Sportmedizin

Herzbeutelentzündung - Herzmuskelentzündung

Herzmuskelentzündung/Herzbeutelentzündung ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die zum plötzlichen Herztod führen kann
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Von Vielen unterschätzt, obwohl Leistungssportler daran sterben: Herzmuskelentzündungen

Das Herz ist ganz klar das Symbol der Liebe und des Lebens. Das eine ergibt sich aus dem anderen. Es ist Symbol für Liebe, Kraft, Ausdauer, Durchhaltevermögen und Leben.(1)

Das Herz hat für uns eine besondere Bedeutung und ist ein lebenswichtiges Organ. Es ist unser Motor und schlägt in uns von der ersten bis zur letzten Minute. Im Durchschnitt schlägt es 70-mal pro Minute und pumpt dabei ca. 10 Liter Blut durch die Gefäße. Wenn wir einen 75jährigen nehmen, hat dessen Herz im Lauf seines Lebens 2.759.400.000-mal geschlagen und dabei 394.200.000 Liter Blut transportiert. Das entspricht in etwa der Wassermenge von 197 großen Schwimmbecken in einem Freibad!(2)

Doch was passiert, wenn das Herz nicht richtig funktioniert? Es gab in den letzten Jahren viele Meldungen, dass „fitte“ Menschen, oft auch Sportler, „plötzlich und unerwartet“ verstorben sind. Später hört man dann, dass die Todesursache eine Herzerkrankung war.

Birgit Dressel, Heiko Fischer, Stèphane Morin, Florence Griffith-Joyner – das sind bekannte Sportler-Namen, die dieses tragische Schicksal vereint. Einige von ihnen sind die Spitze des Eisbergs von etwa 900 Sportlern, die pro Jahr in Deutschland den Herztod erleiden. Dazu zählen erschreckend häufig junge Spitzensportler. Mangels Autopsie wird nur selten bekannt, wer an einer Herzmuskelerkrankung starb. In der Öffentlichkeit werden diese Todesfälle in einem unangenehmen Zusammenhang erwähnt: Stirbt ein bekannter Sportler „plötzlich und unerwartet“, wird zuerst auf Doping getippt.(3) Diese Vermutung mag manchmal naheliegen, doch dies ist oft leider nur medienwirksames Alibi für nicht nachgewiesene Erkrankungen.

 

Was ist eine Herzmuskelentzündung?

Unter einer Herzmuskelentzündung, in der Fachsprache Myokarditis genannt, wird eine akute oder chronische Entzündung des Herzmuskels verstanden, die auch den Herzbeutel betreffen kann.

Durch die Entzündung wird die Kontraktionsfähigkeit des Herzens gestört und geschwächt, was zu einem Leistungsabfall und dadurch zu Herzschwäche mit eingeschränkter Funktion führt.

Eine Myokarditis ist bei etwa 20 % der Erkrankungsfälle die Ursache für einen plötzlichen Tod bei Erwachsenen vor dem 40. Lebensjahr. Sie kann in jedem Alter auftreten, heilt jedoch in der Regel ohne Probleme aus.

 

Welche Symptome sind bekannt?

 Typische Symptome (Anzeichen) einer Herzmuskelentzündung gibt es nicht. Die Verdachtsdiagnose stützt sich auf eher unspezifische Beschwerden, die in Verbindung mit grippalen Infekten oder anderen meist fieberhaften Infektionskrankheiten auftreten.

Bei fortgeschrittener Erkrankung können bereits kleinste Anstrengungen zu einer starken Atemnot führen. Eine Herzmuskelentzündung überträgt sich in der Regel durch Viren oder auch Bakterien. Einer durch Viren erworbenen Myokarditis geht meist 2 Wochen zuvor eine Durchfallerkrankung oder Erkältung voraus. Es ist erwiesen, dass 80 % der Erkrankungen von den so genannten Coxsackievieren ausgelöst werden. Auch eine Entstehung durch Adeno-, Influenza-, Masern- oder Herpesviren ist möglich. Zu den Bakterien, die eine Myokarditis zur Folge haben können, zählen Borrelien sowie die Erreger von Scharlach und Diphterie. Zu einer Myokarditis kommt es vermutlich dadurch, dass sich die körpereigene Immunabwehr gegen den eigenen Herzmuskel richtet.

