Gesundheit

HIV-Risiko beim Sport

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Sie spielen Basketball und stoßen mit einem schwitzenden Gegenspieler zusammen. Sein Schweiß ergießt sich wie ein plötzlicher Regenschauer über Ihren Körper. Später erfahren Sie, dass dieser Sportler HIV-positiv ist. Sind Sie dadurch gefährdet?

Oder Sie spielen Fußball und einer Ihrer Teamgefährten räuspert sich und spuckt in den Wind. Unglücklicherweise stehen Sie im Gegenwind und bekommen den Speichel direkt ins Gesicht. Später wird Ihr Mannschaftskamerad positiv auf HIV getestet. Müssen Sie jetzt besorgt sein?
Wann sollten Sie sich während sportlicher Aktivitäten tatsächlich Sorgen über HIV-Infektionen machen? Welche Sportarten sind im Hinblick auf die HIV-Verbreitung am gefährlichsten? Was können Sie unternehmen, um Ihr Ansteckungsrisiko mit dem tödlichen Virus zu reduzieren?
Zuerst einmal sollten Sie sich vergegenwärtigen, dass der HIV-Virus sich in menschlichem Schweiß weder entwickeln noch überleben kann. Daher kann auch eine kräftige Schweißdusche eines HIV-positiven Sportlers Ihr Risiko nicht erhöhen. Ebenso bedeuten das Sitzen auf einem verschwitzten Fahrradsattel, Sit-Ups oder Bankdrücken auf einer mit Schweiß befleckten Bank nicht, dass Sie jetzt zum nächsten Arzt laufen müssen, um einen HIV-Test zu machen.
HIV kann zwar in der Tränenflüssigkeit und Speichel vorkommen, aber es existieren keine dokumentierten Fälle, dass der Virus je auf diesem Wege übertragen worden sei. Im Grunde müsste ein HIV-infizierter Sportler Ihnen direkt in eine offene Wunde spucken, damit die HIV-Infektion durch Speichel übertragen wird. Und sogar dann sind u. U. gar nicht genug HIV-Partikel in seinem Speichel vorhanden, um Sie damit zu infizieren.
Dies bedeutet, dass das eigentliche AIDS-Risiko von einer Blutübertragung während des Sports herrührt. Trotz der weit verbreiteten Angst vor einer HIV-Ansteckung während des Sports, wurde in der wissenschaftlichen Literatur erstaunlicherweise bisher nur ein solcher Fall dokumentiert, und dieser hat sich jetzt als falsch herausgestellt. In der italienischen Fußball-Liga ist ein HIV-positiver Spieler mit seinem Kopf gegen den Kopf eines anscheinend gesunden Spielers gestoßen. Beide Spieler erlitten Platzwunden auf der Stirn und Blut trat aus. Der angeblich gesunde Spieler wurde 2 Monate nach dem Spiel HIV-positiv getestet. Es gibt jedoch keine überzeugenden Anhaltspunkte, dass die Ursache der Infektion in dem Zusammenstoß auf dem Fußballplatz zu suchen ist. Der Spieler kann den Virus schon lange vor diesem Zusammenstoß bekommen haben.
Bisher gibt es auch im professionellen American Football keine dokumentierten Fälle einer HIV-Übertragung von einem Sportler zum anderen. Und dies, obwohl es dort pro Spiel zu etwa 4 blutenden Verletzungen kommt. Auch in anderen „blutigen“ Sportarten, wie im Boxen, Ringen und Eishockey konnte kein Fall einer HIV-Übertragung dokumentiert werden. Es ist wahr, dass HIV im außersportlichen Bereich, etwa als Ergebnis einer blutigen Prügelei oder nach Blutkontakt zwischen Verwandten, die im selben Haus wohnen, übertragen wurde. Das Risiko einer sportbedingten Verbreitung ist jedoch äußerst gering. Tatsächlich wird das Risiko einer solchen Übertragung in der Sportarten, die den Virus vermeintlich am ehesten verbreiten könnte – American Football – mit weniger als 1 zu einer Mio. geschätzt.
Es stimmt, dass Bodybuilder u. U. HIV übertragen könnten, wenn Sie gemeinsam Nadeln zur Injektion von Steroiden benutzen. Aber auch dann ist das Risiko relativ gering: Experten schätzen, dass die HIV-Ansteckungsrate durch Nadelstiche nur etwa 0,3 % ausmacht. Zum Vergleich steckt man sich nach dem Gebrauch einer verschmutzten Nadel bis zu 100-mal schneller mit Hepatitis B an.

Im außersportlichen Bereich, wurden von Experten 2.700 Fälle dokumentiert, in denen das Blut einer HIV-positiven Person auf die Haut einer gesunden Person gelangt ist. In keinem dieser Fälle hat die gesunde Person sich mit dem HI-Virus infiziert. Ebenso existieren nur 4 dokumentierte Fälle, in denen Menschen HIV-positiv wurden, nachdem eine große Menge HIV-infizierten Blutes in ihre Augen, den Mund oder auf verletzte Haut gelangt ist. Solche Situationen, in denen große Blutmengen in Augen, Mund oder auf Wunden eines Sportlers gelangen, kommen im Sport äußerst selten vor. Dies lässt darauf schließen, dass das reelle Risiko einer HIV-Übertragung während sportlicher Aktivitäten fast bei 0 liegt.

 

Trotzdem können Sie Ihre HIV-Ansteckungsgefahr vermindern, indem Sie:

  • während des Sports Schutzhandschuhe tragen, sodass Sie tatsächlich nicht mit den Körperflüssigkeiten anderer Sportler in Berührung kommen
  • alle Wunden inklusive Kratzer, Schürf- und anderen Fleischwunden abdecken
  • Ihre Haut sofort nach dem Kontakt mit dem Blut oder Speichel eines anderen Sportlers reinigen
  • sicherstellen, dass andere Sportler ihre blutigen Trikots oder Geräte sofort wechseln
  • alle Oberflächen oder Geräte, die mit Blut in Kontakt gekommen sind, mit einer 1 zu 100 verdünnten Haushaltsbleiche desinfizieren (200 ml Bleichmittel auf 18 l Wasser; täglich frisch angesetzt) und
  • blutige Trikots nach jedem Training oder Spiel waschen.
  • Benutzen Sie außerdem keine Nadeln, Rasierer, Ohrringe oder sogar Zahnbürsten zusammen mit anderen Sportlern, und benutzen Sie bitte Kondome bei sexuellen Aktivitäten – vorzugsweise außerhalb des Spielfelds. Die gute Nachricht ist, dass das Risiko einer HIV-Übertragung während des Sports extrem niedrig ist – und sogar noch niedriger, wenn vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden.

     

    Eichner, E. Randy, M.D.: „Contagious Infections in Competitive Sports”, Sports Science Exchange, 1995, Bd. 8 (3)
     

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