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Der Weg zum Triathlon - Fakten für Einsteiger

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Wo liegt die Faszination, die der Triathlon auf immer mehr Sportler ausübt?

Das 1. Triathlonrennen fand 1978 auf Hawaii statt. Dass diese Idee, 3 Sportarten in einer zu kombinieren, aus einer Bierlaune entstanden ist, ist heutzutage kein Geheimnis mehr. Wie sich jedoch diese junge Sportart bis zum heutigen Tag entwickelt hat, hätte damals wahrscheinlich keiner erwartet.

Ob Ironman, Challenge, Will Power Races oder eines der vielen anderen Formate, der Triathlon ist weiter auf dem Vormarsch. Eine Umfrage von Statista aus dem Jahr 2012 zeigt, dass rund 2,6 Millionen Menschen aus Deutschland großes Interesse an Triathlon haben. 11,7 Millionen Menschen bekunden ein geringes Interesse und ca. 45 Millionen Deutschen ist der Triathlon egal. Diese Werte sind laut der Umfrage seit 2010 sehr konstant.

 

Die Entwicklung

Betrachtet man jedoch die Entwicklung der Deutschen Triathlon Union (DTU) und wirft man einen Blick in die Bestandserhebung des Deutschen Olympischen Sport Bundes (DOSB), so wird schnell deutlich, dass Triathlon boomt. Gab es 2010 noch 35.640 Triathleten, die den Landesverbänden und somit der DTU angehören, stieg die Mitgliederzahl 2011 auf 42.284 zahlende Mitglieder. Vergleicht man diese Zahl mit den rund 6,7 Millionen Mitgliedern des Deutschen Fußballbundes, wird natürlich schnell deutlich, welchen Stellenwert Triathlon noch in der heutigen Gesellschaft hat. Aber aus der Erhebung des DOSB kann auch analysiert werden, welche Entwicklung der Triathlon gerade vollzieht. Werden alle Olympischen Spitzenverbände gemeinsam bewertet, so ist ein Mitgliederrückgang von 0,54 % zu beklagen. Entgegen dieser Entwicklung präsentiert sich der Triathlon. Wie bereits zuvor angedeutet, stieg die Anzahl der Mitglieder von 2010 bis 2011 um 16,8 %. Von 2009 bis 2010 war ein Zuwachs von 10,8 % zu verzeichnen. Die Tendenz ist also klar steigend. Bereits zur Mitte diesen Jahres teilte die DTU mit, dass die Grenze von 50.000 Mitglieder überschritten wurde. Auch die Anzahl der Triathlonvereine nimmt stetig zu. Waren es 2010 noch 1.361 registrierte Vereine, stieg auch hier die Anzahl in 2011 weiter auf 1.424. Zusätzlich geht die DTU davon aus, dass in Deutschland ca. 200.000 Athleten Triathlon betreiben, aber keinen Startpass besitzen und somit nicht registriert sind.

Doch wer sind diese neuen Mitglieder, die solch ein Interesse am Triathlon haben? Fakt ist, dass durch die Aufnahme in die Olympischen Spiele 2000 in Sydney nun auch verstärkt die Jugend gefördert wird und somit eine weitere Zielgruppe erreicht wurde. Waren früher die traditionellen Sportarten wie Fußball oder Handball im Fokus der Kinder und Jugendlichen, so ist Triathlon mittlerweile eine Alternative geworden.

Dies erklärt aber immer noch nicht, warum man sich teilweise nachts vor den Rechner wiederfindet, um sich noch einen Startplatz für eine Langdistanz oder andere beliebte Wettkämpfe zu erkämpfen. Da Langdistanzen bekanntermaßen erst ab 18 Jahren bestritten werden dürfen, fallen hier die zuvor genannten Kinder und Jugendlichen raus.

 

Wer?

Nicht selten wird Triathlon als ein Auffangbecken der verschiedensten Personengruppen und Sportarten bezeichnet. Dies ist nicht negativ gemeint, sondern soll verdeutlichen wie facettenreich und anziehend diese Sportart ist und wie diese das Interesse der unterschiedlichsten potentiellen Zielgruppen weckt. Ob Schwimmen, Radfahren oder Laufen, Abwechslung ist in der Regel immer gewährleistet und sorgt für die entsprechende Vielseitigkeit. Also wer sind diese Leute, die Spaß daran haben sich bis zu 15 Stunden lang zu quälen, viel Geld und Zeit investieren und aus Sicht der „Normalen“ einfach nur einen „Knall“ haben?

Wie sieht nun der typische Triathlet aus? Eine Studie der TribeGroup, die von USA Triathlon (USAT) in Auftrag gegeben wurde, besagt, dass der durchschnittliche amerikanische Triathlet mit einer 60 %-igen Wahrscheinlichkeit männlich, ca. 40 Jahre alt, verheiratet ist und 126.000 $ (95.760 €) pro Jahr verdient. Weiterhin hat er einen Hochschulabschluss und gibt im Jahr 6.200 $ (ca. 5.000 €) für seinen Sport aus.

