Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Eine Herzensangelegenheit

Als Sportler oder Trainer sollten Sie die wichtigsten Krankheiten des Herzens kennen

Das Herz - ein unermüdliches Kraftwerk, das täglich rund 8000 Liter durch unseren Körper pumpt. Doch es will auch gut gepflegt werden, denn es gibt zahlreiche Erkrankungen die unseren wichtigsten Muskel betreffen können. Hand aufs Herz: Kennen Sie alle? 

Als Sportler oder Trainer ist es allerdings ungemein wichtig die häufigsten Krankheiten des Herzens zu kennen, um Vorbeugen und im Notfall reagieren zu können. In diesem Artikel wollen wir einen Überblick über die häufigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen liefern - Was sind die typischen Symptome und was die richtige Therapie? Wie kann ich vorbeugend für mein Herz tun? 

Lesen Sie dazu auch: Die Physiologie des Herzens

  

Arteriosklerose

Bei der Arteriosklerose wird in der Allgemeinheit auch von der Verkalkung der Arterien gesprochen. Dabei verdicken und verhärten die Gefäße und verlieren so ihre Elastizität. Meist ist die Arteriosklerose allerdings nur die Ursache für gravierende Folgen: Im fortgeschrittenen Stadium verstopften die Arterien und führen so zu Durchblutungsstörungen in wichtigen Organen wie Herz, Hirn oder Nieren. Außerdem geht mit der Arteriosklerose auch die Gefahr von Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Diabetes mellitus einher.

Zu den Risikofaktoren zählen neben unveränderbaren Eigenschaften wie Alter, Geschlecht und Erbanlagen zählen vor allem auch bestimmte Verhaltensweisen. Rauchen, schlechte Ernährung, Übergewicht, Stress, Bewegungsmangel - durch einen gesunden Lebensstil kann das persönliche Risiko deutlich gesenkt werden. 

Koronare Herzkrankheiten

Eine bekannte Folge koronarer Herzkrankheiten ist die Koronarinsuffizienz. Der Schweregrad wird in 4 Stufen eingeteilt, wobei Stufe 3 für eine 75-99 % Verengung der Herzarterien steht und meistens eine Angina Pectoris (Herzschmerz) zur Folge hat. Diese äußert sich durch Schmerzen hinter dem Brustbein, welche meist nach einer körperlichen Belastung entstehen und von kurzer Dauer sind. Normalerweise strahlen sie in Schulter und Arm der linken Seite aus. Den meisten Betroffenen kann kurzfristig durch Nitrat (z.B. Nitrospray) Linderung verschafft werden.

Aus einer instabilen Angina Pectoris resultiert oft ein Herzinfarkt. Dieser bedeutet nichts anderes, als das Absterben eines begrenzten Teils der Herzmuskulatur. Reagiert der Patient nicht auf die Nitrogabe, klagt über Schwäche oder Angstzustände und hat einen Blutdruckabfall sowie Herzrhythmusstörungen, bleibt nur noch die sofortige Einlieferung in ein Krankenhaus.

Einem erneuten Infarkt versucht man mit Blutgerinnungsmitteln entgegenzuwirken. Hiermit soll verhindert werden, dass ein weiterer Thrombus (Blutgerinnsel) die Arterie vollständig verschließt. Exzessiver und belastender Sport verstärkt die Gefahr der Bildung eines Blutgerinnsels, während wohldosierter Sport im Gegensatz die Auflösung derselben fördert.

Bei der Koronarinsuffizenz kann die Blut- und damit die Sauerstoffversorgung des Herzens nicht mehr ausreichend gewährleistet werden. In den meisten Fällen liegt die Ursache hierfür bei der vorab erwähnten Arteriosklerose, so dass auch hier die beste Vorsorge das Ausschalten der Risikofaktoren darstellt. Wichtig: Bei akuten Beschwerden darf auch hier nicht abgewartet werden, es gilt sofort eine Klinik aufzusuchen!

Sowohl als Prävention als auch in der Rehabilitation kommt dem Sport eine hohe Bedeutung zu. Bei der Wahl der Sportart gibt es grundsätzlich keine Einschränkung. In der sportlichen Therapie ist es vor allem wichtig, dem Patient zu einer allgemeinen Einschätzung seiner Belastungsfähigkeit zu verhelfen, die aerobe Ausdauer zu stärken und ihm Entspannungstechniken und Mittel zum Stressabbau an die Hand zu geben. Es gibt spezielle Herz-Sport-Gruppen, die einen sicheren und einfachen (Wieder-)Einstieg in den Sport für Herzpatienten bieten. Auch die soziale Komponente spielt hier eine Rolle: Betroffene treffen auf Gleichgesinnte und erleben neben dem Erfahrungsaustausch auch, dass sie belastbarer sind, als sie häufig glauben.