In der Regel heilt eine Herzmuskelentzündung ohne Folgen aus. Es sind jedoch Fälle bekannt, bei denen die Betroffenen innerhalb von kurzer Zeit an Herzrhythmusstörungen oder an einer akuten Schwäche des Herzens verstorben sind.

 

Der Zusammenhang zwischen Sport und der Herzmuskelentzündung

 Zur Vorbeugung einer Herzmuskelentzündung ist es wichtig, sich bei einer Erkältung mit Fieber körperlich zu schonen. Sport sollte tabu sein. Oftmals führt eine Infektion, die nicht vollständig auskuriert wurde, zu einer Infektion des Herzmuskels durch Viren und Bakterien aus dem eigenen Blut. Ein sportliches Training trotz einer beginnenden Erkältungskrankheit kann die Symptome verschlimmern und zum so genannten „Verschleppen“ der Erkrankung führen.(4)

 

Herzbeutelentzündung

Bei der Perikarditis entzündet sich der Herzbeutel. Der Herzbeutel umgibt das gesamte Herz mit einer äußeren und einer inneren Schicht, die dem Herzmuskel direkt aufliegt. Entzündet sich der Herzbeutel akut, verursacht dies starke Brustschmerzen, die typischerweise atem– und lageabhängig auftreten. Die Ursache einer Herzbeutelentzündung bleibt häufig ungeklärt, wobei Experten bei 80 - 90 % der Betroffenen eine Virusinfektion als Auslöser vermuten. Darüber hinaus kommt jedoch eine Vielzahl von Erkrankungen als Ursache in Betracht.(5) Mithilfe einer Echokardiographie (Ultraschalluntersuchung des Herzens) sieht man eine Vergrößerung der Herzhöhlen, eine Einschränkung der Pumpfunktion und evtl. einen Herzbeutelerguss (Perikarderguss).(6)

 

Meine Geschichte Oktober 2007 – Januar 2008

Ich bin ein aktiver Mensch und schon immer sehr sportlich. Ich achte auf gesunde Ernährung, mein Gewicht und auf seelische Gesundheit. Ich unterrichte seit fast 20 Jahren als Fitness-Trainerin Kurse, bin Vollzeit berufstätig und habe 2 Teenager, einen Mann, Haus und Garten. Ich habe einen großen Freundeskreis und nie Langeweile.

Im Oktober 2007 habe ich – wie jeden Montag - in Kronberg in einem Fitnessstudio unterrichtet und mich während meines Kurses gewundert, warum ich schon beim „Warm-up“ eine so hohe Herzfrequenz (<140) hatte und außer Atem war.

Auch der Kurs danach (Indoor Cycling) war anders als sonst mit sehr hoher Herzfrequenz und ich war sehr kurzatmig. Ich habe mir noch nicht so viel dabei gedacht, denn wenn man z. B. eine Erkältung ausbrütet, kann die Herzfrequenz immer mal höher sein.

Doch die Symptome sind geblieben und ich konnte es mir nicht erklären, da ich keine Erkältung bekommen habe. Dann hatte ich den Verdacht, Asthma zu haben. Als Kind hatte ich ‚Kinderasthma’ und dachte „na ja vielleicht ist es ja das“. Ich war bei meinem Arzt, um diesen Verdacht abzuklären, doch er konnte sich das auch nicht erklären. Er hat mir zum „Ausprobieren“ Asthmaspray mitgegeben. Doch das hat nichts genutzt.

Dann hatte ich kurz noch die Idee, vielleicht auf die Putzmittel allergisch zu reagieren. Doch auf Nachfrage bei der Studioleitung wurde mir gesagt, dass keine neuen Mittel im Einsatz sind.