Wo dieser „Durchschnittstriathlet“ hingegen herkommt, lässt sich nicht eindeutig ermitteln. Auf der einen Seite wechseln einige Sportler zum Triathlon, die bereits aus einer der Teilsportart stammen. Andererseits finden sich im Triathlon Personengruppen wieder, die aus den unterschiedlichsten Bereichen stammen und aus Interesse in die Sportart reinschnuppern und nicht selten vom „Triathlon-Virus“ erfasst werden.

Eines aber haben die meisten Triathleten gemeinsam: Unabhängig vom Geschlecht, Familienstand oder Einkommen, der Triathlet ist in der Regel ein sehr disziplinierter, ehrgeiziger und zielstrebiger Mensch, der einen hohen Aufwand betreibt, um seine persönlichen Ziele zu erreichen. Für viele Athleten ist Triathlon nicht nur ein Hobby sondern in gewisser Weise auch eine Lebenseinstellung. Die meisten Athleten sind leistungsorientiert, sprich, sie wollen sich verbessern. Zusätzlich lebt der Triathlet sehr bewusst und achtet auf seinen Körper. Training, Ernährung oder Material, alles muss passen. (Welche Triathlon-Ausrüstung braucht ein Anfänger?)

  

Doch warum ausgerechnet Triathlon?

Speziell die Königsdisziplin in der Sportart, die Langdistanz, übt hier eine große Faszination auf alle Triathleten aus und hat einen großen Anteil an der Entwicklung des Sports. Allein die Vorstellung, 3,8 km zu schwimmen, 180 km auf dem Rad zu verbringen und dann noch zum krönenden Abschluss 42,2 km zu laufen, flößt selbst gestandenen Athleten immer wieder Respekt ein. Was für „Nicht-Sportler“ gar nicht einzuordnen ist, bedeutet für den Triathleten Grenzerfahrungen zu sammeln, bzw. Grenzen neu zu verschieben. Zu was bin ich fähig? Was früher der Marathon war, ist heute die Langdistanz.

Das Naturell des Menschen ist selten zufrieden mit dem Erreichten, so dass schnell neue Herausforderungen her müssen. Nicht selten gelten Triathleten als Einzelkämpfer und egoistisch. In gewissen Vorbereitungsphasen ist fast alles dem persönlichen sportlichen Ziel untergeordnet. Auch wenn unter anderem die sozialen Kontakte in dieser Phase nicht selten leiden, das Ziel wird nicht aus den Augen verloren und Opfer werden dabei in Kauf genommen. Nur wie erklärt man einem Außenstehenden dieses Verhalten. Es geht nicht um Leben und Tod, es wird kein Geld damit verdient, ganz im Gegenteil - man quält sich Tag für Tag. Eine rationale Antwort sucht man hier vergebens. Dass der Triathlet als reiner Einzelkämpfer zu sehen ist, entspricht nicht mehr ganz der Wahrheit. Die Studie der TribeGroup zeigt auch hier, dass mittlerweile 65 % der Athleten die soziale Komponente als sehr wichtig erachten. Das gemeinsame Training in der Gruppe, ob bei Einsteigern oder Profis, ist somit ein nicht unerheblicher Faktor. Im Allgemeinen dürfen gesellschaftliche Tendenzen wie die Individualisierung und der zeitliche Druck aufgrund der beruflichen Belastung in der Betrachtung nicht vernachlässigt werden.

 

Faktor "Faszination"

Des weiteren sind es natürlich auch die Bilder oder Berichte, die die Menschen regelmäßig ins Staunen versetzen. Wer träumt nicht davon einmal bei den Ironman-Weltmeisterschaften auf Hawaii zu starten. Es lässt keinen unberührt, wenn 1.800 Athleten das Wasser zum Kochen bringen, wenn die Hitze auf dem Asphalt flackert und der Wind noch sein Übriges tut. Unvergessliche Szenen wie das Überqueren der Ziellinie von Julie Moss auf allen Vieren lassen einen Mythos weiter wachsen. Was für einige nicht nachvollziehbar oder verrückt ist, treibt den Triathleten gerade zu an. Die Emotionen und Herausforderung machen diese wunderbare Sportart so einzigartig und das wollen immer mehr Menschen miterleben und selbst erfahren und spüren.

 

Frederik Martin

 

Quellenangaben:

1. http://de.statista.com/statistik/daten/studie/171071/umfrage/interesse-an-der-sportart-triathlon (30.11.2012)

2. http://www.dosb.de/de/service/download-center/dosb-organisation/bestandserhebung/ (30.11.2012)

3. TribeGroup LLC (2009): „The mind of the Triathlete“

4. www.dtu-info.de (30.11.2012)

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