainern und Eltern von Nachwuchssportlern Informationsmaterialien zur Verfügung gestellt und Trainingsprogramme übergeben, bei denen die motorischen Fähigkeiten, Koordination und Aktivitätskontrolle geschult werden sollen. Kraftübungen ergänzen das Programm.

Abb. 2: Training in der Koordinationsleiter zum Verbessern des muskulären Zusammenspiels

Prävention ist dabei jedoch fast ausschließlich unter den idealen Bedingungen möglich, die der Leistungsfußball bietet. Im Amateur- und Freizeitsport sind insbesondere aufgrund zeitlicher und motivationaler Probleme feste Präventionsprogramme kaum durchsetzbar. Zusätzliches Kraft- und Koordinationstraining scheitert oft an der zur Verfügung stehenden Zeit, dem Willen der Sportler und auch den fehlenden fachlichen Grundlagen von Trainern und Betreuern. Aufgrund der geringeren Anzahl an Trainingseinheiten werden die Schwerpunkte meist eher im spielerischen und taktischen Bereich gelegt und Trainingsspiele ausgetragen. Dies führt jedoch dazu, dass die Mindestzahl an Trainingseinheiten mit präventiver Wirkung kaum erreicht wird. Einmaliges Einbauen solcher Trainingseinheiten erscheint kaum erfolgversprechend. Gerade in Ballsportarten, wie Fußball, Handball oder Basketball, können Athleten nur erfolgreich bestehen, wenn sie in der Lage sind, schnell zu rennen und schnelle Richtungswechsel durchzuführen.

 

Tipps für Ihr Training

- Krafttraining mit der Langhantel als Basis für muskuläre Stabilität.

- Koordinationstraining zum Verbessern des Zusammenspiels Ihrer Muskeln.

- Propriozeption und Gleichgewichtsübungen auf instabilen Unterlagen.

- Richtungswechsel mit Gegenspielern trainieren.

- Klassische Krafttrainingsübungen sollten Sie in Fokuseinheiten abwandeln und koordinative Aspekte verändern.

Dennis Sandig

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Literaturangaben:

1. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin, Bd. 62 (7, 8), S. 261

2. British Journal of Sports Medicine, 2000, Bd. 34, S. 227–228

3. Journal of Strength and Conditioning Research, 2005, Bd. 19 (1), S. 9–15

4. Fitness Management, November 2003, S. 26–28

5. Knee Surgery, Sports Traumatology, Arthroscopy, 1996, Bd. 4, S. 19–21

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