Nachdem die Symptome weiterhin auftraten, bin ich erneut zum Arzt gegangen. Ich sollte für ein EKG auf dem Ergometer fahren. Ich bin nach kurzer Zeit „ausgestiegen“, weil ich nicht mehr atmen konnte. Da mein Arzt mich kannte und wusste, dass ich sehr sportlich bin, war er höchst alarmiert und hat mich zu einem Termin zum kardialen MRT (Magnetresonanztomographie) bei den Herzspezialisten geschickt.

Ein paar Tage später bin ich nach Bad Nauheim in die Kerkhoff-Klinik zum Spezialisten gefahren. Es war mein erstes MRT und ich war sehr gespannt auf das Ergebnis. In der Klinik bekam ich von einem sehr netten und kompetenten Arzt die Diagnose: Herzbeutelentzündung mit Perikarderguß! Es hieß: Sofort ab nach Hause und direkt aufs Sofa – nur Ruhe! Ich habe keine Medikamente bekommen, da ich keine Schmerzen hatte. Es hieß: Nicht rumlaufen, nicht einkaufen, nichts im Haushalt machen! Kontrolle in 4 Wochen!

Damit hatte ich nicht gerechnet, ich wollte am darauffolgenden Tag auf Dienstreise ins Ausland und hatte im Wartezimmer noch an einer Präsentation gearbeitet. Ich wurde von einer auf die andere Minute von 100% auf 0% gesetzt. Ich hatte ein sehr skurriles und unwirkliches Gefühl, nicht bedrückend – aber seltsam.

Ich weiß gar nicht warum, aber ich habe mich nicht weiter verrückt gemacht. Mir war nicht bewusst, wie krank ich war und wie gefährlich das Ganze sein kann. Ich war wie „Susi Sorglos“. Aber ich glaube, das war die beste Reaktion für mich und meine Seele. Ich habe auch nicht weiter zum Thema recherchiert. Was mir meine Ärzte mit auf den Weg gegeben haben hat mir gereicht.

Geduld ist nicht meine Stärke, es war nicht einfach, mehr oder weniger planlos in den Tag zu leben. Mein Leben und mein Tagesrhythmus mussten sich total verändern. Vorher war immer alles genau getaktet, sonst hätte alles nicht geklappt. Doch während der nächsten 10 Wochen hat sich das verändert. Ich habe mich schnell angepasst an den neuen Rhythmus. Ich war auf einmal „Hausfrau und Mutter“, meine Hauptgedanken waren: „Was koche ich?“ und was muss ich dazu einkaufen etc., das war schon fast Luxus. Mir ging es in der gesamten Zeit gut, ich hatte keine Schmerzen, war nur zuerst noch sehr kurzatmig. Die Atemnot wurde mit dem Abbau des Herzwassers immer weniger, so dass ich dann im November langsam spazieren gehen konnte.

Ich war in dieser Zeit alle 14 Tage bei meinem Arzt zur Kontrolle und bei der nächsten Kontrolluntersuchung mit MRT wurde die Diagnose erweitert zu einer Herzmuskelentzündung. Das Herzwasser (Perikarderguss) baute sich nur ganz langsam ab. Meine Frage, ob ich bald wieder arbeiten gehen könnte, wurde vehement verneint. Erst im Januar 2008 bin ich nach 10 Wochen wieder arbeitsfähig geschrieben worden. Die Wiedereingliederung im Büro erfolgte in Absprache mit meiner Chefin und dem Betriebsrat in Vollzeit, da ich keine Beschwerden hatte.

Es gab in den nächsten Wochen Kontrolluntersuchungen per Ultraschall und ein abschließendes MRT im Juni 2008. Das gute Ergebnis war, dass keine Vernarbungen zurückgeblieben sind, aber es war immer noch ein geringfügiger Perikarderguss sichtbar. Seitdem lasse ich regelmäßig (1-mal im Jahr) der Herz per Ultraschall kontrollieren.

 

Mein Weg zurück zum Sport

Im Oktober 2007 wurde ich auf die Couch verbannt, wo ich auch brav fast 4 Wochen verbracht habe.