Herzinsuffizienz

Ist das Herz nicht mehr in der Lage, die vom Körper benötigte Menge an Blut zu fördern, spricht man von einer Herzinsuffizienz. Es können nur die linke oder rechte Herzkammer oder aber das gesamte Herz betroffen sein. Je nach Form unterscheiden sich die Symptome der Krankheit. So führt eine insuffiziente linke Herzkammer zum Beispiel zu Atemnot, während die Rechte eine sichtbare Venenstauung oder auch eine Gewichtszunahme mit sich bringt. Ist das gesamte Herz betroffen, vergrößert es sich, der Puls steigt und es kommt nachts zu einem stärkeren Harndrang. Ursache sind auch hier meist die koronaren Herzkrankheiten oder Bluthochdruck. Die Trainingsempfehlung bleibt die gleiche, dazu sollte aber eine kaliumreichen und kochsalzarmen Ernährung kommen.

 

Herzklappenfehler

Zwischen den Arterien, den Vorhöfen und Herzkammern dienen die Herzklappen als Ventile. Sie verhindern, dass das Blut in die falsche Richtung zurückfließt. Im Krankheitsfall kann es vorkommen, dass sich die Klappen verengen oder nicht mehr richtig schließen. Man spricht dann von einer Stenose oder einer Insuffizienz der Herzklappen. Diese Herzklappenfehler können angeboren oder die Folge eines rheumatischen Fiebers sein. Beide Formen führen zu einer Hypertrophie des Herzens und danach zur Herzinsuffizienz. Daher folgen die Therapiemaßnahmen den Empfehlungen bei Herzinsuffizienz. Treten bereits bei leichter Belastung Beschwerden auf, ist eine Operation der Normalfall. Hier kann entweder die vorhandene Herzklappe „repariert“ oder durch künstliche sowie biologische Klappen ersetzt werden.

Herzrhythmusstörungen

Verschiedene Krankheitsbilder können den normalen Rhythmus des Herzens beeinflussen. Dies fasst man unter dem Sammelbegriff „Herzrhythmusstörung“ zusammen. Neben der bereits erwähnten koronaren Herzkrankheit und weiteren Herzfehlern ist vor allem die Herzmuskelentzündung ein Auslöser. Aber auch Bluthochdruck, die Psyche, ein gestörter Elektrolythaushalt, eine Schilddrüsenüberfunktion, Sauerstoffmangel, Medikamente, sowie Rauschmittel können Ursachen sein.

Bei einer auf dem EKG sichtbaren Frequenz von 250-300 Kontraktionen pro Minute spricht man von Kammer-Flattern, während bei 350-600 das Kammer-Flimmern einsetzt. Dies stellt die schwerwiegendste Form der Herzrhythmusstörung dar, denn hier kommt die Pumpfunktion des Herzens völlig zum Erliegen und die Blutversorgung der lebenswichtigen Organe ist nicht mehr gewährleistet. Ohne Behandlung ist der sofortige Tod die Folge.

Daher ist schnelles Handeln wichtig. Als erste Sofortmaßnahme kommt die ABC-Regel zum Einsatz: Atemwege freimachen, Beatmen und Circulation (Herzmassage).

Ergänzend schließt sich DEF an: Drugs (Medikamente), EKG-Diagnostik (Defibrillation) und fortgesetzte Behandlung via Notarzt/Intensivstation.

Langfristig betrachtet hilft ein Herzschrittmacher betroffenen Menschen. Im Training mit diesen Geräten ist zu beachten, dass die Herzfrequenz keine Beurteilung der Belastung mehr erlaubt. Andere Parameter wie Schweiß, Atmung oder das eigene Belastungsempfinden sind hier heranzuziehen. Ausladende Armbewegungen sind ebenso wie sehr starke Anstrengung aufgrund der erhöhten Thrombose-Gefahr zu vermeiden.

Bluthochdruck

Bei der Messung des Blutdruckes unterscheidet man die systolische und die diastolische Phase. Die erste bezieht sich auf den Moment, in dem das Herz Blut in den Körper pumpt, während sich die zweite auf die Füllungsphase des Herzens bezieht. Stellen Sie sich einen Blasbalken vor, in den die Luft hineinströmt (diastolisch), wenn Sie ihn öffnen und herauskommt (systolisch), wenn Sie ihn schließen. Der Richtwert liegt bei 120/80 mmHg, wobei in der Medizin die veraltete Druckeinheit Millimeter Quecksilbersäule weiterhin verwendet wird.

Dieser Wert wird neben der reinen Leistung des Herzens auch durch die Gefäße bestimmt. Je geringer der Durchmesser und je weiter die Gefäße vom Herzen entfernt liegen, desto höher ist der Blutdruck. Es macht daher Sinn, den Blutdruck mittels Manschette am linken Oberarm zu messen und nicht etwa am Handgelenk.

Ab einem dauerhaften Wert von 140/90 gilt der Blutdruck als erhöht. Im Falle von Bluthochdruck (Hypertonie) gibt es verschiedene Abstufungen. Die folgende Tabelle stellen diese dar:

systolisch

diastolisch

>180

>110

Schwere Hypertonie (3. Stufe)

160-179

100-109

Mäßige Hypetonie (2. Stufe)

140-159

90-99

Leichte Hypertonie (1. Stufe)

120-139

80-89

Vorstufe Hypertonie

<120

<80

Normalwerte

<90

<60

Hypotonie

Wichtig: Schon wenn einer der beiden Werte erhöht ist, wird von Bluthochdruck gesprochen. Oft wird der diastolische Wert als gravierender angesehen, da er den Basisdruck darstellt.

Ursachen für einen hohen Blutdruck können entweder unbekannte genetische Gründe sein, aber auch eine Schädigung der Niere und Hormonschwankungen. Je nach Schweregrad kann Hypertonie wiederum zu einem Wachstum des Herzens und zu Folgeerkrankungen der Organe führen.

Die WHO zählt als weitere Risikofaktoren Übergewicht, falsche/salzreiche Ernährung, Medikamente, Rauchen, hoher Alkohol- oder Koffeinkonsum und psychische Stressfaktoren an. Auch hier spielt der Lebensstil also eine entscheidende Rolle.

Therapiemaßnahmen bei entsprechender Diagnose können sein:

- Gewichtsnormalisierung

- natriumarme Ernährung

- Vermeidung von blutdrucksteigernder Medikamenten

- Aufgeben des Rauchens

- Entspannungstraining

- Steigerung der körperlichen Fitness

Hinzu kommt besonders im fortgeschrittenem Stadium eine mögliche Medikamentengabe:

-ß-Blocker: Diese blocken die sympathische Aktivität -  vereinfacht gesagt: Sie schützen das Herz vor Belastungsspitzen. Der Puls steigt kaum noch über 140 und Fette können nicht mehr als Energielieferant herangezogen werden. Daher sind lange Ausdauerbelastungen nicht empfehlenswert, da sie zur Unterzuckerung führen können.

- Diuretika: Erhöhen die Wasserausscheidung, womit mehr Salz abgegeben wird und gleichzeitig auch das Blutvolumen sinkt. Bei der Einnahme von Diuretika sollte ausgleichend auf eine kaliumreiche Ernährung und ausreichende Wasserzufuhr geachtet werden.

- Kalziumantagonisten: Sie weiten die arteriellen Gefäße. Es kann zu leichten Schwankungen der Herzfrequenz kommen, die aber in der Sportpraxis nicht von Bedeutung sind.

- ACE-Hemmer: Diese weiten ebenfalls die Blutgefäße und senken damit den Blutdruck, ohne die im Vergleich mit ß-Blockern negativen Auswirkungen auf Puls oder Stoffwechsel zu haben. Allerdings ist ihre Wirkung auf die Hypertonie auch geringer. Für das weitere Sporttreiben sind sie ideal.

Deutlich seltener kommt es zur krankhaft niedrigen Blutdruck (Hypotonie). Meistens sind junge Frauen betroffen, die sich wenig bewegen und viel Stress haben. Andere Gründe können Vorerkrankungen und Medikamenten sein. Wer morgens unter Kopfschmerzen und Schwindel leidet, Probleme hat, in Schwung zu kommen, über kalte Hände und Füße klagt und in eher depressiver Stimmung ist, sollte den Blutdruck kontrollieren. Neben Sport werden eine salzreiche Ernährung, Massagen und die Kneipp-Therapie als Gegenmaßnahmen eingesetzt. In besonders schweren Fällen kann es auch hier zur Medikamentengabe kommen.

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