Ab November bin ich mutig zum Spazieren mit Stöcken (Nordic Walking) losgezogen, für ganze 20 Minuten am Anfang. Als Trainerin habe ich Erfahrung mit Herzfrequenzmessung, also habe ich jedes Training nur mit Herzfrequenzmessung absolviert und kontrolliert. Ich habe mich dabei sehr wohl gefühlt. Ganz langsam habe ich dann die Ausflüge verlängert.

Ab Dezember bin ich dann auf Walken ohne Stöcke mit Handgewichten umgestiegen. Ich war dann meist eine Stunde unterwegs. Mitte Dezember habe ich begonnen, in die Walking-Abschnitte kleine Jogging-Abschnitte einzubauen. Nach und nach habe ich die Walking-Abschnitte reduziert und Joggen ausgebaut. Die Zeit habe ich nicht verlängert, ich war meist 1 Stunde unterwegs.

Während dieser Zeit habe ich viel mit meinen Freunden gesprochen, unter anderem auch über das Thema Triathlon. In meinem Umfeld sind viele Triatlethen, die alle über die Disziplin Schwimmen geschimpft haben. Das konnte ich gar nicht so nachvollziehen, da ich ehemalige Wettkampfschwimmerin bin.

Da kam mir die Idee, zu schauen, ob ich wieder Spaß am Schwimmen finden würde. Ich habe mich informiert und mir wurde der Bad Homburger Schwimmclub empfohlen, der eine gute Masters („Senioren“) Mannschaft hat. Nach einem „Probeschwimmen“ bin ich seit Januar 2008 regelmäßig 2-mal die Woche ins Training. Am Anfang bin ich zur Kontrolle immer noch mit Herzfrequenzmesser geschwommen, um sicher zu gehen, dass die Herzfrequenz nicht zu hoch ist. Ich habe meine Leistung langsam gesteigert und habe meine Liebe zum Schwimmsport wieder entdeckt!

Das Gute am Training in 2008 war, dass ich wirklich von 0 an ein Grundlagenausdauertraining par excellence absolviert habe.

Im März 2008 waren wir auf Mallorca imTrainingslager zum Radfahren. Ich war ganz brav mit einer Frauengruppe unterwegs und bin in meiner Herzfrequenzzone gefahren. Ich hatte das Glück, eine erfahrene Triathletin in der Gruppe zu haben, die mich sehr einfühlsam betreut hat.

Im September 2008 habe ich meinen erste Jedermann-Triathlon gemacht und war total begeistert. Im Oktober bin ich meinen ersten 10-km-Lauf in Bad Homburg in einer Zeit von unter 1 Stunde gelaufen, ich war sehr zufrieden.

Im Januar 2009 bin ich nach 30-jähriger Wettkampfpause meinen ersten Schwimmwettkampf geschwommen. Ich habe 2009 viele Wettkämpfe (Triathlon, Laufen, Duathlon, Schwimmen) gemacht und war sehr zufrieden mit mir.

Seitdem schwimme ich regelmäßig nationale und internationale Wettkämpfe und bin im Triathlon und Duathlon dabei.

Ich kann sagen, ich habe viel Glück gehabt!

Never give up and make it happen!

 

Monika Sturm-Constantin

 

Quellenangaben:

1. http://www.lichtkreis.at/html/Wissenswelten/Symbolik_Talismane/bedeutung-symbol-herz.htm

2. http://www.aks.or.at/angebote-fuer-erwachsene/bewegung/mehr-zum-thema-bewegung/vorbeugung/gesundes-herz-2013-gesunder-mensch/

3. http://www.sportmedinfo.de/Todesfaelle.htm

4. http://klinikum-bremen-mitte.medical-guide.net/deutsch/H/HerzKreislaufErkrankungen/Herzmuskelentzndung/page.html

5. http://www.apotheken-umschau.de/herzbeutelentzuendung

6. http://www.netdoktor.at/krankheiten/fakta/myokarditis.htm

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